Jeder Mensch sucht statistisch gesehen täglich zehn Minuten nach Schlüsseln. 90-Jährige haben ein halbes Jahr ihres Lebens damit verbracht. Doch bald ist Schluss damit. Dann wird unser Smartphone Wohnung, Rad, Briefkasten (Unsinn, gibt’s ja nicht mehr) und das Bankfach auf den Caymans öffnen können.
Wir müssen nur das Gerät einschalten, den Code eingeben, aufs Netz warten – 2G reicht leider nicht –, außerdem Akku geladen und die zwölfstellige Schloss-Pin mit Groß- und Kleinschreibung sowie drei Sonderzeichen in Niedermandarin fehlerfrei eingetippt haben. Schon sind wir in der Cloud, wo wir vielleicht unser Türschloss finden, das 25 Zentimeter vor uns rot blinkt. Falls es zäh bei Rot bleibt, hilft das freundliche Key-Call-Center. Voraussichtliche Wartezeit: elf Minuten. Die Zukunft wird es nicht ohne Kuhfuß geben.
„Interface“ heißt die sensible Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Google bietet das perfekte Interface: eine leere Zeile, die jeden Unsinn in jeder Sprache verzeiht. Zum sperrigen Interface tendieren Kreditkartenfirmen. Aus Sicherheitsgründen ist da etwa unerwartet eine Wer-wird-Millionär-Frage zu beantworten, deren Lösung man einst mal hinterlegt hat. Beispiel: Wie hieß dein erster Hund? Ich hatte nie einen. Lassie? Idefix? Blondi? Drei Fehlversuche.
Satzanfänge, die Angst machen
Während des Wartens in der Hotline kann man übrigens prima Schlüssel suchen, den Kartenanbieter wechseln oder tendenziell unsinnige Spontankäufe im Internet überdenken.
Nette Begrüßung: „Sie schon wieder ...“ – man kennt sich.
„Sie müssen doch einfach nur auf der Website ...“ – Satzanfänge, die Angst machen.
Neue Frage beantworten: Wie hieß dein erster Klassenlehrer? Lämpel? Pfeiffer? Schnabelstedt?
Das Geheimnis hinter Deutschlands Jobwunder: Auf drei Bürger kommt inzwischen ein psychologisch geschulter Berater, der das Leben immer wieder entsperrt. Aber nun arbeiten Techniker an einer gänzlich neuartigen Lösung: ein Metallstück mit individuell eingefräster Zahnung, die weltweit nur zu einem Schloss passt. Einziges Problem: Man verlegt es hin und wieder.

Kolumne "Schumachers Woche"
Einst wurden Polizisten bepöbelt, heute werden sie angegriffen. Demokratie braucht Menschen, die sie verteidigen, sagt Hajo Schumach
Ganz normaler Wahnsinn - Wie Paranoia 2015 das Land regierte
Kaputt, Versagen, Katastrophe – das war der tagtägliche deutsche Sound 2015. So wie in jedem Jahr, meint Hajo Schumacher.
Weihnachtskarten: Schluss mit dem Christmas-Bullshit-Bingo!
Millionen Weihnachtskarten werden verschickt. Fast alle sind scheußlich. Man sollte sich lieber selbst schreiben, sagt Hajo Schumacher.





