Pannenflughafen BER

Mehdorn stellt eigenes Team für BER zusammen

Ein neues Team soll dafür sorgen, dass der Hauptstadtflughafen schnellstmöglichst in Betrieb gehen kann. Mehdorn hat bereits Kandidaten im Auge. Darunter ist der Ex-Chef-Ingenieur von Stuttgart 21.

Foto: Hannibal Hanschke / dpa

Flughafenchef Hartmut Mehdorn erhöht das Tempo am neuen Hauptstadt-Airport BER. Er will ein eigenes Team zusammenstellen, das sich vorrangig darum kümmert, den BER so schnell wie möglich in Betrieb zu nehmen. Die Aufgaben werden zu einem Programm mit dem Titel „Sprint“ zusammengefasst. Mit möglichen Kandidaten für das Team ist Mehdorn bereits im Gespräch. Zu ihnen soll auch Hans-Joachim Paap gehören, einer der verantwortlichen Architekten am BER.

Bei seiner Auswahl macht Mehdorn vor allem eines deutlich: Alte Kämpfe interessieren ihn nicht. So hat er sich unter anderem mit dem Architekten Meinhard von Gerkan getroffen, dessen Büro den BER entworfen hat. Gleichzeitig soll Mehdorn aber auch mit Hany Azer im Gespräch sein, der als Bauleiter für den Berliner Hauptbahnhof verantwortlich war. Allein diese drei Männer bilden schon ein eigentümliches Gespann. Denn reibungslos lief der Bau des Hauptbahnhofs nicht ab, im Gegenteil. Meinhard von Gerkan soll bis heute unzufrieden damit sein, was Azer mit Unterstützung von Mehdorn aus dem ursprünglichen Entwurf des Architekten gemacht hat.

Neuer Betriebsleiter

Eine andere bedeutsame Personalie dürfte dagegen von Anfang an leicht in das BER-Projekt einzugliedern sein. Angeblich soll der Chef des Paderborner Flughafens, Elmar Kleinert, nach Berlin zurückkehren und als neuer Betriebschef den Flugverkehr in Tegel und Schönefeld verantworten. Der 51-Jährige ist mit den Gegebenheiten an den beiden alten Flughäfen in der Hauptstadt bestens vertraut. Denn bevor er als Geschäftsführer an den Flughafen Paderborn ging, war er in verantwortlicher Position in Tegel tätig. Dort hatte er federführend den Ausbau des Terminals C vorgenommen und dafür gesorgt, dass der ständig wachsende Flugverkehr an dem innerstädtischen Flughafen weitgehend störungsfrei abgewickelt werden kann. Dafür regelte er die Zufahrten neu und veränderte die Terminalbezeichnungen, um den Ablauf einfacher zu gestalten.

Allerdings soll er sich trotz dieser Erfolge in seiner Zeit als Verkehrsleiter regelmäßig mit dem damals noch amtierenden Flughafenchef Rainer Schwarz überworfen haben. Als dann das Angebot aus Paderborn kam, sagte Kleinert ohne großes Zögern zu. Bereits in diesem Winter soll er mit Vertretern der Flughafengesellschaft und des Aufsichtsrats im Gespräch gewesen sein. Damals wurde spekuliert, ob Kleinert Nachfolger des entlassenen Flughafenchefs Rainer Schwarz werden könnte. Den Posten hat nun aber seit Anfang März Hartmut Mehdorn inne. Dieser machte von Anfang an klar, dass er beim Bau des BER Möglichkeiten zur Beschleunigung sieht.

Azer hält Anfeindungen Stand

Aus dem Grund hat er nun das Programm „Sprint“ aufgelegt. „Ziel von Sprint ist, sämtliche mit der Inbetriebnahme des BER zusammenhängenden Prozesse, angefangen von den Restbauarbeiten über Genehmigungen, Probebetrieb, Umzug bis zur Flughafeneröffnung selbst, zu bündeln, um den BER so schnell wie möglich ans Netz zu bringen“, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel. Zu den möglichen Kandidaten für das Team wollte er sich nicht äußern. Für Sprint werde auf internen und externen Sachverstand zurückgegriffen, so Kunkel: „Mehdorn spricht mit allen, die einen konstruktiven Beitrag für eine rasche BER-Eröffnung leisten können.“

Zu ihnen gehört offenbar auch Hany Azer, der bis zu seinem Rücktritt von dem Posten im Mai 2011 Chef-Ingenieur beim Bahnprojekt Stuttgart 21 war. Dabei zeigte Azer, dass er mit Druck umgehen kann. Denn in der Zeit wurde er immer wieder angefeindet und konnte zuletzt nur noch unter Personenschutz arbeiten. Zuvor hatte Azer Mehdorn schon einmal bei einer schwierigen Aufgabe unterstützt.

Als Mehdorn noch Bahnchef war, wollte er den Berliner Hauptbahnhof zur Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland fertigbekommen. Als das Projekt zeitlich in Rückstand geriet, holte er Azer als Bauleiter. Dieser sorgte dafür, dass der Hauptbahnhof pünktlich zur WM 2006 betriebsbereit war. Dabei zögerte er auch nicht, Veränderungen an dem Entwurf des Architekten Meinhard von Gerkan vorzunehmen. So verkürzte er das Dach und baute anstelle eines Gewölbes im Untergeschoss ein Flachdach ein. Daran dürfte sich Mehdorn erinnert haben, als er auf Azer zuging. Denn am BER hat er es erneut mit einem Entwurf aus dem Architekturbüro von Meinhard von Gerkan zu tun.

Mit von Gerkan hat sich Mehdorn ebenfalls getroffen. Offenbar will er nicht die ganze Planungsgemeinschaft PG BBI zurückholen, zu der die Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner (GMP) und JSK gehören, sondern nur einzelne Mitarbeiter, die Technik-Chef Horst Amann unterstützen sollen. Verschiedene Architektur- und Ingenieurbüros waren zwar als Subunternehmer auch nach der Kündigung am BER tätig. Doch das hat nicht gereicht, um die Bauüberwachung und Planung sinnvoll weiterzubetreiben.

Unterstützung des Senats

Der Senat ist zufrieden, dass Mehdorn Tempo macht. „Wir finden alles richtig, was das Projekt beschleunigt“, sagte Senatssprecher Richard Meng. „Es ist richtig, dass Herr Mehdorn jetzt die Zügel in die Hand nimmt und die Dinge voranbringt.“ Das ist sei sein Auftrag. Nach Ansicht des Grünen-Abgeordneten Andreas Otto zeige sich, dass die fristlose Kündigung von PG BBI im Mai 2012 „nur ein Manöver war, um von der Unfähigkeit des Flughafenchefs Rainer Schwarz und der des damals noch amtierenden Aufsichtsratschefs Klaus Wowereit abzulenken“.