Rekordprojekt

Die Oderberger als Fahrradstraße: 15 Euro Strafe für Autos

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Hier müssen Autofahrer warten: In der Oderberger Straße zeigen Pankows Verkehrsstadträtin Manuela Anders-Granitzki, die Polizei und der ADFC die neue Vormachtstellung des Fahrrads.

Hier müssen Autofahrer warten: In der Oderberger Straße zeigen Pankows Verkehrsstadträtin Manuela Anders-Granitzki, die Polizei und der ADFC die neue Vormachtstellung des Fahrrads.

Foto: Thomas Schubert

Autos sind in Prenzlauer Bergs neuer Fahrradstraße nur „zu Gast“. Die Polizei fragt am Seitenfenster nach dem Anliegen. Und kassiert.

Berlin.  Nun gab es sie doch: Die Eröffnungsfeier für Prenzlauer Bergs vierte Fahrradstraße. „Autos sind hier nur noch zu Gast“, verkündete Pankows Verkehrsstadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) am Donnerstag nach Durchschneiden einer Schleife auf der Oderberger Straße vor dem Mauerpark. Und zu Gast sein heißt: Man muss ein Anliegen haben, um hier noch mit dem Auto einzubiegen. „Ins Restaurant gehen zählt dazu“, merkte die Stadträtin augenzwinkernd an.

Obwohl Grüne der CDU-Politikerin vorwerfen, die Verkehrswende nur zögerlich zu unterstützen, sprach sie den entscheidenden Satz: „Wir kommen nicht darum herum, den Straßenraum neu aufzuteilen.“ Gefolgt allerdings von der Relativierung: „Es geht nicht darum, die Menschen zu einem Verhalten zu erziehen.“

Wichtig war allen Verantwortlichen des Bezirksamts Pankow eine Botschaft: In weniger als vier Wochen war die Umgestaltung der Oderberger Straße fertig - Rekord. So verkündete Anders-Granitzki nach dem verkorksten Vorgängerprojekt in der Stargarder Straße mit Stolz: „Wir können auch Fahrradstraße“.

Prenzlauer Berg: Polizei kassiert schon Verwarngelder in der Oderberger Straße

Was das für unbefugtes Einbiegen von Autos bedeutet, beschreibt die Berliner Polizei so. Wer die Regeln bricht, zahlt 15 Euro Strafe. „Wir halten die Leute an und fragen am Seitenfenster nach dem Anliegen“, sagte Polizistin Cindy Mühlisch bei der offiziellen Eröffnung. Eine schlüssige Antwort sollte man parat haben, um dem Verwarngeld zu entkommen.

Stadträtin im Interview:„Klarmachen, dass nicht jeder aufs Fahrrad umsteigen kann“

Schon seit Wochen weisen Markierungen auf dem Boden deutlich auf eine Fahrradstraße hin. Aber sie allein genügen nicht für eine Freigabe. Erst mit Enthüllung der Verkehrsschilder wird die Neuordnung des Verkehrs amtlich – und auf der Oderberger Straße in Prenzlauer Berg ist diese Enthüllung schon vor Tagen im Stillen erfolgt. Weniger als ein Monat verging vom Beginn der Fahrbahnmarkierungen in Höhe des Hotels im Stadtbad Oderberger Straße bis zur Aufbringung der letzten Piktogramme am anderen Ende kurz vor dem Mauerpark.

Oderberger Straße in Prenzlauer Berg: Zwei Erfolgsfaktoren sorgten für Tempo

Wie berichtet, kamen bei diesem Verkehrswende-Vorhaben zwei günstige Faktoren zusammen, die bei weniger geglückten Vorgängerprojekten in der Ossietzkystraße und Stargarder Straße fehlten. Zum einen war die beauftragte Baufirma sofort „leistungsfähig“, zum anderen profitierte das Vorhaben von verkehrsberuhigenden Maßnahmen, wie Verengungen und bremsenden Schwellen. Beides war in der Oderberger Straße schon vorab vorhanden, wie der Pankower Radverkehrsplaner Matthias Rogahn betont.

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Insofern blieb in dem Fall kaum mehr zu tun, als farbige Linien auf den Boden zu ziehen, Piktogramm auf den Asphalt zu kleben und die passenden Verkehrsschilder auf die Pfosten zu setzen. Wie in der Schwedter Straße oberhalb des Mauerparks, auf der Ossietzkystraße und Stargarder Straße gilt: Autofahrer dürfen nur noch als Anlieger einbiegen – und müssen sich nach dem Tempo der Radfahrer richten, die auch nebeneinander herrollen können.

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Genau darüber unterrichten Flugblättern des Bezirksamts Pankow nun die Anwohner. Ob diese einfache Lektion Akzeptanz findet, wird sich bei den ersten Verkehrskontrollen zeigen. Denn wie bei vorigen Projekten wird auch hier die Polizei bei der Eingewöhnung der neuen Regeln helfen – zumal die örtliche Wache nur eine Straßenecke entfernt liegt.

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