Hauptstadtflughafen

Am Pannen-Flughafen BER toben die Chaostage

Am BER tobt hinter den Kulissen ein Machtkampf: Hartmut Mehdorn will Technikchef Horst Amann loswerden. Der Aufsichtsrat greift nicht durch. Weitergebaut wird auch nicht.

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Die Berliner und Brandenburger würden zu gerne wissen, was nun wird mit ihrem neuen Hauptstadtflughafen. Zum Tag der offenen Tür kamen vergangenes Wochenende 80.000 Besucher zum BER nach Schönefeld. Sie sahen einen fast fertig wirkenden Flughafen und erlebten einen gut gelaunten Flughafenchef. Hartmut Mehdorn begrüßte sie mit den Worten: „Wir haben hier nichts zu verstecken.“

Dass es in Wirklichkeit auf dem Flughafen drunter und drüber geht, das bekamen die Besucher nicht zu sehen. Denn tatsächlich herrschen am BER Chaostage. Die Probleme um die nicht funktionierende Brandschutzanlage sind bei Weitem nicht gelöst. Hinter den Kulissen tobt ein Machtkampf zwischen Mehdorn und Technikchef Horst Amann, zum Entsetzen des Aufsichtsrates.

Selbst intern wird zugegeben, die Flughafengesellschaft sei in mehrere Fraktionen zerstritten. Diese Woche wurde kolportiert, dass sich Flughafenchef Mehdorn von Technikchef Horst Amann trennen möchte. Am Mittwoch wurde aus dem Umfeld der Flughafengesellschaft bestätigt, der Technik-Chef, der erst vor einem Jahr im Pannenprojekt BER die technische Oberaufsicht übernommen hat, verhandele seit zwei Wochen über einen Aufhebungsvertrag.

Mit Aufsichtsratschef Wowereit verhandele niemand

Zudem war zu erfahren, dass auch der Bund, der bisher seine Hand über den Technik-Chef gehalten hatte, seine Unterstützung für Amann aufgegeben habe. Es wurde vermutet, dass eine für den 28. September angesetzte außerplanmäßige Aufsichtsratssitzung genutzt wird, um die heikle Personalie abzuarbeiten. Offiziell soll es nur um eine Finanzspritze von elf Millionen Euro aus der von den Gesellschaftern Berlin, Brandenburg und Bund bereitgestellten Reserve gehen, die für Netzwerktechnik im Terminal gebraucht wird.

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Der amtierende Aufsichtsratschef, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), weiß jedoch angeblich nichts von Verhandlungen mit dem zweiten Geschäftsführer. „Die Gerüchte kommen und gehen“, sagte Senatssprecher Richard Meng lapidar. Mit Wowereit verhandele niemand.

Auch Amann hat dies auf Nachfrage der „Welt“ am Donnerstag dementiert. Er meldete sich während einer Sitzungspause. In der Sitzung sprach er mit Mehdorn und den Beratern von Roland Berger. „Es gibt keine Verhandlungen über einen Auflösungsvertrag“, sagte er. „Ich werde meinen Vertrag erfüllen und den Flughafen mit in Betrieb nehmen.“

Zu wenig Engagement für rasche Teileröffnung

Offenbar wird hinter den Kulissen eine Intrige gesponnen. Die Hinweise auf Amanns Abgang sollen aus dem Umfeld Mehdorns stammen. Ein halbes Jahr ist der ehemalige Chef der Deutschen Bahn jetzt als Flughafenchef im Amt. Es hatte nicht lange gedauert, bis klar war: Amann und Mehdorn kommen nicht miteinander aus.

Im Sommer prallten die beiden dann aneinander. Der Chef wollte den Nordpier mit einigen wenigen Flügen am Tag teileröffnen, sein Vize plädierte dafür, so lange zu warten, bis der gesamte Verkehr vom alten Schönefelder Terminal am BER abgewickelt werden könnte. Der Aufsichtsrat entschied sich im August für Mehdorns Plan, Amann war desavouiert.

Mehdorn möchte seinen ungeliebten Stellvertreter loswerden, dem er zu wenig Engagement für eine rasche Eröffnung und zu viel Bestandsaufnahme aller möglichen Mängel vorhält. Der ehemalige Bahn-Chef hat bereits einen Ersatz. Sein alter Weggefährte vom Bau des Berliner Hauptbahnhofs, Hany Azer, könnte Amanns Job übernehmen.

Kritiker prophezeien Flughafengesellschaft baldige Pleite

Brandenburgs Regierungssprecher Thomas Braune will sich nicht zu den Vorgängen äußern. In der rot-roten Landesregierung in Potsdam beobachtet man mit Sorge den sich zuspitzenden Machtkampf zwischen Mehdorn und Amann. Die Hoffnung, dass sich die beiden „Alphatiere“ zugunsten „der Schwere der Aufgabe“ zusammenraufen, schwindet von Tag zu Tag. Aus der Umgebung Mehdorns wird berichtet, auch der 71-Jährige verliere allmählich die Lust auf den Posten, den er vor einem halben Jahr übernommen hat.

Die ungewisse Situation um die Führungsspitze, das gebrochene Versprechen, im Herbst einen Eröffnungstermin zu nennen, und der interne Kleinkrieg in der Flughafengesellschaft – das alles lässt immer neue Spekulationen entstehen.

Der Piraten-Abgeordnete Martin Delius, Vorsitzender des BER-Untersuchungsausschusses, beziffert die Gesamtkosten des Projekts inzwischen auf zehn Milliarden Euro. Flughafen-Kritiker Frank Welskop, der bereits 2009 in einem Buch vor den Risiken des Standortes und der Finanzierung gewarnt hat, prophezeit der Flughafengesellschaft die baldige Pleite. Der Verlust werde 2013 die Erlöse überschreiten.

Die Opposition ist in Rage

Die Kosten der verzögerten Eröffnung belaufen sich auf 20 Millionen Euro monatlich – seit der Absage des Starttermins im Mai 2012 also schon 360 Millionen Euro. Die Opposition ist in Rage. „Seit Monaten macht der BER mit personellen Machtkämpfen und Nebelkerzen wie der Teileröffnung von sich reden“, sagte Berlins Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop.

„Währenddessen stehen alle Räder still. Von einem soliden Zeit- und Kostenplan zur Eröffnung scheint man noch sehr weit entfernt zu sein.“ Bund, Berlin und Brandenburg müssten endlich ihre Verantwortung als Eigentümer wahrnehmen und von ihrem gesellschaftsrechtlichen Weisungsrecht Gebrauch machen, fordert der Vorsitzende des Bundes der Steuerzahler Berlin, Alexander Kraus.