Flughafen

BER-Chef Mehdorn muss auf Bauexperten Azer verzichten

Hartmut Mehdorn wollte eigentlich seinen ehemaligen Bahn-Kollegen Hany Azer für das „Sprint“-Projekt am BER verpflichten. Die Deutsche Bahn stellt den Experten für Großprojekte jedoch nicht frei.

Foto: Bernd Weissbrod / dpa

Hartmut Mehdorn holt seinen alten Weggefährten Hany Azer mit ins BER-Team – so lautete noch Anfang April die Schlagzeile. Anlass war die Bekanntgabe, dass der neue Flughafenchef für sein gerade verkündetes „Sprint“-Projekt auch den ehemaligen „Hauptbahnhof-Beschleuniger“ Azer ausgewählt hatte.

Doch jetzt macht die Deutsche Bahn ihrem Ex-Chef Mehdorn offenbar einen Strich durch die Rechnung. Nach Informationen der Berliner Morgenpost wird Hany Azer von seinen Aufgaben als Mitarbeiter des Vorstands Technik der Deutschen Bahn AG für Großprojekte der Bahn in Deutschland und Katar nicht freigestellt.

Dass Flughafenchef Hartmut Mehdorn an der Unterstützung seines früheren Mitarbeiters interessiert gewesen sein dürfte, überrascht nicht weiter. Denn der 63 Jahre alte Bauingenieur Azer ist bekannt dafür, beim Durchboxen schwieriger Aufgaben nicht gerade zimperlich vorzugehen.

So drückte er während der Bauphase des Berliner Hauptbahnhofs als Projektverantwortlicher gegen alle Widerstände aufs Tempo – das Prestigeprojekt wurde vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 fertig, wenn auch mit einem stark gekürzten Glasdach über den Gleisen. Auch das „Sprint“-Programm am BER hatte Mehdorn mit der Absicht begründet, mithilfe von Fachleuten die mehrfach verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens nun zügig voranzutreiben.

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Kein Kommentar der Bahn

„Herr Azer ist weiterhin Mitarbeiter der Deutschen Bahn. Ich bitte um Verständnis, dass wir uns zu Personalien oder Arbeitsverträgen nicht äußern“, lautete die offizielle Antwort des Unternehmens auf Fragen zur Freistellung der Führungskraft. Konkreter wollte Hartmut Sommer, Sprecher Technik, Systemverbund und Dienstleistungen der Deutschen Bahn, nicht werden. Auf erneute Nachfrage hieß es, dazu äußere die Bahn sich nicht.

Auch auf die Frage, ob die Deutsche Bahn das „Sprint“-Projekt begrüße und unterstütze, gab es keine Antwort. Bereits Anfang April war ein mit Hany Azer geplantes Gespräch der Morgenpost seitens eines Bahnsprechers abgesagt worden. Die Begründung: Man wolle sich nicht an Spekulationen beteiligen.

Auch bei der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) gab man sich bedeckt. „Wir haben Herrn Azer nicht mit an Bord geholt“, wiederholte Flughafensprecher Ralf Kunkel geradezu gebetsmühlenartig auf fast jede Frage zu Hany Azer. Medienberichte, wonach die Zusammenarbeit mit Azer an der Honorarfrage gescheitert sei, wollte Kunkel nicht kommentieren, „weil wir uns nicht an Spekulationen beteiligen wollen“. Hany Azer selbst wollte sich ebenfalls nicht öffentlich äußern.

Expertenrunde hat Arbeit aufgenommen

Unterdessen hat die von Flughafenchef Mehdorn initiierte Expertenrunde zur Beschleunigung der Arbeiten am neuen Hauptstadtflughafen ihre Arbeit aufgenommen. „Wir treffen uns täglich im Terminal“, bestätigte ein Beteiligter des Projekts. Man müsse sich zunächst ein Bild von der Situation am BER und von den vorliegenden Baumängeln machen. So würden unter anderem erst einmal die Unterlagen gesichtet, bevor ein Zeitplan für das weitere Vorgehen erstellt werde. Mehdorn hatte die Öffentlichkeit vor wenigen Tagen mit der Nachricht überrascht, dass er den BER möglicherweise nicht in einem Rutsch, sondern in mehreren Etappen in Betrieb nehmen wolle. Tegel könnte demnach parallel geöffnet bleiben.

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