Dieser März ist in Berlin wahrlich fürs Laufen gemacht. So war es auch am vergangenen Wochenende: Die Sonne schien, ohne so sehr zu brennen, wie es im Sommer oft der Fall ist. Die Temperatur war angenehm frühlingshaft, der Wind allenfalls eine angenehme Brise. Wenig erstaunlich also, dass die Stadt voller Läuferinnen und Läufer war. Es war das erste Mal in diesem Jahr, dass mir auf einem Lauf derart viele andere Jogger begegnet sind. Und möglicherweise müssen sich auch manche Nicht-Läufer erst wieder an das Bild gewöhnen. Vielleicht erklärt das, warum gleich mehrere Männer ihre Kommentare nicht zurückhalten konnten, als ich mit einer Freundin an ihnen vorbeigejoggt bin.
Wir waren an dem Tag im Zentrum der Stadt unterwegs. Es ging an der Spree entlang, durch den Tiergarten und das Brandenburger Tor bis zur Friedrichstraße. Wir liefen gerade durch den Park, als uns eine Gruppe Männer entgegenkam. Weil der Weg an der Stelle schmal war, blieben sie stehen und ließen uns vorbei – so weit, so nett. Auf das gerufene „Los, weiter, weiter!“ hätten wir allerdings verzichten können. Ebenso wenig später, als wir gerade am Hotel Adlon Kempinski vorbeiliefen. Ein Mann ging über den Gehweg und rief an uns gerichtet: „Schneller, schneller!“
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Es ist nicht das erste Mal, dass mir so etwas passiert – gerade wenn ich alleine oder zusammen mit ausschließlich Frauen unterwegs bin, kommt das immer wieder vor. Mal wird geklatscht, mal wird gepfiffen oder, wie in den Fällen vom vergangenen Wochenende, etwas gerufen. Im letzten Sommer habe ich einmal einen Spruch gehört, der mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist. Ein älterer Mann hielt auf dem Gehweg an, als ich auf ihn zu und dann an ihm vorbeilief. Er kommentierte das mit den Worten: „Wärst du früher losgelaufen, müsstest du jetzt nicht rennen.“ Mag sein, dass er mich damit zum Lachen bringen wollte. Dennoch empfinde ich solche Kommentare als unangemessen. Und kann nicht anders, als mich zu fragen: Wäre das wohl auch einem Mann passiert?
Anfeuerung beim Laufen: Ein Unterschied zwischen Wettkampf und Training
In den meisten Fällen ignoriere ich solche Vorfälle, sie beschäftigen mich nicht weiter und ich lasse mir davon auch sicherlich nicht den Spaß am Laufen verderben. Aber vielleicht ist es auch nicht immer der richtige Weg, Dinge, die einen stören, einfach hinzunehmen. Manchmal muss man sie ansprechen, damit sich etwas ändert.
Um das einmal klarzustellen: Ich bin nicht grundsätzlich dagegen, Läuferinnen und Läufer anzufeuern. Wenn ich bei einem offiziellen Event dabei bin, bin ich dankbar für jedes motivierende Wort und jedes Plakat am Streckenrand. Die Zuschauerinnen und Zuschauer tragen einen und helfen, Phasen durchzustehen, in denen es schwer wird. Aber es gibt für mich einen Unterschied zwischen einem Rennen wie dem Berlin-Marathon oder dem Halbmarathon und Trainingsläufen.
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Eine joggende Frau ist keine Einladung für ungefragte Kommentare
Wenn ich gerade bei einem langen Lauf versuche, meine Grundlagenausdauer zu trainieren, dann möchte ich nicht „schneller, schneller“ laufen, sondern in einem gemütlichen Tempo. Wenn ich ein anstrengendes Intervalltraining absolviere, dann möchte ich mich darauf konzentrieren und nicht von der Seite angesprochen werden. Ich benötige dann keine Kommentare dazu, wie mein Laufstil aussieht, oder Erzählungen, welche Läufe der Fahrradfahrer neben mir schon absolviert hat, der plötzlich in meinem Tempo neben mir herrollt.
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Natürlich erlebe ich das alles längst nicht bei jedem Lauf. Ich habe auch nichts gegen ein aufmunterndes Lächeln, gegen ein freundliches „Hallo“ – im Gegenteil. Ob unter Läufern oder unter Nicht-Läufern: Grüßen könnte man sich grundsätzlich viel häufiger. Aber ich wünsche mir auch Respekt. Wenn ich laufe, dann nicht zur Unterhaltung anderer, sondern für mich selbst. Eine joggende Frau – genauso wie ein joggender Mann – ist keine Einladung, ungefragte Kommentare über die Leistung oder das Tempo abzugeben. Hier könnte ein simpler Leitsatz helfen, den man eigentlich schon als Kind gelernt haben sollte: Erst denken, dann reden. Und im Zweifelsfall lieber schweigen.





