Aktualisierte Planungen

Pankow: Gefährliche Fahrradstraße bekommt Poller

| Lesedauer: 6 Minuten
Zwei Jahre nach Umwandlung der Ossietzkystraße zur Fahrradstraße lässt der Bezirk Pankow die Passage für den Durchgangsverkehr schließen.

Zwei Jahre nach Umwandlung der Ossietzkystraße zur Fahrradstraße lässt der Bezirk Pankow die Passage für den Durchgangsverkehr schließen.

Foto: Thomas Schubert

In Pankow stehen viele stadtbekannte Straßen vor einer Neugestaltung. Der aktuellste Fall: die Oderberger Straße. Ein Überblick.

Berlin. Verkehrsunfälle mit schwer verletzten Radfahrern, Beschwerden einer Bürgerinitiative über aggressive Autofahrer und Streitigkeiten mit der Berliner Polizei: Auf der Fahrradstraße Ossietzkystraße stehen der Anspruch an Sicherheit und die Wirklichkeit seit 2020 in Widerspruch. Nun hat sich das Bezirksamt Pankow mit seinen Sicherheitsbedenken bei der Polizei durchgesetzt. Poller gegen unerwünschten Durchgangsverkehr sollen die Zahl der durchfahrenden Autos drastisch senken. Sperren sollen Ortsfremde zur Umkehr zwingen – dabei errichtet der Bezirk in der neun Sackgasse auch einen Wendehammer. Jetzt wird die Abteilung von Verkehrsstadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) dafür die Anordnung erwirken. Eine Umsetzung soll „so schnell wie möglich“ folgen.

Schnell ist bei der Fahrradplanung im einwohnerstärksten Berliner Bezirk aber ein relativer Begriff. „Wir erwarten eine Umsetzung noch in diesem Jahr“, erklärt Radverkehrsplaner Matthias Rogahn. Er ist einer von zwei Radplanern im Bezirk, der das Programm mit 20 neuen Fahrradstraßen umsetzen muss. Weil in Pankow extreme Personalnot mit 138 offenen Stellen im Straßen- und Grünflächenamt herrscht, hat sich der Plan, die 20 Projekte bis Ende 2023 zu beenden, zerschlagen. Doch Rogahns Team gibt nicht auf und plant die neuen Fahrradstraßen in stark verlangsamtem Tempo weiter. Einige der bekanntesten Kiezstraßen Berlins stehen dabei vor einer Umgestaltung für den Radverkehr.

Fahrradstraßen in Pankow: Der neue Stand bei den interessantesten Projekten

Bizetstraße: Die wichtige Ost-West-Verbindung in Weißensee sollte bereits 2021 zur Fahrradstraße umgewandelt worden sein. Jetzt hängen die Arbeiten wegen einer „nicht leistungsfähigen“ Baufirma fest – zur Ausführung einer Neuasphaltierung, Straßenmarkierung und Beschilderung fehlt der Firma offenbar Personal. Stadträtin Anders-Granitzki und Radplaner Rogahn nennen folgende Lösung: Der Auftrag wurde inzwischen gesplittet: Nun kümmert sich eine Firma um die Asphaltierung, eine zweite um die übrigen Aufgaben. „Wir hoffen, im Sommer werden Tätigkeiten sichtbar sein“, erklärt Rogahn. „Und hoffentlich noch dieses Jahr beendet.“

Oderberger Straße: Auch auf dieser bekannten Straße in Prenzlauer Berg sollen Radfahrer sehr bald Vorrang bekommen. Schon Anfang Juli erfolgt der offizielle Baustart für die Umgestaltung – und die erweist sich, anders als in der Bizetstraße, als leicht. Denn die Oderberger Straße verfügt bereits über eine tadellose Asphaltierung und Verengungen mit Verkehrsinseln, die für Fahrradstraßen ideal sind. Es braucht im Wesentlichen nur noch Schilder und Markierungen. „Hier kann auch die Firma Leistung erbringen“, zeigt sich Rogahn optimistisch. „Es sind keine Probleme absehbar“. Damit wird die Fahrradstraße noch dieses Jahr fertig. Und zum aktuellsten Projekt in Pankows großem Programm.

