Auch beim Laufen gilt manchmal die Devise: nicht zu lange abwarten. Wobei sich das weniger auf den Sport an sich, sondern viel mehr auf die Veranstaltungen bezieht. Ein Beispiel war vor Kurzem der Hamburg-Marathon. Auf Instagram meldeten die Veranstalter, es sei der letzte Anmeldetag für den Lauf im April 2026, weil nur noch wenige der 20.000 Startplätze übrig seien. Und wenig später folgte dann auch die Meldung: Das Rennen ist ausverkauft. Ich hatte mich in dem Fall glücklicherweise schon vor mehreren Monaten angemeldet. Unter dem Instagram-Beitrag sammelten sich aber schnell die ersten Kommentare von Läufern, die zu spät dran waren und darauf hofften, dass andere ihren Startplatz wieder abgeben würden.
Nun muss man sagen: Beim Hamburg-Marathon ging die Anmeldung verhältnismäßig entspannt zu. Bei viele anderen bekannten Läufen ist der Andrang noch größer. Entweder sind sie innerhalb weniger Stunden ausverkauft oder die Teilnehmer werden per Zufall bestimmt. Dass auf Verlosungen gesetzt wird, lässt sich dabei immer häufiger beobachten. Auch beim Cardiff-Halbmarathon, an dem ich am vergangenen Sonntag teilgenommen habe, hat sich die Nachfrage so verschärft, dass die Plätze für das nächste Jahr per Losentscheid vergeben werden sollen. Im vergangenen Jahr war auf eine Verlosung noch verzichtet worden, dafür waren die Startnummern aber auch schon nach einem halben Tag ausverkauft.
Mit Verlosungen wollen die Veranstalter allen eine faire Chance auf einen Platz geben, auch denen, die beispielsweise durch ihre Jobs nicht die Möglichkeit haben, sich direkt nach Verkaufsstart an den Laptop zu setzen. Das leuchtet ein, sorgt aber trotzdem immer wieder bei Frust für Läufern, die – zumindest gefühlt – das Losglück nie auf ihrer Seite haben.
Mehr zum Thema Laufen in Berlin
- Neue Zahlen: Überall nur schlechte Nachrichten? Der Laufsport liefert fünf gute
- Laufen in Berlin: Warum es besonders ist – aber manches auch richtig nervt
- Trainer: Laufcoach über Fehler vor dem Rennen – „Sensible Phase“
- Berlins schönste Laufstrecken: Sieben Tipps für besondere Routen
Die Registrierungsphase für den Berlin-Marathon 2026 hat schon begonnen
Umso beeindruckter bin ich davon, dass manche nie aufzugeben scheinen. Auf Instagram schildern immer wieder Läuferinnen und Läufer, wie sie sich das fünfte, sechste oder siebte Jahr in Serie bewerben, um bei einem bestimmten Rennen starten zu können – etwa dem Berlin-Marathon. Auch dort hat die Registrierungsphase für das kommende Jahr schon wieder begonnen, noch bis zum 6. November können sich Menschen für die Verlosung anmelden. Und vielleicht darauf hoffen, dass es im September 2026 nicht erneut ein Hitzerennen gibt. Zumindest statistisch gesehen, dürften die Chancen auf kühlere Temperaturen gut stehen.
Und damit auch die Chancen darauf, doch noch die Zeit zu laufen, mit der es unter den diesjährigen Bedingungen nicht geklappt hat. Wer in den Tagen nach dem Berlin-Marathon in den sozialen Medien unterwegs war, der konnte den Eindruck bekommen, dass nahezu alle ihre Ziele verfehlt haben. Ich kann gar nicht sagen, wie viele enttäuschte Beiträge mir von Influencern (oder solchen, die es werden möchten) angezeigt wurden. Es waren Dutzende.
Auch interessant
Berlin-Marathon: Ambitionierte Qualifikationszeiten oder Losglück
Die Zeiten spielen für schnelle Läuferinnen und Läufer auch deshalb eine Rolle, weil sich damit teilweise Verlosungen umgehen lassen. Auch für das Rennen in Berlin können sich Personen qualifizieren, die eine bestimmte Marathonzeit vorweisen können. Allerdings sind die Anforderungen mindestens ambitioniert: Läufer, die 44 oder jünger sind, müssen demnach nachweisen, dass sie innerhalb der vergangenen zwei Jahre einen Marathon in weniger als 2:45 Stunden absolviert haben, Frauen in der Altersgruppe haben maximal 3:09:59 Stunden Zeit. Wer beim Marathon 60 Jahre oder älter ist, muss als Mann schneller als 3:25 Stunden und als Frau schneller als 4:20 Stunden sein.
Ich sage es mal so: Dass ich in Zukunft einen Marathon in weniger als 4:20 Stunden schaffe, ist zumindest nicht ausgeschlossen – nur bin ich aktuell noch 28 Jahre von dieser Altersgruppe entfernt. Die schnellere Zeit für meine aktuelle Altersgruppe dürfte dagegen nicht nur ambitioniert, sondern vielmehr unerreichbar sein. Sollte ich in den nächsten Jahren nochmal beim Berlin-Marathon starten wollen, muss ich also wohl auch auf mein Losglück hoffen.




