Das schnellste und das langsamste Fahrradstraßen-Projekt Berlins trennen zwei Kilometer Luftlinie. Hier die Oderberger Straße, die nur wenigen Wochen nach Baubeginn mit neuen Zeichen auf dem Asphalt deutlich die neuen Rechte der Radfahrer anzeigt. Dort die Stargarder Straße, die über zwölf Monate auf eben dieses Zeichen warten musste. Erst jetzt kleben die blau-weißen Piktogramme. Personal- und Durchführungsprobleme bei der Baufirma prägten diese Umgestaltung vom Anfang bis zum Ende.
Innerhalb von Prenzlauer Berg und dem Bezirk Pankow zeigt sich also eine weite Spanne von Möglichkeiten, wie ein Verkehrswende-Projekt verlaufen kann. Je nachdem, welche Baufirma sich zum geplanten Termin verpflichten lässt.
Aber auch innerhalb des Bezirksamts Pankow bergen solche Umwidmungen Risiken. Im Verkehrsausschuss sorgte kürzlich Andreas Johnke, der Leiter des Straßen- und Grünflächenamts, für bange Blicke. Er beschrieb einen extremen Personalmangel in seinen Abteilungen. Mit der Folge, dass zeitweise gar keine Mitarbeiter mehr vorhanden waren, die befugt sind, verkehrliche Anordnungen für Fahrradstraßen zu treffen. Zu stark sei die Konkurrenz von Landes- und Bundesbehörden, dass Fachkräfte noch in einem Bezirksamt arbeiten wollen, warnte Johnke. Das ehrgeizige Programm mit 20 neuen Fahrradstraßen in Pankow läuft deshalb in stark verlangsamtem Tempo.
Personalmangel im Bezirk bremst Fahrradstraße zum Gleimtunnel in Pankow

Eine direkte Folge des Notstands zeigt sich nun bei der Fortsetzung des Fahrradstraßen-Projekts in der Stargarder Straße. Es bräuchte nun die gleiche Neugestaltung bis zum Mauerpark und zum Gleimtunnel. Dem Punkt, wo Prenzlauer Berg endet und Gesundbrunnen beginnt.
Doch obwohl es in Pankow seit über drei Jahren den Beschluss gibt, die Gleimstraße bis zum Tunnel ebenfalls als Fahrradstraße auszuweisen, steckt das Vorhaben im Ansatz fest. Identische Anfragen der Linken-Abgeordneten Sandra Brunner und Elke Breitenbach und des FDP-Manns Felix Reifschneider offenbaren ein personelles Drama. Eigentlich sollte die Gleimstraße bereits aus dem so genannten übergeordneten Straßennetz Berlins entlassen worden sein.
Bezirksamt Pankow: Niemand konnte die wichtigste Formalität durchführen
Aber dazu erklärt nun das Bezirksamt Pankow: „Die für die Entlassung aus dem übergeordneten Straßennetz zu überwindenden Hürden konnten aufgrund fehlender personeller Ressourcen in den zuständigen Fachämtern des Bezirks bislang noch nicht genommen werden.“ Das heißt: Es fehlt an Mitarbeitern, die sich mit dieser Formalität befassen.

Weil das Projekt an diesem fundamentalen Punkt festhängt, gibt es auch keine Prognosen zu einer Umsetzung oder zu einem Zeitplan. Und ohne die Gleimstraße behält die Stargarder Straße einen Makel: Sie bleibt nur ein Korridor mit fehlendem Anschluss nach Westen. Eines steht mit den neuen Aussagen des Bezirks zu den Anfragen der Pankower Linken und FDP-Politiker immerhin fest: Eine Sperrung des Gleimtunnels für den Autoverkehr ist endgültig vom Tisch.
Abonnieren Sie den Pankow Newsletter der Berliner Morgenpost

Zur Erinnerung: Eine baubedingte Schließung der Passage hatte Anwohner zu der Forderung veranlasst, die Autoverbindung zwischen Gesundbrunnen und Prenzlauer Berg endgültig zu sperren. Konsequenzen für den Autoverkehr möchte der Bezirk offenbar nicht verantworten. „Eine Sperrung des Gleimtunnels im Zusammenhang mit der Einrichtung der Fahrradstraße in der Gleimstraße ist nicht Bestandteil des Fahrradstraßenkonzepts“, heißt es nun. „Und nicht beabsichtigt.“