Hufelandstraße: Eines der anspruchsvollsten Fahrradstraßen-Projekte des Bezirks Pankow betrifft das Bötzowviertel. Hier soll die Hufelandstraße, bekannt für Kiezläden und Cafés, den Radverkehr in Richtung Volkspark Friedrichshain bündeln. Jedoch bleibt eine Kernfrage auch nach monatelanger Diskussion ungeklärt: Wie sollen Radfahrer über das grobe Kopfsteinpflaster rollen? Laut Radplaner Rogahn bereiten Lösungen auch Experten des Berliner Senats Kopfzerbrechen. Ob die Hufelandstraße asphaltiert oder das Pflaster „glattgesägt“ wird, soll sich noch dieses Jahr entscheiden. Erst dann können konkrete Planungen starten.

Marienburger Straße – Wörther Straße – Knaackstraße – Sredzkistraße: Was auf der Hufelandstraße geschieht, ist von Bedeutung für die Umgestaltung dieses längeren Straßenzugs, bei dem das historische Kopfsteinpflaster ebenfalls Sorge bereitet. Laut Pankows Verkehrsstadträtin Anders-Granitzki wird die Entscheidung über eine Asphaltierung oder Glättung, die im Bötzowviertel fällt, auch auf die anschließende Verbindung von der Marienburger Straße bis zur Knaackstraße übertragen. Dadurch sollen die Planungen nach einer zäh verlaufenden Lösungsfindung für die Hufelandstraße beschleunigt werden. Ein Baubeginn und die Fertigstellung sind in all diesen Fällen unklar. Nicht einmal ein Beginn der Planungen lässt sich nennen, obwohl ursprünglich alle Projekte bis Ende 2023 beenden sein sollten.

Senefelderstraße: Diesem Fahrradstraßenprojekt im Helmholtzkiez droht nach neuesten Darstellungen des Bezirks Pankow das Aus. Der Grund: Zum Ende des Jahrzehnts soll der neue Radschnellweg „Panke Trail“ vom Stadtrand in Karow durch die Senefelderstraße in Richtung Berliner Stadtzentrum führen. Dadurch würde hier ein zweifacher Umbau drohen – einmal nach den Vorgaben für Fahrradstraßen, dann nach den Regularien für Radschnellwege. Bevor nicht klar ist, wie der „Panke Trail“ gestaltet wird, ruht das Fahrradstraßenprojekt Senefelderstraße.

Mahlerstraße: Auch diese Straße in Weißensees Komponistenviertel sollte ursprünglich eine Fahrradstraße werden – aber genau wie bei der Senefelderstraße in Prenzlauer Berg kollidiert das Vorhaben nun mit einem anderen Projekt: Ein neuer Kiezblock im Komponistenviertel sieht die Umgestaltung mehrerer Straßen vor, um den Auto-Durchgangsverkehr herauszudrängen. Da die Bizetstraße im gleichen Viertel bereits zur Fahrradstraße umgebaut wird, könnte die Mahlerstraße andere Funktionen übernehmen, zum Beispiel um die Erreichbarkeit aller Wohnhäuser im Kiez für Feuerwehr und Lieferanten zu garantieren.

Abonnieren Sie den neuen Pankow-Newsletter der Berliner Morgenpost

Stille Straße – Güllweg – Waldstraße – Birkenallee: Auch der Ortsteil Niederschönhausen erhält Anschluss an das neue Fahrradstraßen-System des Bezirks Pankow, was das größte Berlins werden könnte – wenn das Team um Stadträtin Anders-Granitzki und Matthias Rogahn Planungsprobleme lösen kann. Und die sind rund um den Pastor-Niemöller-Platz in Niederschönhausen beträchtlich. An diesem Knotenpunkt müssen Bezirk und Senat den Verkehr für Straßenbahnen der Linie M1, Autos und Radfahrer mit einer Ampelanlage neu ordnen. Bis die konkrete Lösung vorliegt, konzentriert sich der Bezirk mit seiner Fahrradstraßen-Planung auf die Stille Straße und den Güllweg südlich des Knotens. Trotz der Probleme besitzt das neue Straßensystem für Niederschönhausen hohe Priorität.

Weitere Nachrichten aus Pankow lesen Sie hier