Pannen-Flughafen

Wie es nach Mehdorns Rücktritt am BER weitergehen soll

Hartmut Mehdorn wirft das Handtuch - nach nur 21 Monaten im Amt des BER-Chefs. Was bedeutet sein Rücktritt für die Zukunft des Pannen-Flughafens? Die Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen.

Gerade einmal 21 Monate nach Übernahme des Chef-Postens bei der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH hat Hartmut Mehdorn – entnervt von den Querelen um seine Person – das Handtuch geworfen. Was bedeutet dies für das aktuell größte und teuerste Infrastrukturprojekt in Deutschland? Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen.

Ist der Flughafen jetzt führungslos?

Nein. Mehdorn hat in seiner Rücktrittserklärung dem Aufsichtsrat angeboten, seine Arbeit als Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) bis zum Finden eines Nachfolgers fortzuführen. Spätestens am 30. Juni 2015 ist für ihn aber endgültig Schluss. Nach seinem Amtsantritt im März 2013 hatte Mehdorn aber fast das gesamte Führungspersonal ausgetauscht: mit Heike Fölster eine neue Finanzchefin ernannt sowie den erfahrenen Flugbetriebsleiter Elmar Kleinert geholt. Auch die wichtigste Funktion für die BER-Fertigstellung hat Mehdorn nach dem vorzeitigen Abgang des korruptionsbelasteten Technikchefs Jochen Großmann am 1. August 2014 neu besetzt. Der frühere Siemens-Manager Jörg Marks hat das Inbetriebnahme-Konzept für den BER ausgearbeitet, das vom Flughafen-Aufsichtsrat am vergangenen Freitag abgesegnet wurde.

Wie sieht der BER-Terminplan jetzt aus?

Das am Freitag vom Aufsichtsrat beschlossene Konzept sieht vor, dass der Flughafen-Neubau in Schönefeld nunmehr bis März 2016 baulich fertiggestellt wird. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die zahlreichen Umplanungen etwa für die Brandschutz-Anlage von den Behörden auch genehmigt werden. Entsprechende Nachträge zur Baugenehmigung will BER-Technikchef Marks im Frühjahr und Sommer nächsten Jahres beim Bauordnungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald einreichen. Nach der baulichen Fertigstellung im Frühjahr 2016 hat die Flughafengesellschaft einen Zeitraum von eineinhalb Jahren für TÜV-Abnahmen und Probebetrieb eingeplant. Die eigentliche Inbetriebnahme des BER soll dann im zweiten Halbjahr 2017, also elf Jahre nach dem ersten Spatenstich, erfolgen. Mehdorn selbst sprach von einem Terminkorridor von Juni bis September 2017, in der die Eröffnung erfolgen sollte. Ein konkretes Datum wollte Mehdorn erst im nächsten Sommer nennen, wenn alle Baugenehmigungen vorliegen. Ein neuer Flughafen-Chef, der jetzt erst einmal gefunden werden muss, könnte indes den von ihm selbst nicht ausgearbeiteten Zeitplan rasch wieder infrage stellen.

Wie geht es mit Tegel weiter?

Der alte Innenstadtflughafen muss nun mindestens weitere drei Jahre durchhalten. Dabei ist das im Herbst 1974 eröffnete Hauptterminal längst an seine Kapazitätsgrenze angekommen. Einst konzipiert für sechs Millionen Passagiere im Jahr, werden in Tegel in diesem Jahr erstmals mehr als 20 Millionen Fluggäste abgefertigt. Die Flughafengesellschaft will daher etwa 20 Millionen Euro in Tegel investieren, um dessen Leistungsfähigkeit zu erhalten. Notwendig sind vor allem die Instandsetzung der Rollbahnen und Vorfeldflächen, aber auch Gepäckbänder und Toiletten müssen modernisiert werden.

Und die Kosten?

Die Kosten für den Großflughafen in Schönefeld haben sich immer weiter erhöht. Wurden sie vor Baubeginn im September 2006 noch mit knapp zwei Milliarden Euro angegeben, sind die Ausgaben wegen der vielen Erweiterungen und Umbauten, aber auch bedingt durch den langen Bau-Stillstand auf 5,4 Milliarden Euro angestiegen. Doch dabei wird es nicht bleiben. Jeder Monat Verzug auf der Baustelle kostet die Flughafengesellschaft 17 Millionen Euro, hinzu kommt der Verlust von Mehreinnahmen in etwa gleicher Höhe, die ein Großflughafen mit seinen im Vergleich zu Tegel und Schönefeld-Alt größeren Einkaufsflächen und höheren Gebühren bringen sollte. Weil der mit einer Jahreskapazität von 27 Millionen Fluggästen konzipierte BER schon jetzt zu klein ausfällt, plant Mehdorn noch vor dessen Eröffnung Erweiterungen. So soll am Nordpier ein zusätzliches Terminalgebäude entstehen. Kosten: rund 200 Millionen Euro. Experten gehen davon aus, dass die BER-Gesamtkosten schon im kommenden Jahr über die Grenze von sechs Milliarden Euro steigen werden.