Bei den Entwicklungen der vergangenen Jahre ist es manchmal leicht, in der Laufwelt den Überblick zu verlieren. Ständig schaffen es neue Läufer in die Weltspitze, ständig gibt es neue Rekorde oder wenigstens Rekordversuche. Es ist kaum noch möglich, hier auf dem aktuellen Stand zu sein. Wobei ich angesichts regelmäßiger Dopingfälle manchmal auch daran zweifle, wie viele der Rekorde tatsächlich auf faire Weise erlaufen wurden. Gerade erst wurde die Marathon-Weltrekordhalterin Ruth Chepngetich für drei Jahre gesperrt, die als erste Frau unter 2:10 Stunden gelaufen war.
Es gibt aber einen Marathonläufer, den ich schon seit Längerem verfolge und der mich wie viele andere begeistert und motiviert hat: Eliud Kipchoge, der an diesem Mittwoch 41 Jahre alt wird und am Sonntag beim New-York-City-Marathon sein letztes großes Rennen gelaufen ist. Er kam als 17. in Ziel, weit hinter der Spitze, und wurde trotzdem von den Zuschauern bejubelt. Kipchoge selbst hatte vor dem Start gesagt, dass er glaube, dass andere Läufer inzwischen besser seien als er. Das Älterwerden macht auch vor einem Mann nicht halt, der als erster Mensch einen Marathon unter zwei Stunden gelaufen ist, auch wenn die Zeit wegen fehlender Wettkampfbedingungen nicht offiziell als Rekord anerkannt wurde.
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Berlin-Marathon: Eliud Kipchoge ist der Rekordsieger
Den Kenianer werde ich aber auch immer mit Berlin verbinden. Er ist beim Marathon sechsmal gestartet, hat fünfmal gewonnen und zweimal einen Weltrekord aufgestellt. Kipchoge ist der Rekord-Sieger in Berlin, zuletzt ist er hier vor zwei Jahren als Erster über die Ziellinie gestürmt. Ich habe ihn mehrfach gesehen, erinnere mich an die Leichtigkeit in seinem Laufstil, selbst noch nach 40 Kilometern und natürlich an die unvorstellbaren Zeiten, die er hier hingelegt hat.
Aber begeistert hat er durch mehr als das: Da war die ehrliche Freude, die man ihm über seine Leistungen und den Sport insgesamt ansehen konnte, den er über Jahrzehnte geprägt hat. Er hat reflektierte Interviews gegeben, die sich nie nur um ihn selbst drehten, oder eine Stiftung gegründet, die sich für Bildung und Umwelt in seiner Heimat einsetzt.

Dass Kipchoge für viele Menschen ein Vorbild ist, zeigen fast drei Millionen Follower auf Instagram. Und die Bilder des Sydney-Marathons, den Kipchoge Ende August gelaufen ist. Es gibt in der Strecke mehrere U-Turns, die Läufer rennen also auf einer Fahrbahnseite bis zum Wendepunkt und dann auf der anderen Straßenseite zurück. In einem Video ist zu sehen, wie Eliud Kipchoge so – relativ alleine – in eine Richtung unterwegs ist, während im Massen von Läufern entgegenkommen. Und sie laufen nicht einfach an ihm vorbei, sie klatschen, bleiben stehen für Videos, feuern ihn an.
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Unter dem Video, das Kipchoge selbst geteilt hat, hat eine Läuferin kommentiert: „Das Highlight meines Rennens war es, dich laufen zu sehen. Danke für die Inspiration!“ Vor dem Hintergrund, dass der Kenianer auch in Sydney nicht um den Sieg mitgelaufen, sondern lediglich Neunter geworden ist, zeigt das, dass es nicht immer nur Platzierungen geht, sondern auch um die Person und ihre Geschichte. Kipchoge hat in Sydney gesagt: „Ich bin mittlerweile tatsächlich mehr in Marathons verliebt – einfach, um teilzunehmen und Menschen zu inspirieren. Vor allem laufe ich für die Menschlichkeit, für die Hoffnung und um Menschen zu ermutigen, hinauszugehen und zu laufen.“ Das will er auch in Zukunft tun, will weiterhin rund um die Welt laufen – genauer sieben Marathons auf allen sieben Kontinenten –, nur eben nicht mehr als Teil der Elite bei großen Rennen.
Wohin Kipchoge seine Welttour genau führen wird, ist noch nicht klar. Für alle, die bis dahin aber schon mal auf seinen Spuren in Berlin wandeln wollen: Noch bis zum 6. November läuft die Registrierungsphase für die Verlosung der Startplätze beim Berlin-Marathon 2026. Ende November wollen die Verantwortlichen des bekanntgeben, wer zu den Glücklichen gehört, die tatsächlich auf 42 Kilometern durch Berlin laufen dürfen.





