Teileröffnung des BER

Tegel könnte zur Zwischenlösung auf Dauer werden

Der Hauptstadtflughafen soll in zeitlichen Abständen eröffnen. Solange wird Tegel weiterhin angeflogen. Anwohner fürchten, dass Hartmut Mehdorn gar nicht vorhat, den Flughafen überhaupt zu schließen.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Flughafenchef Hartmut Mehdorn hat es in seinem Berufsleben wenig gekümmert, es allen Recht zu machen. Schon als Bahn-Chef machte er sich bei der Modernisierung des einstigen Staatsbetriebs nicht viele Freunde. Das setzt er nun an der Spitze der Berliner Flughafengesellschaft fort. Anwohner des Flughafens Tegel sind empört über seine jüngsten Pläne.

Mehdorn will den neuen Hauptstadtairport BER nun, wie berichtet, nicht auf einen Schlag, sondern in zeitlichen Abständen eröffnen. Bis der BER ganz am Netz ist, würden auch von Tegel weiter Flieger starten und dort landen. Dagegen will sich Johannes Hauenstein notfalls mit Klagen vor Gericht zur Wehr setzen. Er wohnt in unmittelbarer Nähe des innerstädtischen Flughafens. „Auch ein Hartmut Mehdorn kann einen Rechtsstaat nicht in eine Bananenrepublik umwandeln“, sagt Hauenstein. Er befürchtet, dass Mehdorn in Wahrheit Tegel gar nicht dauerhaft schließen will.

Ganz aus der Luft gegriffen ist seine Befürchtung offenbar nicht. Auch in der Politik drängt sich einigen dieser Verdacht auf. Für den Grünen-Fraktionschef im Brandenburger Landtag, Axel Vogel, ist klar: „Das Ziel von Hartmut Mehdorn ist, dass Tegel dauerhaft offen bleibt.“ Mit seiner Salami-Taktik schaffe er die Voraussetzungen dafür.

Davon ungerührt will Mehdorn nun mit den Fluggesellschaften die Details absprechen, wer zuerst einen Teil des neuen BER-Terminals nutzen darf und wer später aus den beiden alten Flughäfen Tegel und Schönefeld folgt. Sofern die erforderliche Betriebserlaubnis vorliegt, könnten die ersten Airlines möglicherweise schon im kommenden Jahr das Nordpier nutzen. Die Unterstützung des Aufsichtsrats dürfte er dabei haben. „Alles, was dazu beiträgt, den Flughafen an den Start zu bringen, ist zu prüfen“, sagt Brandenburgs Wirtschaftsminister und Aufsichtsratsmitglied Ralf Christoffers (Linke). „Voraussetzung ist, dass es sich in ein Gesamtkonzept einfügt und wirtschaftlich vertretbar ist.“

Heike Fölster soll Ordnung in die Finanzen bringen

Wenn sich das Kontrollgremium am Mittwoch zu seiner Sondersitzung trifft, steht allerdings ein anderes Thema ganz oben auf der Tagesordnung. Bei dem Treffen soll offiziell der neue Posten eines Finanzgeschäftsführers geschaffen und die Ökonomin Heike Fölster eingestellt werden. Bislang gibt es unter Flughafenchef Mehdorn nur noch Technikchef Horst Amann. Die Neuordnung der Geschäftsführung war notwendig geworden, nachdem die Finanzen infolge der Terminverschiebungen außer Kontrolle geraten waren. Heike Fölster war bislang für die Finanzen des weltweit agierenden Konzerns Germanischer Lloyd zuständig.

Fölster muss nun Ordnung in das Zahlenwerk der Flughafengesellschaft bringen. So ist derzeit nicht einmal eindeutig klar, mit wie hohen Kosten die abgesagte BER-Eröffnung zu Buche schlägt. Bislang ging man immer von 20 Millionen Euro monatlich aus. Mehdorn selbst nannte bei einem Treffen im Bundesverkehrsministerium eine Spanne von 35 bis 40 Millionen Euro pro Monat. Weder das Ministerium noch die Flughafengesellschaft wollten die Zahl kommentieren. Klarheit gibt es wohl erst, wenn auch der neue Starttermin feststeht. Den will Mehdorn spätestens im August nennen können. Dass die Gesamtkosten für das Projekt am Ende auf über fünf Milliarden Euro steigen werden, gilt in Gesellschafterkreisen als sehr wahrscheinlich.

Teileröffnung wird teuer

Dass die Kosten bei einer Teileröffnung am Ende höher ausfallen, ist so gut wie sicher, schon allein wegen des parallelen Betriebs. Dafür bräuchte man unter anderem mehr Mitarbeiter in der Gepäckabfertigung und dem Check-In. Für die Flughafengesellschaft hätte die Teileröffnung aber den Vorteil, dass sie die gesamte Anlage nach und nach testen und in Betrieb nehmen kann.

Das wäre sogar aus Sicht der zuständigen Genehmigungsbehörde eine praktikable Lösung. „Wenn das Konzept stimmt, kann ich mir eine Teileröffnung des Flughafens vorstellen“, sagte der zuständige Landrat Stephan Loge. Auch der FDP-Chef im Brandenburger Landtag, Gregor Beyer sprach sich für eine Prüfung der Teileröffnung aus. Ziel müsse sein, den BER zügig zu öffnen und bis dahin ein Verfahren zu wählen, das die Kosten nicht noch mehr in die Höhe treibt, sagte Beyer.

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