Am Sonntag werden Hunderte Läuferinnen und Läufer in Berlin noch einmal auf die Jagd nach einer neuen Bestzeit gehen. Dann steht der Berliner Morgenpost Great 10K an, und bei dem wird es traditionell schnell. Die Strecke ist flach und kurvenarm, die Temperaturen sind in der Regel so, dass es beim Zuschauen kalt wird, zum Laufen aber genau richtig ist. Das einzige Problem, das sich abzeichnet, ist der Wind. Die angekündigte Windgeschwindigkeit von mehr als 20 Kilometern pro Stunde verspricht zwar eine erfreuliche Unterstützung auf den ersten Kilometern. Dann, wenn es ohnehin hart wird, soll einen der Wind nach jetziger Prognose allerdings mit voller Wucht von vorn treffen.

Ich bin deshalb schon am Überlegen, wie ich mir noch einen (oder besser mehrere) Mitläufer organisieren kann, der oder die mich gegen den Gegenwind abschirmen können. Ein wenig so, wie bei den Eliteläufern, die häufig von einer ganzen Gruppe an Tempomachern begleitet werden. Sollte ich niemanden mehr für diesen Job begeistern können, werden die letzten Kilometer wohl zum physischen genauso wie zum mentalen Test. Dann hilft nur der Gedanke an Intervalleinheiten auf dem Tempelhofer Feld und daran, dass der Gegenwind nirgendwo in Berlin schlimmer sein kann als dort.

Berlin-Marathon: Für die neue Bestzeit mit dem Fahrrad abgekürzt

Wobei ich die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben habe, dass sich das Wetter noch einmal ändert. Allerdings: Meistens ist der Wetterbericht ja genau dann überraschend zuverlässig, wenn die Prognose so gar nicht den eigenen Wünschen entspricht. Ich werde, so oder so, zu denen gehören, die versuchen, eine schnelle Zeit zu laufen. Und falls mich der Wind doch ausbremst, dann wird es zumindest nicht nur mir so gehen. Nichts verbindet Läufer im Ziel so sehr, wie das geteilte Leid beim gerade absolvierten Rennen. Egal, ob es durch Hitze, unerwartete Höhenmeter oder eben kräftigen Gegenwind verursacht wurde.

Zuletzt ließ sich allerdings auch beobachten, dass die Jagd nach schnellen Zeiten teilweise merkwürdige Formen angenommen hat. Und die sportliche Fairness ein wenig in den Hintergrund gerückt ist. In dieser Woche berichteten zum Beispiel mehrere Medien über eine Influencerin aus China, die beim Berlin-Marathon am Start war und im Anschluss ihre neue Bestzeit im Netz feierte. Zumindest so lange, bis durch Fotos bekannt wurde, dass sie zwischen Kilometer 35 und 40 einen Teil der Strecke mit dem Fahrrad zurückgelegt hatte. Das Jubeln über die eigene Bestleistung fand daraufhin ein jähes Ende: Die Läuferin soll nachträglich disqualifiziert worden sein und darüber hinaus noch ihren Schuh-Sponsor verloren haben.

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Mit falscher Startnummer am Start – aber nachträglich disqualifiziert

Sie war nicht die Einzige, die beim Berlin-Marathon auffiel. Eine andere Influencerin aus Berlin lief den Marathon zwar komplett, bekam allerdings wechselnde Unterstützung durch Freunde, die jeweils nur Teile des Rennens mitliefen. Dazu wurde die Startnummer einer anderen Läuferin genutzt, die offensichtlich selbst keinen ganzen Marathon absolvieren konnte oder wollte. Seine Startnummer weiterzugeben (oder gar zu verkaufen) ist eigentlich verboten. Allein schon deshalb, weil es dazu führen kann, dass Helfer bei einem medizinischen Notfall nicht wissen, wen sie gerade vor sich haben.

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Das Weitergeben von Startnummern kann aber auch andere Folgen haben. Etwa, dass ein Läufer plötzlich die schwierige Qualifikationszeit für einen Marathon, wie den berühmten in Boston, nachweisen kann – obwohl er selbst nie an der Startlinie gestanden hat. Auch das war beim Berlin-Marathon zunächst der Fall. Ein junger Sportler postete auf Instagram stolz seine schnelle Zielzeit, war aber mit der Startnummer eines anderen Läufers aus der Altersklasse 60 gelaufen. Das scheint jedoch aufgefallen zu sein. In der Ergebnisliste findet sich für die Nummer nun ein DSQ, kurz für: disqualified.

Vielleicht klappt es für mich am Sonntag mit einer neuen Bestzeit, vielleicht auch nicht. In jedem Fall werde ich am Ende sagen können: Ich habe das gegeben, was an dem Tag möglich war. Und falls es nicht funktioniert, dann gibt es immer noch eine andere Gelegenheit, es zu versuchen – mit fairen Mitteln.