Räumung

Bezirk Mitte hat Obdachlosen-Lager im Tiergarten geräumt

Der Bezirk Mitte hat am Montagvormittag das Zeltlager von Obdachlosen im Tiergarten geräumt. Das Ordnungsamt kündigte mehr Streifen an.

Obdachlose im Tiergarten (Archivbild)

Obdachlose im Tiergarten (Archivbild)

Foto: Reto Klar

Berlin. Der Bezirk Mitte hat am Montagvormittag ein Zeltlager von Obdachlosen im Tiergarten räumen lassen. Wie das Bezirksamt mitteilte, wurde die Räumung am Zooverbindungsweg von Mitarbeitern des Ordnungsamts und des Straßen- und Grünflächenamts durchgeführt. Beamte der Berliner Polizei hätten die Räumung unterstützt, hieß es weiter. Dabei sei es zu keinerlei Zwischenfällen gekommen, sagte ein Polizeisprecher.

"Die Räumung ist die konsequente Fortsetzung der stetigen Bemühungen des Bezirkes, die Fehlnutzung des Tiergartens und des öffentlichen Raums in anderen Teilen des Bezirks im Rahmen seiner Möglichkeiten einzudämmen", heißt es in der Mitteilung des Bezirksamts. Die Räumung sei allerdings nur "letztes Mittel", nachdem die soziale Arbeit von freien Trägern nicht zum Erfolg geführt habe.

Außerdem seien die im Tiergarten zeltenden Obdachlosen zuvor über die Räumung informiert und über Hilfsangebote aufgeklärt worden. Damit die Obdachlosen nicht gleich erneut ihre Zelte im Tiergarten aufstellen, sollen Ordnungsamt und Polizei nun intensiver Streife gehen.

Von Dassel: "Empfinde jede Räumung eines illegalen Zeltlagers schmerzhaft"

Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) teilte mit: „Wir können die rechtswidrigen Zustände im Tiergarten nicht hinnehmen und sind verpflichtet, die öffentliche Ordnung wiederherzustellen. Dennoch finde ich persönlich jede Räumung eines illegalen Zeltlagers schmerzhaft, weil sie das Grundproblem der Obdachlosigkeit nicht löst." Die Ursachen lägen zumeist jenseits der Bezirksgrenzen von Mitte, oftmals auch in sozialen Problemen der Herkunftsländer der obdachlosen Menschen, so von Dassel weiter.

"Wenn wir in Mitte Räumungen durchführen, kann es zu einer Verdrängung in andere Bezirke kommen. Ich begrüße daher die Vereinbarung im Rat der Bürgermeister, schnellstmöglich das überfällige gesamtstädtische Konzept für den Umgang mit Obdachlosigkeit zu entwickeln", schreibt der Grünen-Politiker.

Im Tiergarten hatten sich zuletzt nach Angaben des Bezirks 60 bis 80 Personen dauerhaft aufgehalten. Im vergangenen Monat hatte Bezirksbürgermeister von Dassel einen Brandbrief verfasst und öffentlich um Hilfe gerufen, um die Situation im Tiergarten zu lösen. Dies hatte eine intensive Diskussion über den Umgang mit den zumeist osteuropäischen Obdachlosen in Berlin ausgelöst. Anfang September wurde im Tiergarten eine 60-jährige Frau ermordet. Mutmaßlicher Täter war ein 18-jähriger Russe, der vorbestraft war und hätte abgeschoben werden können.

Mehr zum Thema:

Obdachlose protestieren gegen Räumung

Plötzlich ist der Kleine Tiergarten für die Polizei sicher

27-Jähriger im Tiergarten mit Pfefferspray angegriffen

Caritas-Direktorin: „Eine Taskforce ist naiver Aktionismus“