Er ist eben ein unabhängiger Mann: Hartmut Mehdorn, 72, hat am Montag überraschend seinen Rücktritt als Flughafenchef am BER angekündigt. Überraschend, weil nach der Aufsichtsratssitzung der Flughafengesellschaft nur drei Tage zuvor eigentlich alles wieder klar schien – die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund hatten Mehdorn am vergangenen Freitag öffentlich das Vertrauen ausgesprochen, der Aufsichtsrat sich sogar auf einen BER-Eröffnungstermin im zweiten Halbjahr 2017 festgelegt.

Doch offensichtlich war das Misstrauen, das Mehdorn in den Tagen davor – vor allem von Brandenburg – entgegengebracht wurde, doch zu groß für einen so erfahrenen Manager wie ihn.

Mehdorn muss sich so nicht behandeln lassen, er ist auch nicht angewiesen auf das Millionen-Gehalt, und er ist letztlich nicht verantwortlich für die Probleme am BER.

Mehdorn war vor 20 Monaten geholt worden, um die großen Probleme am BER zu lösen – übrigens vom damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Matthias Platzeck (SPD), dem brandenburgischen Ministerpräsidenten.

Woidke lehnt Verantwortung für BER ab

Platzecks Nachfolger, Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), sieht den BER allerdings ganz anders. Jedenfalls nicht als sein Projekt. Woidke ging nicht in den Aufsichtsrat, als Platzeck seine Ämter niederlegte. Auch lehnt es Woidke ab, am BER mehr Verantwortung zu übernehmen. Er schickt nur noch Staatssekretäre in das wichtige BER-Kontrollgremium und benannte einen ehemaligen Daimler-Manager für den Aufsichtsratsvorsitz.

Doch das alles ist mit Berlin, mit dem neuen Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD), nicht abgestimmt. Parallel dazu werden in der Öffentlichkeit Zweifel an Mehdorn geschürt, seine Kompetenz in Frage gestellt, sein Vertrag nicht verlängert. Eine solche Demontage lässt sich vielleicht manch unerfahrener Geschäftsführer gefallen, ein Mehdorn jedoch nicht.

Mit dem heutigen Tag ist auch klar, dass der BER nicht Ende 2017 eröffnen wird. Denn Mehdorn wird bis Sommer 2015 wenig richten können, dann muss sich der Nachfolger – mit neuer, eigener Mannschaft – einarbeiten. Und dann, ja dann geht es am BER weiter. Wenn es das Ziel der brandenburgischen Landesregierung war, Mehdorn loszuwerden, dann hat sie das erreicht. Aber zum Schaden des BER, ja sogar zum Schaden aller.