Pannenflughafen BER

Wowereit schließt Dauer-Betrieb von Flughafen Tegel aus

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Viktoria Solms

Foto: dpa

Klaus Wowereit kritisiert die aus seiner Sicht verfrühte Diskussion über eine Teileröffnung des Flughafen BER und fordert von Flughafenchef Hartmut Mehdorn so schnell wie möglich ein Gesamtkonzept.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat sich gegen einen dauerhaften Betrieb von Tegel nach Eröffnung des Hauptstadt-Airports BER ausgesprochen. „Das war bislang nicht die Strategie der Flughafengesellschaft, und ich rechne auch nicht damit, dass sich das ändert, sagte Wowereit im Anschluss an die Aufsichtsratsitzung.

Zwar sei er grundsätzlich mit einer Teileröffnung des Flughafens BER einverstanden, „wenn dies hilft, den BER ans Netz zu bringen.“ Allerdings sei Flughafenchef Hartmut Mehdorn noch nicht so weit, „dass er hier ein schlüssiges Gesamtkonzept vorlegen kann, über das der Aufsichtsrat beraten und abstimmen kann“, sagte Wowereit. Dafür brauche Mehdorn noch Zeit. Schon jetzt eine Debatte über eine Teileröffnung des Flughafens zu führen, sei verfrüht.

Am vergangenen Wochenende war bekannt geworden, dass Mehdorn den BER schrittweise öffnen will. Dabei soll Tegel als Ausweichmöglichkeit dienen. Anwohner befürchten daher, dass Mehdorn in Wahrheit einen dauerhaften Betrieb von Tegel vorbereiten will. Mehdorn war selbst nicht bei der Pressekonferenz anwesend. Er war aus „terminlichen Gründen verhindert“, hieß es. Brandenburgs Ministerpräsident und Aufsichtsratsvorsitzender Matthias Platzeck (SPD) fehlte dagegen aus gesundheitlichen Gründen.

Pirat hält Mehdorn für angeschlagen

Nach Ansicht von Martin Delius (Piraten), der den BER-Untersuchungsausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus leitet, ist Mehdorn angeschlagen. „Er ist ganz offensichtlich nicht in der Lage, den zerstrittenen Aufsichtsrat zu bändigen und geschlossen hinter sich zu bringen.“ Die Grünen im Brandenburger Landtag warfen Aufsichtsrat und Geschäftsführung vor, noch immer keinen Plan für das Projekt zu haben. „Seit einem Jahr heißt es immer nur, man brauche mehr Zeit“, sagte der Fraktionsvorsitzende Axel Vogel. „Doch Zeit ist buchstäblich Geld auf dieser Großbaustelle, wo jeder zusätzlich verstreichende Monat die Steuerzahler rund 40 Millionen Euro extra kostet.“

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Für mehr Klarheit bei den Kosten soll künftig Heike Fölster sorgen. Sie wird sich als neue Finanzchefin ab dem 21.Mai 2013 in das Zahlenwerk des BER vertiefen. „Wir freuen uns, dass wir eine ausgewiesene Finanzexpertin wie Frau Fölster für diese Aufgabe gewinnen können“, sagte Wowereit. Er begrüße es, dass sich dadurch auch „der Frauenanteil in der Geschäftsführung verbessert.“ Fölster hat seit mehr als 20 Jahren Erfahrung im Finanzbereich verschiedener Unternehmen gesammelt. So war sie unter anderem fünf Jahre für die Finanzen des Flughafens Hamburg zuständig.

Dieter Dombrowski, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag Brandenburg, bezeichnet das Ergebnis der Aufsichtsratssitzung am Jahrestag der verschobenen BER-Eröffnung als „unbefriedigend.“ Über die längst überfällige Finanz-Personalentscheidung sei nichts Substantielles herausgekommen. Auch Andreas Otto, Verkehrsexperte der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, zeigte sich enttäuscht über das aus seiner Sicht verschenkte Jahr: „Wir brauchen Klarheit über den Zeitplan und die Kosten, bevor im August die Haushaltsberatungen im Abgeordnetenhaus beginnen.“

Der frühere Journalist des „Focus“ Klaus Schrotthofer, wird indes nicht, wie zuvor eigentlich von der Flughafengesellschaft bestätigt, neuer Chef der Kommunikationsabteilung. Ein Grund dafür seien „unterschiedliche Gehaltsvorstellungen.“

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