Die Abflugtafel im Terminal funktioniert, endlich gibt es was zu sehen. Besucher zücken die Kamera und fotografieren drauf los, als hätten sie etwas ganz Besonderes entdeckt. Kaum einer, der nicht stehen bleibt, um den Bildschirm zu begutachten. Natürlich starten die Maschinen gar nicht am Flughafen Berlin Brandenburg, aber jetzt weiß man, wie es aussehen würde, wenn sie es täten. „12.50 Uhr nach Zürich“, sagt ein Mann. „Jetzt müssen sie nur noch dazu schreiben in welchem Jahr.“

Der Flughafen Berlin Brandenburg ist eröffnet. Wiedermal nur zur Besichtigung. Es ist Familienfest an diesem Wochenende, 30.000 Besucher sind gekommen. Von Wiedergutmachung hatte der Sprecher der Betreibergesellschaft des Flughafens gesprochen. Zwischen 10 und 18 Uhr sind also die Berliner und Brandenburger und wer sich sonst noch interessiert eingeladen, einige Bereiche des Flughafens mit Touren zu erkunden.

Der Flyer, der über die „Tour ins Terminal des BER“ informiert, ist allerdings seiner Zeit bereits voraus. Dort wird angekündigt, der Besucher könne über Treppen und Aufzüge vom Bahnhof in die Check-In-Halle gelangen, von nationalen und internationalen Verbindungen ist die Rede, tatsächlich darf man aber nur über eine penibel genau bewachte und durch Laufbänder abgegrenzte Strecke einmal durch die eine Hälfte der Halle laufen. Durch die Glastüren rechts und links kriegt man einen Eindruck, was dahinter liegt: Baustellen.

Vor dem Terminal steht Flughafenchef Mehdorn auf der Bühne und versucht, Zuversicht zu verbreiten. Über das, was schief gelaufen ist, will er heute nicht reden. „Wir sind keine Baustellenhistoriker“, sagt er. „Die Schuldfrage müssen andere klären, wir sind hier, um zu arbeiten.“ Der Satz kommt weniger gut an, als er gehofft hatte.

An die 50 Menschen sind an die Bühne gekommen, um sich anzuhören, was Mehdorn über den Stand des BER zu sagen hat. „Das Frachtzentrum fängt jetzt richtig an zu funktionieren“, sagt er. Am Pier Nord werde man zum Jahresende fertig, dann mache die Germania dort ihre Abfertigungen. Das sei eine gute Übung. „70 Prozent der IT-Systeme werden scharfgestellt, 20 Prozent der Kameras, der Brandschutz für diesen Bereich und auch der Taxibetrieb werden aufgenommen.“ So eine Testphase würde sich lohnen. „Wenn es dann losgeht, dann muss es auch funktionieren“, sagt Mehdorn. Wer würde ihm da widersprechen.

Hüpfburgen und Sichtbetonsäulen

Interessanter ist da schon die Bus-Tour über Start- und Landebahn, vorbei an den Flugbrücken. Die Sonne scheint, man hat eine hervorragende Sicht, sogar der Fernsehturm ist deutlich zu erkennen. Hier prasseln die Zahlen geradezu auf die Besucher ein. 35 Millionen Euro kostete der Tower der Flugsicherheit, zwölf Lotsen haben hier Platz, 10.000 Tonnen Stahl wurden im Dach des Terminals verbaut, 3000 Tonnen mehr als beim Eiffelturm. Dieses ist 1,60 Meter tief, jenes 45 Meter breit. Nur über eine Zahl schweigt man sich aus. Den Eröffnungstermin. Udo Haase, Bezirksbürgermeister von Schönefeld, möchte in dieser Hinsicht schon gar keine Wünsche mehr äußern. „Sobald wie möglich“, sagt er nur.

Obwohl nicht viel zu sehen war, hatten die vielen Besucher des neuen Flughafens trotzdem überwiegend gute Laune. „Ist doch mal ganz spannend“, sagte eine Frau, die mutigerweise mit dem Fahrrad über die Zubringerstraße hergeradelt war. „Das wird ein ganz, ganz toller Flughafen“, versprach die Moderatorin auf der Spreeradio Bühne. Eine kleine Fangemeinde, die immer auf dem neusten Stand der Entwicklungen ist, hat der BER auf jeden Fall. Meistens Männer, meistens älter, immer mit Fotokamera ausgestattet – auch sie waren am Sonnabend natürlich da. Wirklich beeindruckt scheint der neuen Flughafen allerdings die wenigsten zu haben. Aber man musste sich ja nicht nur mit den Gebäuden beschäftigen. Schließlich gab es ja auch Bockwurst und Bier, Hüpfburgen und Kinderschminken.

Die große Überraschung am Sonnabend war der S- und Fernbahnhof. Den ganzen Tag über standen die Besucher hier Schlange, trotz Wartezeiten bis zu einer Stunde. Tatsächlich stellte sich die Führung hier als die interessanteste der drei Touren heraus.

„Mein Name ist Tomasz Kutek“, sagte der Tour-Guide, „ich habe diesen Bahnhof gebaut.“ Der Chef persönlich also. Kutek erklärte die Funkkabel, Strecken und Statik. Mit einem Mythos wollte er aber dringend aufräumen. „Es heißt, nur wegen der Lüftung fahren hier Züge. Das stimmt nicht.“ Die Strecke werde auch befahren, damit die Lokführer Streckenkenntnis erwerben, und um Kabeldiebstähle zu verhindern.

Kutek gelang etwas, das dem Rest der Veranstaltung gefehlt hat. Er konnte sich und andere für seine Arbeit begeistern. „Das sind die schönsten Sichtbetonsäulen, die ich je gesehen habe“, sagte er und die Besuchergruppe schaut bewundernd auf die Säulen. Gibt es Fragen? „Ja“, sagte ein Mann, „warum haben Sie die Brandschutzanlage nicht gebaut?“

Das Familienfest geht am Sonntag weiter, 10 bis 18 Uhr. Die Mitnahme von Tieren ist aus Sicherheitsgründen untersagt. Wegen der großen Laufstrecken wird bequemes Schuhwerk empfohlen. Der Eintritt ist frei.

Zur Anfahrt am Wochenende nutzen Autofahrer die Autobahn A113 (Abfahrt: Schönefelder Allee) über die Stadtautobahn A100 oder über den Berliner Ring. Außerdem ist das Fest mit den S-Bahnlinien S45, S9, sowie dem RB22 zu erreichen. Ab 9 Uhr ist ein Shuttle-Bus für die Strecke zwischen S-Bahnhof Schönefeld und Flughafengelände eingerichtet.