Wenn in Berlin und Brandenburg am Freitag die Herbstferien beginnen, steht am Flughafen BER die nächste große Reisewelle an: Zwischen dem 20. Oktober und dem 5. November werden am Hauptstadt-Airport 1,2 Millionen Passagiere erwartet. Direkt am Freitag soll der verkehrsreichste Tag mit 90.000 Reisenden anstehen. Während der Herbstferien geht dann auch eine neue Verbindung an den Start: Die Fluggesellschaft Eurowings fliegt ab dem 30. Oktober viermal wöchentlich nach Dubai, in die größte Stadt der Vereinigten Arabischen Emirate am Persischen Golf.
Eurowings setzt auf Wachstum am BER. Schon für den Sommer hatte die Airline, die zur Lufthansa-Gruppe gehört, ihr Angebot verdoppelt, 30 Ziele wurden damit vom Hauptstadt-Flughafen aus direkt angesteuert. Im Winterflugplan sollen es nun 21 sein, auch das entspricht laut Eurowings einer Verdopplung der angesteuerten Destinationen im Vergleich zum Vorjahr. Am Mittwoch stellte Eurowings-CEO Jens Bischof das erweiterte Programm vor und zeigte sich dabei auch für die anstehenden Ferien zuversichtlich: Die Buchungen für den Herbst lägen noch einmal deutlich über den Zahlen aus dem vergangenen Herbst, sagte er. Der BER rechnet insgesamt mit einem Plus von rund 100.000 Passagieren gegenüber den Herbstferien 2022.
Flughafen BER: Eurowings baut Flüge in Städte um den Polarkreis aus
Für seinen Winterflugplan kündigte Eurowings an, erfolgreiche Strecken aus dem Sommer beizubehalten, dazu zählen beispielsweise Städte wie Malaga, Kopenhagen, Graz oder Helsinki. Diese würden erstmals im Winter angeboten, sagte Bischof. Dazu kommen Destinationen weit im Norden. „Die Ziele um den Polarkreis, um die Polarlichter zu sehen, werden auch immer beliebter. Insbesondere Rovaniemi und Tromsø werden wir deshalb ausbauen“, erklärte der CEO weiter.
Durch die Aufstockung des Flugprogramms wächst auch der Marktanteil der Lufthansagruppe am BER. Dieser liegt nach Flughafen-Angaben nun bei 25 Prozent, die Billig-Airlines Easyjet und Ryanair kommen auf 17 beziehungsweise 19 Prozent. Beide hatten ihr Flugprogramm am BER zuletzt reduziert. Eurowings beschäftigt eigenen Angaben zufolge in Berlin inzwischen 220 Mitarbeiter und hat seit März sechs Flugzeuge am BER stationiert. Auch diese Zahl stellt eine Verdopplung dar, eine weitere Aufstockung der Maschinen hier ist laut Bischof derzeit aber nicht geplant.

Flugtickets: Preise steigen um 15 bis 25 Prozent
Für die längere Strecke nach Dubai wird auch eines der neuen Flugzeuge benötigt, die Eurowings gekauft hat. 1,5 Milliarden Euro habe man in insgesamt 13 Maschinen vom Typ Airbus A320neo und A321neo investiert, sagte Bischof. „Es ist die größte Investition in der Firmengeschäfte der Eurowings.“ Die Flüge nach Dubai vom BER werden dem CEO zufolge gut nachgefragt, für Ende Oktober seinen die Maschinen nahezu ausgebucht. Tickets gibt es demnach in der Economy-Klasse ab 179 Euro pro Strecke, in der Business-Class kosten die günstigsten Tickets 350 Euro.
Insgesamt müssen sich Reisende bei Eurowings darauf einstellen, mehr für ihre Flugtickets auszugeben. „Es hat ein Anziehen der Preise gegeben“, räumte Bischof ein, der auf stark gestiegene Kosten verwies, etwa für Kerosin. Demnach habe die Kerosinrechnung des Lufthansa-Konzerns vor der Krise bei rund 4,5 Milliarden Euro gelegen. „Dieses Jahr laufen wir Richtung acht Milliarden Euro“, sagte der CEO.
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Dazu kämen die Inflation und höhere Personalkosten, aber auch Erhöhungen bei diversen Gebühren und Steuern, die staatlich beeinflusst seien. Darunter fallen Luftsicherheitsgebühren, die Luftverkehrssteuer oder Gebühren für die Flugsicherung. Dass die Kosten in diesem Bereich stark gestiegen sind, hatten auch schon andere Airlines kritisiert und darin eine Ursache gesehen, weshalb der Luftverkehr nach der Corona-Krise in Deutschland langsamer wächst als in anderen Ländern.
Die Kostensteigerungen würden natürlich auf die Ticketpreise durchschlagen, erklärte Bischof weiter. Er sprach dabei von durchschnittlichen Preiserhöhungen um etwa 15 bis 25 Prozent, betonte aber: „Das ist schon sehr knapp kalkuliert. Wir sind immer noch in einer einstelligen Marge unterwegs.“
Flughafen-Blockade: Eurowings plant Klage gegen Letzte Generation
Zufrieden über die Erhöhung des Flugangebots von Eurowings am BER zeigte sich auch Flughafen-Chefin Aletta von Massenbach. „Das Angebot passt sehr, sehr gut in unseren Markt“, sagte sie. Auf der guten Erfahrung, die zuletzt mit Eurowings gemacht wurde, wolle man weiter aufbauen. Dabei setzt die Airline inzwischen verstärkt auf den Tourismus und weniger auf den Business-Reiseverkehr. Auch, weil der inländische Flugverkehr noch deutlich stärker unter dem Vor-Corona-Niveau liegt. Von Massenbach sieht das auch in einem veränderten Bewusstsein der Menschen begründet, die etwa auf den Zug umsteigen oder für Meetings gar nicht mehr verreisen, sondern auf Videokonferenzen setzen.
Derweil hat auch Eurowings angekündigt, Klage gegen Mitglieder der Letzten Generation einzureichen. Dabei geht es um Schadensersatz für Flugausfälle am Flughafen BER, die infolge von Blockade-Aktionen im vergangenen November von insgesamt sechs Aktivisten entstanden seien. 120.000 Euro fordert Eurowings, die Klima-Aktivisten waren zunächst außergerichtlich aufgefordert worden, die Summe an Eurowings zu überweisen. Weil die Zahlungsfrist inzwischen abgelaufen ist, werde man nun den juristischen Weg beschreiten, so Bischof. Ebenso soll voraussichtlich mit Blick auf weitere Blockaden an den Flughäfen in Düsseldorf und München vorgegangen werden.



