• Im Weißen See in Berlin-Pankow sind die Leichen einer Frau und eines Kindes entdeckt worden
  • Die Obduktion zeigt: Verletzungen, die auf ein Fremdverschulden hindeuten, wurden an den Leichen nicht festgestellt
  • Ihre Identitäten wurden mittlerweile festgestellt

Berlin. Grausiger Fund: Die Leichen einer Frau und eines Kleinkindes sind am Montag im Weißen See in Berlin-Pankow gefunden worden. Die Hintergründe ihres Todes sind weiterhin größtenteils unklar. Die fünfte Mordkommission hat die Ermittlungen zu den Umständen des Todes aufgenommen. Am Mittwoch teilte die Polizei mit, dass es sich bei den Toten um eine 29 Jahre alte Frau aus Weißensee und ihren 20 Monaten alten Sohn handelt.

Die Leichen wurden am Dienstag obduziert. Demnach sind die Frau und der kleine Junge wohl ertrunken. Hinweise auf ein Fremdverschulden schließt die Staatsanwaltschaft weitgehend aus, wie Sprecher Sebastian Büchner sagt. Zur Ursache des Ertrinkens könne bislang nichts weiteres gesagt werden.

Beide Leichen haben demnach dunkle Hautfarbe, erklärte der Sprecher weiter. Das Kind wird von den Ermittlern zwischen eineinhalb und zwei Jahren geschätzt, die Frau zwischen 20 und 40 Jahren. Sie könnten mehrere Wochen im Wasser gelegen sein und seien nicht vermisst worden.

Denkbar ist für die Berliner Polizei, dass es sich um einen erweiterten Suizid handeln könnte, die Frau also sich selbst und das Kind getötet hat. Geprüft werde auch, ob sich die Frau und das Kind auf dem zugefrorenen See aufgehalten hatten und dann eingebrochen sind.

Weißer See: Passanten hatten Leichen von Frau und Kind gefunden

Am Morgen nach den Leichenfunden deutet am Weißen See fast nichts auf das Drama des Vorabends hin.
Am Morgen nach den Leichenfunden deutet am Weißen See fast nichts auf das Drama des Vorabends hin.© Thomas Schubert

Feuerwehr und Polizei bestätigten am Montagabend, dass es zu einem tödlichen Vorfall kam, der noch nicht näher geklärt ist. Man sei „zu einem Einsatz mit einer Person im Wasser gerufen worden“, hieß es von der Feuerwehr. Die Leichen seien von Passanten gegen 16.30 Uhr entdeckt worden. Die Feuerwehr suchte den See nach dem Fund der Leichen nach weiteren Personen ab.

weissersee.jpg
© BM

Am Morgen nach dem Fund der beiden Leichen deutet im Park am Weißen See fast nichts mehr auf den Polizeieinsatz hin, der sich am Montag bis zum späten Abend hingezogen hatte. An der Einsatzstelle im Bereich des Bootsstegs bleiben Spaziergänger kurz stehen und versuchen zu verstehen, was hier geschehen ist. Einer von ihnen ist Detlef Günther, den die verschiedenen Erklärungsversuche rätseln lassen. Gegen die These, dass die Frau im Eis eingebrochen sein könnte, spreche die komplett eisfreie Seeoberfläche, meint der Anwohner.

Weißer See in Pankow: Holzkreuz am Ufer als Ort der Anteilnahme

Am Ufer des Weißen Sees hat der Pächter des Strandbads Weißensee ein Kreuz in den Boden gerammt - als Ort der Anteilnahme.
Am Ufer des Weißen Sees hat der Pächter des Strandbads Weißensee ein Kreuz in den Boden gerammt - als Ort der Anteilnahme.© Thomas Schubert

Unabhängig vom Todesfall stört sich Günther an der Vielzahl von Ordnungswidrigkeiten im stark besuchten Park – vor allem das unerlaubte Schwimmen, was auch in Form von Eisbaden auch an diesem Morgen wieder stattfindet, lehnt er ab. „Das macht mich sauer“, ärgert sich Günther, während einige Meter weiter ein junger Mann ins Wasser taucht. Hier müsse das Ordnungsamt noch strikter durchgreifen.

Kurz darauf rammt Alexander Schüller am Ufer, wo die beiden Leichen geborgen wurden, ein weißes Holzkreuz in den Boden ein. „Ruhet in Frieden“, lautet die Aufschrift. Schüller, der Pächter des Strandbads Weißensee, bekundet an diesem Vormittag still seine Trauer. Noch immer ist das Rätsel um den Fund der Frau und des Kleinkindes ungelöst. Doch nun gibt es am Weißen See einen Ort der Anteilnahme.

Erst in der vergangenen Woche hatte ein tödlicher Vorfall in Berlin-Pankow bundesweites Entsetzen ausgelöst: Am Dienstag, 21. Februar, war in Pankow ein fünfjähriges Mädchen getötet worden, ein 19 Jahre alter Tatverdächtiger war festgenommen worden. Gegen ihn wurde ein Haftbefehl wegen Totschlags erlassen.

Der Weiße See in Berlin: Immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen.
Der Weiße See in Berlin: Immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen.© Christian Hahn | Christian Hahn

 Weißer See in Berlin-Pankow
OrtsteilWeißensee
Größe8,3 Hektar
Umfang1175 Meter
Maximale Tiefe10,64 Meter
Mittlere Tiefe4,34 Meter
Besondere OrteStrandbad Weißensee
Park am Weißen See
Café Milchhäuschen

Weißer See: Ordnungsamt Pankow verbietet Eisbade-Aktion

Im Sommer und im Winter gilt am Weißen See ein Badeverbot, das vom Ordnungsamt Pankow überprüft wird.
Im Sommer und im Winter gilt am Weißen See ein Badeverbot, das vom Ordnungsamt Pankow überprüft wird.© Berliner Morgenpost | Thomas Schubert

Alarmiert war das Pankower Ordnungsamt am Montag deshalb, weil am Wochenende eine Gruppierung von Eisbadern zu einer Aktion am Weißen See eingeladen hatte. Eisbaden ist allerdings genau wie das sommerliche Schwimmen außerhalb des Strandbads Weißensee verboten, erklärt Anders Granitzki. Bei der Regelung geht es nicht nur darum, lebensgefährliche Situationen an unbewachten Ufern zu vermeiden, sondern auch um den Schutz der stark geschundenen und übernutzten Ufer.

Am Wochenende habe man bei einem Sondereinsatz des Ordnungsamts tatsächlich Teilnehmer der Eisbade-Aktion angetroffen, sagt Anders-Granitzki. „Sie wurden am Ufer meditierend angetroffen und zeigten sich nach unserem Hinweis auf das Verbot einsichtig.“ Vom Ordnungsamt wurde die Gruppe an das Strandbad Weißensee verwiesen, wo zumindest das sommerliche Baden erlaubt ist. Eisbaden wird bislang auch dort nicht gestattet, wie der Pächter erklärt.

Polizeifahrzeug am Weißen See am Montagabend
Polizeifahrzeug am Weißen See am Montagabend© Morris Pudwell

Anmerkungen der Redaktion: Das Bezirksamt Pankow hatte zunächst von einer toten männlichen Person im Wasser gesprochen. Die Polizei Berlin korrigierte später die Angaben des Bezirksamts.

Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.