Aus Spaß sollten Sie einmal folgenden Text so korrigieren, als wären Sie ein Redakteur, der alle Rechtschreib-, Grammatik- und Zeichensetzungsfehler in dem Manuskript verbessern muss:
> Das 14jährige Mädchen mit dem orangenen Schal setzte sich an den Tisch nahe des Fensters, schob das Buch mit den Märchen der Gebrüder Grimm zur Seite und machte sich an die Hausaufgaben. Sie hatte einen Aufsatz für’s Fach Deutsch zu schreiben und zwar über die Erlebnisse während der Großen Ferien. Biggy, wie die Schülerin gerufen wurde, bemühte sich um einen flüssigen Stiel, und streute auch ein Paar Partikeln in die Sätze, das sich auf deutsch gut ließt. Sie fühlte sich aber durch das kleine Kindergeschrei aus dem Nebenzimmer gestört und rief ihrem Brüderchen, der scheinbar diesen Höllen-Lärm veranstaltete, durch die geschlossenen Tür zu: „Geb Ruhe!“. Es ist nicht das Optimalste, das die beiden Zimmer dicht beieinanderliegen, doch so lange die Familie keine grössere Wohnung gefunden hat, haben sich bisher Alle arrangieren gemusst. Vater hat des wegen bereits mit der Nachbarin und derem netten Mann gesprochen. Biggy’s kleiner Bruder versuchte draußen die Schnur seines Drachen zusammen zu binden und ihn steigenzulassen. Auf ein Mal fing es an zu regnen, sodass er die Flugversuche ein für allemal beendete. Brüderchen aß Spaghettis, und Biggy gedachte wieder ihren zarten Gefühlen, die wegen dem fremden Jungen in ihr ganz andere Seiten zum klingen gebracht hatten. Doch von Freudschen Thesen wußte sie noch nichts. Ihre Mine begann zu leuchten. Ihre Erinnerung war nicht todzukriegen und machte sie doch totunglücklich. Dabei hatte sie dem fremden auf dem Oberdeck der „Alte Liebe“ nur zugewunken. <
Zählen Sie durch, wie viele Fehler Sie gefunden haben. Bekommen Sie keinen Schreck, aber an 47 Stellen hätten Sie eingreifen müssen. Deshalb kann die Auflösung nur stichwortartig erfolgen, wobei das kursiv Gestellte die richtige Form ist:
1) 14-jährig
2) orange Schal (nicht flektierbares Farbadjektiv)
3) nahe dem Fenster (Dativ)
4) der Brüder Grimm (nicht: Gebrüder)
5) das Mädchen – es (grammatisches Geschlecht)
6) fürs (ohne Apo-stroph)
7) vor und zwar steht immer ein Komma
8) die großen Ferien mögen lang sein, werden aber kleingeschrieben
9) der Besen hat einen Stiel, der Text aber einen Stil
10) hier kein Komma vor und (Folgesatz ohne Subjekt)
11) ein Paar Schuhe (zwei), aber ein paar Wörter (mehrere)
12) was sich gut liest
13) auf Deutsch (in der Sprache Deutsch)
14) liest von lesen
15) das Geschrei kleiner Kinder (das Attribut darf sich nicht auf das Bestimmungswort beziehen)
16) das Brüderchen, das
17) der Kleine machte nicht scheinbar, sondern anscheinend Lärm
18) Höllenlärm (es besteht kein Anlass, das Wort zu koppeln)
19) 20) „Gib Ruhe!“ (e/i-Wechsel im Imperativ. Hier nach der wörtlichen Rede kein Schlusspunkt)
21) das Optimale (optimal bezeichnet bereits ein Maximum)
22) dass (Konjunktion mit Doppel-s)
23) solange (hier Konjunktion und kein Adverb)
24) größere (das Eszett wurde nicht abgeschafft).
25) alle (klein, unbestimmtes Zahlwort)
26) arrangieren müssen (Ersatzinfinitiv)
27) deswegen
28) deren nettem Mann
29) Biggys (ohne Apostroph)
30) seines Drachens (von der Drachen und nicht „der Drache“)
31) zusammenbinden bitte zusammen
32) steigen lassen bitte getrennt
33) 34) auf einmal, aber ein für alle Mal
35) die Form Spaghetti (ohne -s) ist bereits der Plural
36) ihrer zarten Gefühle (Genitiv)
37) wegen des Jungen (ebenfalls Genitiv)
38) Saiten (die klingen wie bei einer Geige)
39) zum Klingen (groß)
40) Freud’sche oder freudsche Thesen
41) wusste
42) ihre Miene (Antlitz)
43) 44) totkriegen (Tätigkeit), aber todunglücklich (Zustand)
45) dem Fremden (groß)
46) der „Alten Liebe“ (Flexion auch innerhalb der Anführung)
47) zugewinkt.
Übrigens: Der Plural die Partikeln war richtig!

Peter Schmachthagen schreibt hier wöchentlich über die Tücken der deutschen Sprache.


