Corona-Proteste

Corona-Demos in Berlin - 50 Festnahmen, 18 verletzte Beamte

Rund 2000 Menschen demonstrierten am Sonntag gegen die Corona-Politik in Berlin. Eine Kundgebung am Abend wurde abgesagt.

Bei den Corona-Demos am Sonntag in Berlin hat die Polizei 50 Menschen festgenommen, 18 Einsatzkräfte wurden bei Auseinandersetzungen verletzt. Zudem wurden 64 Strafermittlungsverfahren eingeleitet, unter anderem wegen Verstoßes gegen das Versammlungsesetz, Landfriedensbruchs, tätlichen Angriffs und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sowie wegen versuchter Gefangenenbefreiung. Rund 2000 Menschen hatten am Alexanderplatz gegen die Corona-Maßnahmen protestiert. Weitere Menschen hatten sich auf der Karl-Marx-Allee versammelt. Die Polizei war mit 650 Beamten im Einsatz.

Gegen 11 Uhr hatten sich, so die Polizei am Montag in ihrer Bilanz, mehrere hundert Personen im Bereich des Alexanderplatzes versammelt. Bereits vor dem Beginn um 12 Uhr hätte die deutliche Mehrheit der Teilnehmer keine Masken getragen oder Mindestabstände eingehalten. Ein Mann habe zudem über Lautsprecher darauf hingewiesen, dass das Tragen einer Maske bei Vorlegen eines Attests nicht nötig sei und Muster für Dienstaufsichtsbeschwerden gegen Einsatzkräfte verteilt.

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Auf dem Alexanderplatz und auf der Karl-Marx-Allee riefen Demonstranten unter anderem „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Freiheit raubt“ und „Wir sind das Volk“. Sie trugen teils rosafarbene Luftballons in Herzform und Protestransparente. Andere waren mit Trommeln und Trillerpfeifen unterwegs. Ein dpa-Reporter berichtete, unter den Demonstrierenden seien auch Familien mit Kindern und ältere Menschen gewesen.

Die Polizei wies mehrfach per Lautsprecherdurchsagen auf die Maskenpflicht hin. Sie verhinderte gegen 12.15 Uhr, dass der Aufzug sich in Bewegung setzte, worauf der Mann die Anwesenden aufforderte, sich hinzusetzen, was auch 90 Prozent getan hätten. Einen weiteren Versuch, den Aufzug zu beginnen, verhinderte die Polizei erneut. Daraufhin habe eine "massiver Abstrom größerer Personengruppen" unter anderem in Richtung Otto-Braun-Straße sowie über die Karl-Marx-Allee zum Strausberger Platz eingesetzt. Einsatzkräfte hätten dabei körperliche Gewalt eingesetzt, so die Polizei. Ein Beamter sei durch einen Biss in die Hand verletzt worden.

Die Anmelderin habe die Veranstaltung um 12.40 Uhr beendet. Etwa zeitgleich hätten sich mehrere hundert Personen im Bereich der Spandauer Straße versammelt und seien Richtung Rotes Rathaus und weiter Richtung Jannowitzbrücke marschiert. Mehrere hundert von ihnen hätten ihren Weg zum Alexanderplatz fortgesetzt, die anderen seien zur Karl-Marx-Straße gelaufen, wo es eine weitere Kundgebung gab.

1600 Teilnehmer bei Kundgebung auf Karl-Marx-Allee

Dort hatten sich laut Polizei rund 1600 Personen vor dem ehemaligen Kino "Kosmos" versammelt. in dem ursprünglich die Gesundheitskonferenz „World Health Summit“ geplant war. Die Veranstaltung fand wegen steigender Infektionszahlen inzwischen aber online statt. Alle Ansprachen und Debatten – unter anderem sollten der Virologe Christian Drosten und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprechen – würden digital gehalten, hatte eine Sprecherin des Gipfels mitgeteilt.

Veranstalter beendet Demo vor dem „Kosmos“

Das Gebäude war mit Gittern abgesperrt, auch auf dem Dach waren Polizisten zu sehen. In der Nähe gab es eine Gegendemonstration: Teilnehmende, die meist schwarz gekleidet waren, riefen „Nazis raus“. Auch vor dem "Kosmos" trugen die meisten Teilnehmer keine Masken und hielten sich nicht an die Abstände. Als der Veranstalter die Kundgebung um 15.40 Uhr vorzeitig beendet habe, hätten sich die Menschen geweigert zu gehen, sondern sich auf den Boden gesetzt. Eine größere Gruppe habe gegen 16 Uhr zudem versucht, Absperrgitter zu übersteigen, was die Beamten durch körperliche Gewalt verhindert hätten. Das gleiche geschah später noch einmal.

Eine Stunde später habe eine Gruppe versucht, zum Alexanderplatz zu laufen, was die Polizei ebenfalls verhindert habe. Erst gegen 17.35 Uhr hätten sich nur noch wenige Personen am Kundgebungsort bwefunden.

Kundgebung am Großen Stern im Vorfeld abgesagt

Eine „Querdenken“-Initiative hatte für den Sonntagabend zu einer Kundgebung am Großen Stern im Tiergarten in Mitte gegen die Corona-Politik aufgerufen. Diese Kundgebung wurde bei der Polizei mit 10.000 Personen angemeldet. Aus noch unbekannten Gründen wurde die Kundgebung der „Querdenken-Initiative“ kurzfristig am späten Sonntagnachmittag abgesagt. Lediglich mehrere Polizeifahrzeuge parkten im Schatten der Siegessäule und Absperrgitter standen auf den Mittelstreifen der Straße des 17. Juni. Von den Corona-Leugnern fehlte am Sonntagabend jede Spur.

Eine weitere Kundgebung fand am Platz des 18. März statt. Dort hätten sich, so die Polizei, mehrere hundert Personen am Brandenburger Tor versammelt. Die Teilnehmer trugen allerdings Masken und hielten auch die Abstandsregeln ein. Die Versammlung wurde ohne Störung gegen 15.40 Uhr beendet.

Schließlich versammelten sich auch mehrere Personengruppen vor dem Gebäude des Landeskriminalamts am Tempelhofer Damm. Auch hier wurden Abstands- und Hygieneregeln laut Polizei nicht eingehalten, weshalb Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet wurden. Dabei sei es zu Widerstandshandlungen gekommen.

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