Der Tod ist das Ende des Lebens. Ob mit dem Tod das ewige Leben beginnt, ob die Toten gar wiederauferstehen werden, ist eine Frage des Glaubens an Gott und seine biblische Botschaft. Ohne auch nur im Geringsten blasphemisch oder sarkastisch werden zu wollen, scheint mir der Zustand der christlichen Kirchen wenig geeignet, Zweiflern und Verzweifelten Hilfe zu gewähren und den Weg zu weisen.
In der „Deutschstunde“ geht es allerdings weniger um theologische denn um orthografische Fragen. Dabei bieten die Schreibweisen der Bestandteile Tod- oder Tot- und der Vorsilben tod- und tot- Zweifel genug, die sich glücklicherweise mit irdischen Mitteln lösen lassen. Der nhd. Tod schrieb sich ahd. t ōt mit t und mhd. t ōd mit d. Sprechen Sie doch einmal „Tod“ aus! Ihre Zunge wird vorn und hinten ein T formen. Hier liegt eine sogenannte Auslautverhärtung des Konsonanten am Silbenende vor, die in der Schreibung nicht berücksichtigt wird. Rückt der Konsonant im Genitiv (des To-des) an den Silbenanfang, sind wir gesprochen und geschrieben beim d. Die Eigenschaft, das Adjektiv tot, wiederum hat ein t am Ende: Er ist tot. Das t bleibt in eindeutigen adjektivischen Erstgliedern erhalten. Dabei entstehen Komposita, die die Veränderung einer Eigenschaft oder eines Zustandes ausdrücken: sich totarbeiten, totfahren, totlachen, sich totlaufen, totmachen, totsagen, totschießen, totschlagen, totschweigen, tottreten. Handelt es sich beim Erstglied tot- demnach ausschließlich um Verben? Das ist nicht der Fall. Solche Verben können auch substantiviert werden. Falls wir jemanden totsagen, haben wir es mit einem Totgesagten zu tun. Wenn der Angeklagte wegen Totschlags verurteilt wird, muss er einen anderen totgeschlagen haben. Der Totpunkt ist die Zusammenziehung des toten Punktes, die Totgeburt die Geburt eines toten Kindes oder Tieres.
Bei einer Handlung „t“, bei einem Zustand „d“
Mit d schreibt man Komposita mit dem sub-stantivischen Erstglied Tod: todbereit (zum Tode bereit), todgeweiht, Todfeind, Todsünde, Todkranker. In vielen Fällen hat das Erstglied gar keine Verbindung zu Tod und Beerdigung, sondern dient als Verstärkung des Ausdrucks mit der Bedeutung „sehr, äußerst“. Sie war traurig, trauriger als gestern, am traurigsten von uns allen. Diese Steigerung lässt sich jedoch durch den Quasi-Superlativ todtraurig viel anschaulicher ausdrücken. Das Gleiche gilt für todblass, todbleich, todelend, todernst, todkrank, todmüde, todschick, todsicher, todstill und todunglücklich.
Als Eselsbrücke kann man sich merken: Liegt eine Handlung vor (totschlagen), schreiben wir ein t, geht es um einen Zustand (todtraurig), steht ein d. Doch Vorsicht! Eselsbrücken sind wackelig, Beim Totschlag ist beim Opfer, dem Totgeschlagenen, zwar der Tod eingetreten, es muss vorher jedoch totgeschlagen worden sein, sodass es jetzt tot ist.
Ein Mord ist die absichtliche Tötung eines oder mehrerer Menschen aus niedrigen Beweggründen. Die Zahl der Morde, die an einem einzigen Wochenende im Fernsehen verübt werden, könnte, wenn es sich nicht um Fiktion handelte, den Bestand des deutschen Volkes ernsthaft gefährden. Bevor ich mich jedoch über die Lust am Töten in allen Programmen auslasse, zurück zu einem grammatischen Stolperstein: Bekommt der Mord ein Fugen-s?
Das ist unterschiedlich. Hat der Bestandteil Mord- abseits des Strafgesetzbuches lediglich verstärkenden Charakter, benötigt das Kompositum ein Fugen-s: Mords-kerl, Mords-hunger oder Mords-weib. Das gilt auch für Adjektive: mords-dumm, mords-fidel oder mords-gemütlich. Wird Mord- in seiner eigentlichen Bedeutung gebraucht, steht kein Fugen-s: Mordkommission, Mordanschlag, Mordprozess. Eine Mordgeschichte ist erst einmal ein Nullachtfünfzehn-Kriminalroman. Falls es sich jedoch um eine Mordsgeschichte handelt, hat das Buch alle Chancen, ein Bestseller zu werden.

Peter Schmachthagen schreibt hier wöchentlich über die Tücken der deutschen Sprache.


