Am Freitag wurde in Pankow das Denkmal für eine besondere Frau und ihren Ehemann enthüllt: Ingeborg Rapoport und ihren Ehemann Mitja Rapoport. Sie ging als Pionierin für die Verknüpfung von Geburtshilfe und Gynäkologie in die Medizingeschichte ein. Ihr Mann sorgte als Biochemiker dafür, dass Blutkonserven länger haltbar blieben. Zwei Tage später segnete eine Frau das Zeitliche, die wesentlich zur Bekanntheit dieser bescheidenen Wissenschaftler beigetragen hat: Regina Ziegler.

Nach den Worten der Weggefährtin Britta Wauer von Britzka Film „schloss sich dadurch ein Bogen“, wie sie der Morgenpost sagte: „Weil das Denkzeichen für die beiden großartigen Rapoports genau an dem Wochenende eingeweiht wurde, an dem die große Produzentin starb, die den Film über dieses Ehepaar möglich gemacht hat.“
Rückblickend könne man sagen: „Unser kleiner Dokumentarfilm, der dann völlig überraschend den Grimme-Preis gewann, hat dazu geführt, dass die Rapoports eine Rolle in der Charité-Serie spielten und nun, fast ein Vierteljahrhundert später, endlich die überfälligen Ehrungen erhalten.“ Auch das sei ein Verdienst von Regina Ziegler.
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2005 erhielten die Regisseurinnen Sissi Hüetlin und Britta Wauer für ihren in Zusammenarbeit realisierten Abschlussfilm der Deutschen Film- und Fernsehakademie (DFFB) über die Rapoports den Grimme-Preis in der Kategorie „Information & Kultur“. Wauer realisierte seit 2005 mit ihrer eigenen Produktionsfirma Dokumentarfilme mit dem Fokus auf Pankow. Im Jahr 2008 adaptierte sie als Drehbuchautorin und Regisseurin die Autobiografie des Pankowers Knut Elstermann „Gerdas Schweigen“ fürs Kino und gewann damit auf Festivals mehrere Preise. Ihr stimmiger Dokumentarfilm „Im Himmel, unter der Erde“ über Europas größten jüdischen Friedhof in Weißensee gewann 2011 den Panorama-Publikumspreis auf der Berlinale.
Doktortitel mit 102 Jahren „für die Opfer“
Ingeborg Rapoport erkämpfte 1969 an der Charité den ersten Lehrstuhl für Neonatologie in Europa. Als Neugeborenenforscherin war sie maßgeblich an der Senkung der Säuglingssterblichkeit beteiligt. Internationales Aufsehen erregte 2015 die nachträgliche Promotion von Ingeborg Rapoport an der Uni Hamburg. Sogar die Washington Post berichtete. Rapoport war 102 Jahre alt.

77 Jahre zuvor hatte ihr dieselbe Universität als „jüdischem Mischling“ die Teilnahme an der mündlichen Abschlussprüfung verweigert. Warum sie ihre Doktorarbeit über Diphtherie mit 102 Jahren verteidigen wollte? „Ich habe meine Promotion für die Opfer gemacht“, sagte sie im Jahr 2017 dem Tagesspiegel. Kurz darauf starb sie.




