Fernsehen

Neue TV-Staffel: Die Charité während des Mauerbaus

Plötzlich wird die Stadt geteilt: Die ARD-Serie „Charité“ macht in der dritten Staffel einen Zeitsprung ins Berlin der 1960er Jahre.

Im Beisein seiner Eltern (Anne Kanis, Ulrich und Friedrich Brandhoff) untersuchen Kinderärztin Dr. Ingeborg Rapaport (Nina Kunzendorf, 2.v.r.) und Schwester Arianna (Patricia Meeden, r) den kleinen Werner Simoneit (Hugo Gross) in einer Szene der ersten Folge "Eiserne Lunge" der dritten Staffel der Serie "Charite". Die neue Staffel startet am 12. Januar mit sechs neuen Folgen.

Im Beisein seiner Eltern (Anne Kanis, Ulrich und Friedrich Brandhoff) untersuchen Kinderärztin Dr. Ingeborg Rapaport (Nina Kunzendorf, 2.v.r.) und Schwester Arianna (Patricia Meeden, r) den kleinen Werner Simoneit (Hugo Gross) in einer Szene der ersten Folge "Eiserne Lunge" der dritten Staffel der Serie "Charite". Die neue Staffel startet am 12. Januar mit sechs neuen Folgen.

Foto: Stanislav Honzik/ARD/dpa

Berlin. Die ARD-Serie „Charité“ schlägt ein neues Kapitel auf: Die neue Staffel zeigt das wohl bekannteste Krankenhaus Deutschlands während des Mauerbaus. Die Folgen laufen ab Dienstag (20.15 Uhr) im Ersten, online sind sie schon jetzt zu sehen.

Das Ungewöhnliche an der Serie ist, dass mit jeder Staffel neue Protagonisten auftauchen. Blickte die erste Staffel noch auf die Zeit um 1890, erzählte die zweite vom Nationalsozialismus. Die dritte Staffel wirft nun einen Blick auf die Charité während des Kalten Kriegs.

Berlin, August 1961. Die ehrgeizige Ärztin Ella Wendt (Nina Gummich) wird nach Berlin versetzt. Sie hofft, neben ihrer Arbeit weiter forschen zu können. Mit Strickjacke und zwei Koffern kommt sie am Krankenhaus an und hilft gleich im Treppenhaus einer ersten Patientin. Im weiteren Verlauf muss sie lernen, wie man in einer Klinik klarkommt, in der etliches fehlt. Denn immer mehr Mitarbeiter ziehen in den Westen - und Material ist auch Mangelware.

Lesen Sie auch: Uwe Ochsenknecht als Doktor: "Ich wäre gerne Arzt geworden"

Charité Berlin: Mauertote landen auf dem Obduktionstisch

Im Dienstplan entstehen immer mehr Lücken, weil Ärzte und Pflegepersonal die DDR verlassen. Es fehlen Handschuhe, Röntgenfilme, Medikamente. Auf Station plaudern Krankenschwestern noch über die neuen Strumpfhosen aus dem KaDeWe, aber mit Ausflügen in den Westen ist bald Schluss. Denn kurz darauf beginnt der Bau der Mauer. Die Charité im Osten liegt direkt am Grenzgebiet.

Die Doppelfolgen thematisieren vieles. Die Infektionskrankheit Polio zum Beispiel, gegen deren Erreger in der DDR - anders als in Westdeutschland - schon früh großflächig geimpft wurde. Auch die Menschen, die an der Berliner Mauer erschossen werden. Sie landen auf dem Obduktionstisch des Krankenhauses.

Eine der interessantesten Personen: die Kinderärztin Ingeborg Rapoport. Die Medizinerin (1912-2017) machte sich mit der Versorgung von Frühgeborenen einen Namen und war die erste Professorin für Neonatologie an der Charité. Gespielt wird sie in der Serie von Ex-„Tatort“-Kommissarin Nina Kunzendorf.

Historische Personen werden zum Leben erweckt

Rapoports Geschichte alleine würde eine Serie lohnen. Sie studierte in den 1930ern Medizin. Ihr Doktortitel wurde ihr verweigert, weil ihre Mutter Jüdin war. Sie wanderte 1938 in die USA aus. Dort engagierte sie sich für die Kommunisten und ging schließlich nach Ost-Berlin, wie die Charité auf ihrer Internetseite berichtet.

Schlagzeilen machte Rapoport 2015 mit ihrer nachträglichen Promotion. Mit 102 Jahren verteidigte sie ihre Doktorarbeit von damals und erhielt den Titel, den die Nazis ihr nicht geben wollten. In der TV-Serie wird Rapoports Geschichte nur angerissen - ebenso wie die ihrer Kollegen, des Gerichtsmediziners Otto Prokop (Philipp Hochmair) und des Frauenarztes Helmut Kraatz (Uwe Ochsenknecht).

Aufgegriffen werden die historischen Personen auch in der Dokumentation „Die Charité – Ein Krankenhaus im Kalten Krieg“, die nach der ersten Doppelfolge im Ersten um 21.50 Uhr gezeigt wird.

Thema Impfstoff hat ganz neue Aktualität gewonnen

Die Geschichte der Charité reicht rund 300 Jahre zurück. 1710 als Pesthaus vor den damaligen Toren Berlins gegründet, gilt die Charité heute als Deutschlands größtes Universitätsklinikum.

Dass in der neuen Staffel von Impfstoffen und Polio-Epidemie die Rede ist, wirkt in diesen Zeiten ungewöhnlich passend. Die Experten der Charité sind auch heute im Kampf gegen das Coronavirus gefragte Köpfe.

Die Fernsehserie zeigt in ihrer neuen Staffel ziemlich viel Retro-Optik und ordentlich Lokalkolorit, was drollig wirkt, aber auch etwas viel ist. Es lohnt auf jeden Fall, nach der Serie noch etwas über die Figuren zu lesen.

Die dritte Staffel der Serie "Charite" startet am 12. Januar mit sechs neuen Folgen. Mehr Infos der ARD zur Serie und die neuen Folgen finden Sie hier. Die Charité hat eine Broschüre zur neuen Staffel erstellt. Diese finden Sie unter diesem Link.