Iris May
In der Feinkost-Etage des KaDeWe herrscht gerade Hochkonjunktur, besonders in der Abteilung mit den prickelnden Getränken. Hagen Hoppenstedt, Chef-Sommelier des Hauses, früher Maître d‘hôtel im „Adlon“ am Pariser Platz, kann trotz der Kriege und Krisen 2023 nicht klagen. Seit zwei Monaten gibt es zusätzlich zur Wein- und der Champagner-Bar noch die Moet & Chandon-Bar. Alle drei sind mehr als gut besucht. „Hierher kommt nicht nur die Haute Volée“, sagt Hoppenstedt, sondern auch viele junge Konsumenten und Touristen. Es sei einfach ein guter Treffpunkt und ein Ort zum „Sehen und Gesehenwerden“.

Champagner ist in der Hauptstadt die Nummer Eins für besondere Momente
Für den Berliner Sommelier Serhat Aktas vom „Weinlobbyist“ ist der Trend Nr. 1 in der Hauptstadt „weiterhin der kostbare Champagner“. Das französische Edelgetränk sei unangefochten das beliebteste Getränk für besondere Momente und das werde sich bis auf Weiteres auch nicht ändern. Der Champagnerkonsum steige weiter an. Dies bestätigt auch Hagen Hoppenstedt vom KaDeWe: „Es wird soviel Champagner getrunken wie nie zuvor!“
Für Preisbewusste: Winzersekt oder Crémant
Der zweite Trend, den beide Sommeliers unabhängig voneinander beobachtet haben, ist deutscher Winzersekt oder Qualitätssekt aus Deutschland. Laut KaDeWe-Sommelier Hoppenstedt werde deutscher Winzersekt aus fast allen Weinanbaugebieten immer beliebter. Hier hebt Hoppenstedt das Sortiment von Raumland hervor, das zwischen 20 und 50 Euro zu haben ist. Auch hier stimmt Serhat Aktas überraschend mit Hoppenstedt überein: Von Raumland empfiehlt er den Grande Cuvée Sekt Brut „XIV. Triumvirat“ für 45 Euro. Wem das noch zu teuer ist, dem legt Hoppenstedt den Crémant de Loire der KaDeWe-Hausmarke ans Herz. Dieser sei bereits um 12 Euro zu haben und wie der berühmte Champagner im Flaschengärungsverfahren gereift.
Die goldene Mitte: Lieblingsmarke der britischen Royals und Prestige-Cuvées
Menschen, die sich etwas besonders Edles zum Jahreswechsel leisten möchten, ohne Millionär zu sein, greifen laut Hoppenstedt oft zu Prestige-Cuvées. Hier empfiehlt der Experte beispielsweise den Perrier-Jouet „Belle Epoque“ für 195 Euro. Vergleichsweise günstig ist die Champagnermarke Pol Roger, die auf den
Hochzeiten der britischen Royals
ausgeschenkt wird und die auch schon Winston Churchill bevorzugte. Eine Flasche „Reserve“ gibt es für 54,95 Euro. Wenigen dürfte der Champagner „Brut Assemblage“ von Vincent d‘Astré für 34,95 Euro geläufig sein: „Er schmeckt mineralisch, im Abgang mit Cremigkeit“, so Hoppenstedt. Liebhabern von halbtrockenem Wein empfiehlt er den „Palmer Nectar“ für 54,95 Euro.
Luxus: Vom „Rolls Royce unter den Champagnern“ bis hin zum Liebling des Zaren
Für viele Kunden der „Rolls-Royce unter den Schaumweinen“ ist der Grande Cuvée von Krug. Die 1,5-Liter Magnum-Flasche kostet 595 Euro. Hoppenstedt schwört allerdings auf den „Roederer Cristal“ in der klaren Flasche, der unter 300 Euro zu haben ist. Die Flasche, die statt der typischen Mulde einen abgeschnittenen Boden aufweist, sei ein Prestigeobjekt. Das Haus Roederer habe seit 1876 den Zaren Alexander II beliefert, der sich vor einer Vergiftung fürchtete. Er hatte daher die Bitte gestellt, den Champagner nur in transparente Flaschen zu füllen. Außerdem bestand er auf einen flachen Boden, damit in der Mulde kein Gift in den Palast geschmuggelt werden konnte.

Last-Minute-Sekt oder Champagner in Berlin kaufen
Für Serhat Aktas kann Sekt es durchaus mit Champagner aufnehmen. Daher gründete er auch das Berliner Sektfestival, das 2023 erstmals stattfand. Für Silvester empfiehlt der Sommelier den Weinladen Schmidt, wo man den Traditionssekt Blanc de Noirs von Griesel für 16 Euro oder die bereits erwähnten Winzersekte von Raumland erhält. Hinter dem Sekthaus Griesel stehe der junge Winzer Nico Brandner, dessen Cuveé 20 Monate auf der Hefe reift, bevor er degorgiert wird. „Fruchtig und animierend in der Nase, präsentiert sich der Sekt im Gaumen sehr angenehm, saftig und mit viel Trinkspaß. Der perfekte Aperitifsekt.“
Zwei Champagnersorten haben Aktas besonders überzeugt: Der Champagne Hubert de Gertale, den es zum Preis von 32 Euro zum Beispiel im Berliner Feinkostmarkt Frische Paradies gibt. Und den etwas teureren Champagne Polisy Brut Réserve 2005 für 104 Euro, der beispielsweise bei Viniculture vertrieben wird. Auch im KaDeWe kann man noch Last-Minute-Schaumweine erwerben. An Silvester allerdings nur von 8 bis 14 Uhr im Erdgeschoss am Eingang Passauer Straße.

Champagner als Sammelobjekt: Von Lenny Kravitz signiert oder mit Skulptur von Lady Gaga
Aber zurück ins KaDeWe: Gefragt nach dem wirklich teuersten Champagner, der je im KaDeWe verkauft wurde, nennt Hoppenstedt eine Skulptur von Lady Gaga, in der eine 3-Liter-Magnum-Flasche von Dom Pérignon integriert war. Das Objekt kostete 55.000 Euro und kam der „Born this Way“-Stiftung der Sängerin zugute. Die Skulptur fand bereits vor einiger Zeit einen Käufer. Von der limitierten Flasche „Dom Pérignon Vintage 2008“, die Lenny Kravitz persönlich designt und mit Goldstift signiert hat, ist nur noch eine einzige Flasche übrig. Sie kostet einen vierstelligen Betrag knapp unter 5.000 Euro.


















