Tiergarten

Obdachlose protestieren gegen Räumung

Viele Obdachlose haben den Tiergarten allerdings auch bereits freiwillig verlassen. Räumungstermin weiter unklar.

Ein Protesttransparent mit der Aufschrift „Obdachlosigkeit ist kein Verbrechen“

Ein Protesttransparent mit der Aufschrift „Obdachlosigkeit ist kein Verbrechen“

Foto: Sven Wolters

Berlin.  Mehrere Obdachlose protestieren mit Spruchbändern am Schleusenweg gegen die bevorstehende Räumung weiterer Teile des Tiergartens. Auf Bettlaken, die sie neben ihren Zelten aufgespannt haben, stehen Sprüche wie „Obdachlosigkeit ist kein Verbrechen“ und „Stoppt die Politik“. Derzeit herrscht Unklarheit darüber, wann die Zeltlager tatsächlich abgebaut werden müssen. Die Polizei wird nur auf Antrag des Ordnungsamtes tätig – und der zuständige Bezirk Mitte schweigt sich weiter aus. Eine für diese Woche geplante Räumung fand bislang nicht statt.

Im Tiergarten halten sich nach Angaben des Bezirks Mitte 60 bis 80 Personen dauerhaft auf. Fest steht, dass die dort zeltenden Obdachlosen den Park verlassen müssen. Die Personalien von vielen im Park lebenden Menschen wurden bereits aufgenommen. Die bevorstehende Aktion hat sich unter den Obdachlosen bereits herumgesprochen. Einige haben den Park bereits freiwillig verlassen und sind in andere Bezirke umgezogen. Laut Sozialarbeitern vor Ort seien viele nach Friedrichshain-Kreuzberg und dort in den Volkspark Friedrichshain ausgewichen.

Für die Obdachlosen beginnt bald die härteste Zeit des Jahres – wenn die Temperaturen nachts unter den Gefrierpunkt sinken. Am 1. November startet daher die Saison für die Berliner Kältehilfe. Bis zum 31. März 2018 können Obdachlose eine Übernachtung im Warmen in Anspruch nehmen. Diakonie, Caritas, evangelische und katholische Kirchengemeinden sowie das Rote Kreuz organisieren die Kältehilfe wieder gemeinsam, nun schon im 28. Jahr.

1000 Plätze sollen dafür in diesem Jahr bereitgestellt und vom Land Berlin finanziert werden, sagte Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke). Zum Start am kommenden Mittwoch sollen es 850 sein. Doch derzeit ist es zweifelhaft, ob das gelingt. Nach Informationen der Berliner Morgenpost steht bislang nicht einmal die Hälfte der in Aussicht gestellten Plätze zur Verfügung. Hinzu kommt, dass niemand weiß, wie viele Obdachlose es in Berlin tatsächlich gibt. Denn eine offizielle Statistik gibt es nicht. Schätzungen schwanken zwischen 3000 und 10.000. Fest steht nur, dass die Kältehilfe völlig überlastet ist.