Pannen-Flughafen

Wowereit fordert von BER-Chef Mehdorn ein Eröffnungskonzept

Am Jahrestag der peinlichen Startabsage für den BER ist der Aufsichtsrat nicht viel weiter: Es gibt es keinen neuen Eröffnungstermin, und auch für eine Teileröffnung fehlt noch ein Konzept.

Ein Jahr nach der geplatzten Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens bleibt unklar, wann und wie der Flughafen ans Netz geht. Der Aufsichtsrat des Hauptstadtflughafens reagierte am Mittwoch zurückhaltend auf die Idee, den Neubau Schritt für Schritt in Betrieb zu nehmen.

„Herr Mehdorn braucht noch Zeit, um ein Konzept zu erarbeiten“, sagte der Berliner Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Der neue Geschäftsführer Hartmut Mehdorn hatte sich auf eine Teileröffnung festgelegt. Ihm stellte der Aufsichtsrat eine Finanzchefin ab 12. Mai zur Seite, die Betriebswirtin Heike Fölster.

Wowereit ist zwar grundsätzlich mit einer Teileröffnung des BER einverstanden. Allerdings sei Mehdorn noch nicht so weit, "dass er hier ein Gesamtkonzept vorlegen kann, über das der Aufsichtsrat beraten und abstimmen kann", so Wowereit. Dafür benötige Mehdorn noch Zeit.

Berlins Regierender Bürgermeister sprach sich deutlich dagegen aus, Tegel auf Dauer als zweiten Flughafen neben dem BER zu betreiben. "Das war bislang nicht die Strategie der Flughafengesellschaft", so Wowereit.

Hartmut Mehdorn war übrigens nicht bei der Pressekonferenz anwesend. Er war aus "terminlichen Gründen verhindert", hieß es.

Für Flughafen und für Region kein gutes Jahr

Am 8. Mai vor einem Jahr hatte der Flughafen den für den 3. Juni 2012 geplanten Umzug der Altflughäfen Tegel und Schönefeld zum Neubau überraschend abgesagt. Als Grund nannten die Betreiber Probleme mit der Brandschutz- und Entrauchungsanlage. Sie funktioniert noch immer nicht einwandfrei. „Es war für den Flughafen und für die Region kein gutes Jahr“, sagte Wowereit.

„Der Flughafen soll so schnell wie möglich ans Netz gehen“, forderte Wowereit. Deshalb sei auch zu prüfen, ob ein Seitenflügel des Terminals vorab in Betrieb gehen kann, in dem der Brandschutz schon läuft. Dort könnten zunächst die Fluggesellschaften vom benachbarten alten Flughafen Schönefeld einziehen.

Die Airlines aus Tegel müssten aber innerhalb weniger Monate nachkommen, hob Wowereit hervor. Der Flughafen am Rande der Berliner Innenstadt dürfe nicht „über Jahre“ offen bleiben. „Wenn Schönefeld geöffnet ist, muss Tegel geschlossen werden. Darauf verlassen sich die Leute.“

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Nach einem Jahr keinen Plan für das Projekt?

Die Grünen im Brandenburger Landtag warfen Aufsichtsrat und Geschäftsführung vor, auch nach einem Jahr keinen Plan für das Projekt zu haben. Auch die CDU verlangte Entscheidungen. Wowereit vertrat den Flughafen-Aufsichtsratschef, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), der sich den Ischias-Nerv eingeklemmt hatte.

Wowereit warf dem Bundesverkehrsministerium vor, eine zum jetzigen Zeitpunkt unnütze Debatte über die Teileröffnung lanciert zu haben. Es hatte am Wochenende ein Sitzungsprotokoll zu dem Thema verbreitet. Mehdorn hatte sich jedoch in einem Fernsehinterview festgelegt.

Der frühere Journalist des „Focus“ Klaus Schrotthofer, wird indes nicht, wie zuvor eigentlich von der Flughafengesellschaft bestätigt, neuer Chef der Kommunikationsabteilung. Ein Grund dafür seien „unterschiedliche Gehaltsvorstellungen.“

Noch kein neuer Kommunikationschef

Nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg für einen besseren Schallschutz für die Flughafenanwohner rechnet der Aufsichtsrat mit deutlichen Mehrkosten. „Wenn das Urteil rechtskräftig bleibt, ist es erheblich mehr“, sagte Wowereit, ohne Zahlen zu nennen. Nach Schätzungen könnte das Programm statt der ursprünglich veranschlagten 139 Millionen Euro bis zu 730 Millionen Euro kosten.

Wowereit schloss nicht aus, dagegen vorzugehen, dass das Gericht keine Revision zuließ. „Es ist mir unverständlich, dass die grundsätzliche Bedeutung nicht erkannt worden ist“, kritisierte er das Gericht.

Der Aufsichtsrat hatte sich eigentlich zu der Sondersitzung getroffen, um erstmals eine Finanz-Geschäftsführerin zu berufen. Die 52 Jahre alte Heike Fölster sagte, sie freue sich auf die spannende Aufgabe. Sie kommt vom Prüfunternehmen Germanischer Lloyd in Hamburg. Zuvor war sie Finanzchefin des Flughafens der Hansestadt. Mehdorn kennt sie aus gemeinsamen Jahren bei dem Luftfahrtkonzern Daimler-Benz Aerospace in den 90er Jahren. Die FDP im Potsdamer Landtag verlangte, dass Fölster möglichst bald klar macht, wie teuer der Flughafen wird.

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