Drei Wochen liegen zwischen den Bildern frierender ukrainischer Geflüchteter vor verschlossenen Türen und dem neuen Status quo im Sozialamt Pankow. Wer jetzt die aufgeräumte Situation mit beheizbaren Zelten, Toilettenhäuschen und hilfsbereiten Ordnern sieht, würde nicht meinen, dass hier bis vor kurzem ein Ausnahmezustand herrschte. Zwar erscheinen noch immer teils Hunderte Geflüchtete am frühen Morgen, um Sozialleistungen zu beantragen oder ihre Wohnsituation zu regeln. Doch mit den neuen Zelten und zusätzlichen Räumen – etwa dem Saal der Bezirksverordnetenversammlung – ist die Schlange vor dem Gelände an der Fröbelstraße verschwunden. Wenn gewartet wird, dann innerhalb des Areals statt davor.
„Wir setzten alles daran, dass wir die Menschen adäquat versorgen“, sagt Sozialstadträtin Cordelia Koch (Grüne) zur Bereitstellung von Wartebereichen und beschleunigten Prozessen im Sozialamt. Dafür hätten auch Mitarbeiter auf Urlaube verzichtet. Und hinzu kam Verstärkung aus anderen Bereichen des Bezirksamts und selbst durch fünf Kräfte vom Pankower Jobcenter.
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Krisenmanagement im Sozialamt Pankow: Schecksystem eine „absolute Notlösung“

Inzwischen sind die Mitarbeiter, aber auch freiwillige Helfer in eine Abfertigungsstrecke eingebunden, die mit der Einweisung am Haupttor des Bezirksamtsgeländes in Prenzlauer Berg beginnt. Und wer in dem historischen Komplex mit mehr als sieben Gebäuden die Übersicht verliert, den lotsen Helfer des Sozialen Kieztreffs ans Ziel. „Es ist bedeutend besser geworden bei der gesamten Organisation“, sagt einer der Lotsen namens Aref. „Wir müssen nur noch aufpassen, dass sich niemand verläuft.“
Ein weiterer Schlüssel zur Entzerrung des Andrangs von teils über 300 Antragstellern pro Tag: Das Schecksystem des Bezirksamts Pankow, mit dem es gelang, akute Engpässe mit nur einem Geldautomaten für Auszahlungen von Leistungen zu beheben. „Eine absolute Notlösung“, wie Stadträtin Koch im Morgenpost-Interview betont. So einfach die Auszahlung von Bargeld mit Hilfe der Schecks für Ukrainer in Filialen der Berliner Sparkassen gelingt, so kompliziert war die Regelung im Bezirksamt selbst.
Corona-Impfungen nun direkt auf dem Gelände des Bezirksamts Pankow
Es habe Wochen gedauert, bis das Verfahren geregelt war. „Mehrere Mitarbeiter sind damit befasst, die eigentlich elektronisch laufenden Fachverfahren mit den Schecks abzugleichen, zu unterschreiben und Listen zu führen. Nur so hat dieses System einen geregelten Verwaltungsgang“, erzählt Koch.
Mit der Zeit soll es gelingen, viele wesentliche Aspekte der Ankunft von Ukrainern im Verwaltungskomplex an der Fröbelstraße zu bündeln – einschließlich der Corona-Impfungen. Sie bietet der Bezirk nun zweimal wöchentlich direkt auf dem Gelände an. Auch für ganz normale Bürger. Ebenfalls ein Novum.
Es sei damit zu rechnen, dass sich die Art der Anliegen, mit denen ukrainische Geflüchtete ins Bezirksamt kommen, verändert, sagt Koch zur weiteren Entwicklung. In den Mittelpunkt werde die Frage rücken, wo die Menschen in Pankow unterkommen, wenn ihr Aufenthaltsstatus endgültig geregelt ist.
Pankow erhält ein Ukraine-Zentrum
Eine neue Möglichkeit zur Unterbringung ergab sich mit Wiedereröffnung des St. Josefsheims der Caritas an der Pappelallee in Prenzlauer Berg. Hier führten Gespräche zwischen Sozialsenatorin Katja Kipping (Linke) und den Caritas-Verantwortlichen dazu, dass Erzbischof Heiner Koch eine Wohnstätte für zunächst 180 Ukrainer eröffnete. Und dass Pankow hier bald auch ein eigenes Ukraine-Zentrum bekommt, wo sich ehrenamtliche Helfer vernetzen sollen.



