Schumachers Woche

Erst einmal Nein sagen! Der Erfolg egomanischer Querleger

Moderne Politiker wie Donald Trump, Recep Tayyip Erdogan, Wladimir Putin oder Frauke Petry setzen auf Protest, Provokation, Protzerei.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump

Foto: SCOTT AUDETTE / REUTERS

Valentin Kassarnig von der Universität Massachusetts ist eine bahnbrechende Erfindung gelungen – der Redenautomat. Je nach gewünschter politischer Richtung und Zuhörerschaft schreibt eine Software die perfekte Ansprache. Leider kommt die Innovation zu spät. Wer Karriere machen will, der braucht eine Wut-, Hass- oder Brandrede.

Wir im Romantikflügel des deutschen Hauses dachten ja immer, dass die drei großen Ko’s durch das Leben und auch die Politik helfen: Kooperation, Kompromiss, Konsens, eben jene Fähigkeiten, die die Primaten von Amöben unterscheiden. Falsch: Das Publikum will sich gruseln, wundern, amüsieren.

Trump, Edogan, Putin, Petry

Moderne Politiker wie Donald Trump, Recep Tayyip Erdogan oder Wladimir Putin, Frauke Petry oder der aktuelle Kim aus Nordkorea nutzen die drei Pro’s: Protest, Provokation, Protzerei. Früher war der Bösewicht ein Einzelgänger, der die Welt vernichten wollte (Dr. No) und dabei eine coole Sonnenbrille trug (Gaddafi).

Heute rumort der Phänotyp des SUV auf jedem Elternabend: zu breit, zu laut, Angeber. Einst gab’s für Dreistigkeit, Bockbeinigkeit und herbeifantasiertem Opfergestus was auf die Finger, heute die Topmeldung der „Tagesschau“. Wer sich mit Regeln oder Benehmen aufhält, ist ein Idiot.

Mit dem Weltuntergang drohen

Egomanisches Querlegen ist eher lästig als sozialverträglich, aber funktioniert, wie der Brexit-Brite Cameron beweist. Erst mal Nein sagen und dann abwarten, wie viel für ein Vielleicht geboten wird. Wichtigste Übung für Provokateure: mit Weltuntergang drohen, entweder per Atombombe (Kim), Präsidentschaft (Trump), Schusswaffengebrauch (von Storch) oder Singen (Troubadix). Gern treten diese Herrschaften auch im Doppel auf, Putin und Assad etwa, und reden von Frieden.

Nun versucht sich auch der frühere Entertainmentpolitiker Horst Seehofer als Schurkenpraktikant. Er macht vieles richtig, besucht erst Putin, dann Orbán, droht mit Verfassungsklage. Warum wirkt der Oberbayer trotzdem nicht Furcht einflößender als ein Pudel im Grizzly-Kostüm? Vielleicht fehlt die Sonnenbrille. Oder ein Foto hoch zu Pferd.

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