Lenny Kravitz wird in Berlin gefeiert

Nach drei Jahren ist Lenny Kravitz im Rahmen seiner „Raise Vibration Tour“ endlich wieder in Berlin - und rockt ohne große Showeffekte.

Lenny Kravitz ist ein US-amerikanischer Musiker (Archivbild)

Lenny Kravitz ist ein US-amerikanischer Musiker (Archivbild)

Foto: Alejandra Rodríguez / dpa

Berlin. Der Flieger aus Tegel scheint in Slowmotion regelrecht über der Bühne der Zitadelle Spandau zu stehen. Darunter am Mikrophon Lenny Kravitz. Mister Sexiness höchstpersönlich. Ein Bild wie aus dem Lehrbuch für besonders coole Videoclips.

Kaum hat Kravitz kurz zuvor die Bühne geentert, geht es von Null auf Hundert mit einem kraftvollen „Fly Away“, dem das ebenso druckvolle „Dig It“ folgt. Prompt folgen Begeisterungsstürme. Ein gelungener Auftakt auf dem zwar nicht ausverkauften, aber ziemlich gut gefüllten Open-Air-areal. Nicht ganz wie zu Hochzeiten des Musikers Ende der Neunziger, Anfang der 2000er. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sein neues Album „Raise Vibration“, nachdem die aktuelle Tour benannt ist, erst am 7. September erscheint.

Vor drei Jahren war Lenny Kravitz zuletzt in Berlin. Doch es scheint, als sei für ihn die Zeit stehen geblieben. Mit cooler Sonnenbrille, enger Lederhose und unbändigem Afro sieht der 54-Jährige gut und gern zwanzig Jahre jünger aus. Kein Wunder, dass er keine großen Showeffekte braucht. Ein paar Lichtstimmungen genügen.

Natürlich gibt es auch aus dem neuen Longplayer die bereits ausgekoppelten Singles „It’s Enough“ und „Low“, an dem der US-Sänger noch mit Michael Jackson gearbeitet hat. In der Studioversion eher Durchschnittstracks, die man gleich wieder vergessen könnte. Es finden sich zudem bislang keine Spuren davon in den deutschen Charts. Live allerdings wesentlich energetischer. Der Applaus fällt aber bei weitem nicht so heftig aus wie der Jubel bei den alten, großen Hits, die Kravitz fasst alle mit seiner grandiosen Band zelebriert. „American Woman“ etwa oder „It Ain‘t Over Till It‘s Over“ mit besonders fettem Groove und fast zartem Gitarrensolo.

Der Sound lässt an diesem Abend ohnehin kaum Wünsche offen. Mit satten Gitarrenriffs im Siebziger-Retro-style, treibendem Bass und finessenreicher Percussion. So werden Songs wie "American Woman" oder "Always On the Run" zu echten Krachen. Aber auch die Balladen-Sektion mit Songs wie "Can't Get You Off My Mind" oder "Again" groovt ungemein.

Seit über dreißig Jahren im Geschäft, mochte der Songwriter und vierfache Grammy-Preisträger Genre-Grenzen noch nie. Bei ihm mischen sich Rock, Funk und Soul zu großartigen Songs. An der Gitarre beweist der Multi-Instrumentalist einmal mehr seine Qualitäten als Musiker der Extraklasse. Live zeigt er sich in Hochform und einfach unschlagbar gut. Ein fulminantes Konzert mit einem bestens aufgelegten Lenny Kravitz.

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