Der Berliner Pannenflughafen BER braucht einen neuen Chef: Der Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, Hartmut Mehdorn, kündigte am Montag an, den Posten bis spätestens Ende Juni 2015 zu räumen.

Als Grund gab er die seit Wochen kursierenden Gerüchte an, wonach sein Verhältnis zu den Gesellschaftern aus Bund und Ländern tief zerrüttet sei. Die Spekulationen hätten das für ihn „vertretbare Maß“ überschritten. „Ich bedauere meinen Rücktritt persönlich sehr, da er weder meinem Pflichtbewusstsein noch meinen persönlichen Zielen entspricht“, erklärte Mehdorn, der erst vor 21 Monaten ins Amt gekommen war. Sein Rückzug sei aber „in Abwägung der Gesamtlage“ notwendig geworden.

Mehdorn habe dem amtierenden Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Rainer Bretschneider, am Montag angeboten, den Vorsitz der Geschäftsführung solange weiterzuführen, bis ein Nachfolger gefunden sei, erklärte die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg. Spätestens zum 30. Juni 2015 wolle er aber ausscheiden, so die Flughafengesellschaft.

Der Rücktritt des Managers, der bereits Chef der Deutschen Bahn und der Fluggesellschaft Air Berlin war, kommt indes nicht völlig überraschend. Denn in den vergangenen Tagen war bekannt geworden, dass die Flughafen-Miteigentümer, der Bund und das Land Brandenburg, aus Unzufriedenheit über die schleppenden Baufortschritte am Großflughafen BER Mehdorns im März 2016 auslaufenden Vertrag nicht verlängern wollen und sich bereits auf die Suche nach einem Nachfolger gemacht haben. Dies hat Mehdorn offenbar persönlich sehr getroffen.

Der Flughafenchef selbst würdigte am Montag seine eigenen Verdienste: Als er den Vorsitz der BER-Geschäftsführung übernommen habe, hätten auf der Baustelle „Chaos und Stillstand“ geherrscht. Nun seien das weitere Vorgehen auf der Baustelle klar und die technischen Kernfragen entschieden, sagte Mehdorn.

Michael Müller: „Dem Flughafen eine klare Richtung gegeben“

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) erklärte am Montag, er nehme Mehdorns Entscheidung „mit Respekt“ zur Kenntnis. Die Gesellschafter würden sich nun über das weitere Vorgehen – also die Suche nach einem Nachfolger – „zügig“ abstimmen.

Der neue Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) bedankte sich bei Mehdorn für seine Arbeit. „Er hat in den zurückliegenden Tagen dem Aufsichtsrat und der Öffentlichkeit glaubhaft eine Perspektive für die Eröffnung des Flughafens BER dargestellt, hat die schwierige Situation auf der Baustelle neu geordnet und dem Projekt BER eine klare Richtung gegeben“, sagte Müller am Montag.

CDU-Landeschef und BER-Aufsichtsratsmitglied Frank Henkel zeigte sich überrascht vom angekündigten Mehdorn-Rücktritt. „Am Freitag waren sich alle einig, dass es um den Baufortschritt gehen soll, nicht um persönliche Belange“, sagte Henkel. „Es ist bedauerlich, dass auf einen Fortschritt jetzt wieder Unruhe folgt.“

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte am Montag, Mehdorn sei es gelungen, „den Prozess der Inbetriebnahme des BER wieder in die richtige Spur zu bringen“. Er hätte sich zwar einen schnelleren Bau und „weniger Schlagzeilen“ gewünscht, dennoch sei die Leistung Mehdorns unbestritten.

Schnelle Neubesetzung gefordert

Der Vorsitzende des BER-Untersuchungsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus, Martin Delius (Piraten), fordert eine schnelle Neubesetzung des Postens. „Die Amtszeit von Mehdorn und deren äußerst magere Resultate haben gezeigt, dass der Bau des Flughafens ohne technischen Sachverstand in der Geschäftsführung nicht bewerkstelligt werden kann.“

Für die Grünen steht jetzt auch das BER-Fertigstellungsszenario zur Debatte. „Der Regierende Bürgermeister Müller muss nun zügig erklären, ob der angekündigte Eröffnungstermin Ende 2017 weiter Bestand hat oder nur eine Beruhigungspille gewesen ist“, sagte Fraktionschefin Ramona Pop.

Erst am Freitag hatte der Aufsichtsrat Mehdorns Konzept bestätigt, den BER in der zweiten Hälfte 2017 zu eröffnen. Baulich soll der neue Flughafen bis März 2016 fertiggestellt sein, anschließend ist Zeit für TÜV-Abnahmen und einen mehrmonatigen Probebetrieb eingeplant.