Bislang hatten wir kaum Probleme, einen Joghurt auf Genießbarkeit zu prüfen. Wer feiertagspanisch weit vor Gründonnerstag die Vorräte aufstockte und am Ostermontag den Finaljoghurt der Geschmacksrichtung Quinoa-Makrele öffnet („Unser Sommeraroma 2016“), der sieht am zartgrünen Pelz, dass da was gärt. Na und? Kinder würgen, aufgeklärte Verbraucher tragen den Beweisbecher zurück in den Supermarkt, Menschen mit Kriegstrauma löffeln tapfer – und überleben. Fazit: Mensch und Joghurt kommen ganz gut miteinander aus.

Gleichwohl will der zu Recht weithin unbekannte Bundesverbraucherminister Schmidt nun Hightechsensoren in Joghurtbecher kleben, um den Verwesungsgrad grün-gelb-rot anzuzeigen, vermutlich mit App, Internet, viel Forschungsgeld plus EU-Verordnungen. Es gilt: Technik funktioniert gern dort, wo sie kein Mensch braucht, siehe Kofferraumklappenniederfahrautomatik.

Anstatt Joghurtbecher rund um die Uhr zu bewachen, könnte man die Chips besser in Kalaschnikows implantieren. Und die Frage klären: Wenn die Überwachungstechnologie in jeden Kühlschrank reicht, warum dann nicht auch bis in die Küchen von Molenbeek, wo man sich offenbar ganz prima verstecken und Attentate planen kann?

Haben wir uns nicht fürchterlich empört, weil diese NSA die Lauf- und Lebenswege aller Erdenbürger zu verfolgen und vertrauliche Gespräche sogar bei ausgeschaltetem Smartphone aufzuzeichnen versteht? Interessante Vorstellung, dass die Amis das Handy der Kanzlerin abhören und der Verbraucherminister ihren Joghurtbecher checkt, während Terroristen unten den Sprengstoff vorfahren.

Wenn die Brüsseler Anschläge eine Lehre liefern, dann die: Es wäre von kontinentalem Interesse, alle jene Kraft, die bislang in Griechenland, Cameron und Gurken investiert wurde, alternativlos in eine kooperativ angelegte EU-Datei zu stecken, die Syrien-Heimkehrer und alle anderen potenziellen Straftäter auflistet. Jedes ihrer Handys bekommt gratis noch einen Schmidt-Chip dazu. Im richtigen Leben, also außerhalb der gepanzerten Limousinen, nennt man es Prioritätenliste: Erst Terroristen, dann Joghurt.


Moderator: Hajo Schumacher fragt sich, ob es auf den Schultoiletten schon immer so aussah, wie heute.
Moderator: Hajo Schumacher fragt sich, ob es auf den Schultoiletten schon immer so aussah, wie heute. © Reto Klar | Reto Klar

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