Bei der Beherrschung der deutschen Sprache ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Es gibt so viele Stolpersteine und Ausnahmen, an denen selbst die Kenner beim Sprechen und Schreiben scheitern, dass man spöttisch sagen könnte: Wenn ein Meister vom Himmel fällt, war er mal einer. Doch zum Spott besteht keinerlei Anlass. Wir alle stolpern ab und zu.
Es gibt Fragen, die wiederholen sich ständig. Meine Breitenwirkung auf diesem Gebiet ist äußerst begrenzt, zum Beispiel dann, wenn der Sprecher der „Tagesschau“ wieder vom März „diesen Jahres“ spricht (richtig: dieses Jahres). Eine öffentlich-rechtliche Mitteilung lautete: „Der Termin wurde jedoch wegen Baumängeln oder technischen Problemen mehrfach verschoben.“ Die Präposition „wegen“ fordert den Genitiv, also müsste es „wegen Baumängel“ heißen. Oder? Falsch! Wird bei einem unbegleiteten Substantiv (ohne Artikel oder Attribut) der Genitiv nicht erkannt, tritt der Dativ ein – wegen Baumängeln ist richtig. Also ist „wegen technischen Problemen“ im Dativ auch korrekt? Wieder falsch! Nun ist das Substantiv durch ein Adjektiv begleitet, das die Genitivmarkierung übernehmen kann. Es muss demnach wegen technischer Probleme heißen.
Buchstabiert man „Entgeld“ oder „Entgelt“? Entgelt ist richtig. Obwohl das Geld hierbei im Spiel ist, handelt es sich um das Substantiv zum Verb entgelten. Heißt es „Herzlich Willkommen“ oder „Herzlich willkommen“? Ein kleines w, wenn’s beliebt; willkommen ist ein Adjektiv und wird aus diesem Grunde kleingeschrieben. Übrigens: Ein Wort wird kleingeschrieben und nicht „klein geschrieben“, und wenn es nicht kleingeschrieben wird, wird es großgeschrieben.
Kaufen wir das neue Werk des bekannten „Autoren“? Nein, das Werk des bekannten Autors. Sagt man „Es ist“ oder „Es sind zwei Jahre her“? Es ist zwei Jahre her. Bei dieser Gelegenheit: Es heißt „Zwei und zwei ist (nicht: sind) vier“. Schreibt man in der Anschrift „Herr“ oder „Herrn“ Paul Meyer? Die Anschrift steht nach wie vor im Akkusativ, und man schreibt Herrn Paul Meyer. Allerdings drohen Briefe auf Papier und mit Briefmarke frankiert auszusterben. Wir benutzen das Internet und senden elektronische Post. Obwohl das auch in Deutschland millionen-, wenn nicht gar milliardenfach am Tag geschieht, herrscht eine große Unsicherheit, ob wir es mit einer „email, eMail“ oder „E-Mail“ zu tun haben. Es heißt die E-Mail, und zwar eindeutig, ausschließlich und amtlich nur so! Dazu ein Hinweis: Briefe auf Papier und im Umschlag werden versandt, elektronische Post wird jedoch versendet.
Auch die Interpunktion hat ihre Tücken, und zwar so viele, dass man sie geradezu als heimtückisch bezeichnen könnte. Neben der unsäglichen Diskussion über das Komma vor „und“ geht es vor allem um die weitverbreitete Unsicherheit, ob zwischen zwei Adjektiven ein Komma stehen muss, darf oder kann. Beispiel: Das nette, freundliche Personal servierte einen leichten, fruchtigen Rotwein. In beiden Fällen muss ein Komma stehen, denn es handelt sich um gleichrangige Attribute vor dem Substantiv, die aufzählenden Charakter haben. Das Personal ist nett und freundlich und der Rotwein leicht und fruchtig. Hier zeigt sich deutlich eine Eselsbrücke: Lassen sich die beiden Adjektive durch „und“ verbinden, ohne die Stilistik allzu sehr zu vergewaltigen, steht ohne das Bindewort „und“ ein Komma.
Etwas anderes ist es, wenn eine feste Verbindung aus Substantiv und Adjektiv vorliegt, die durch ein weiteres Attribut näher bestimmt ist – dann würde ein Komma die Fügung unterbrechen und darf nicht gesetzt werden. Beim französischen Rotwein handelt es sich um einen Gesamtbegriff. Der Rotwein kommt aus Frankreich und nicht aus Italien. Aber nicht jeder Rotwein aus Frankreich ist herb oder lieblich. Also klassifizieren wir die Sorte durch ein weiteres Attribut ohne Komma: der herbe französische Rotwein.

Peter Schmachthagen schreibt hier wöchentlich über die Tücken der deutschen Sprache.
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