Kriminalität in Moabit

Plötzlich ist der Kleine Tiergarten für die Polizei sicher

Die Polizei zählt den Park nun nicht mehr zu Berlins gefährlichen Orten. Doch intern wird ein erneuter Kriminalitätsanstieg befürchtet.

Die Polizei zählt den Kleinen Tiergarten nicht mehr zu Berlins kriminalitätsbelasteten Orten (Archiv)

Die Polizei zählt den Kleinen Tiergarten nicht mehr zu Berlins kriminalitätsbelasteten Orten (Archiv)

Foto: Reto Klar

Berlin. Drogen, Überfälle, Taschendiebe: Wenn die Dämmerung hereinbricht, meiden Anwohner den Kleinen Tiergarten in Moabit. Doch laut Polizei ist der kleine Park in Moabit nun keine No-go-Area mehr. Die Behörde führt den kleinen Park, der vor allem als Drogenumschlagplatz bekannt ist, nicht mehr als kriminalitätsbelasteten Ort (KbO). Diese überraschende Einschätzung erfuhr die Berliner Morgenpost aus Polizeikreisen.

Die Entscheidung beruht auf einem Antrag der zuständigen Direktion 3. Demnach würden die Gründe, die zu einer Einstufung des Kleinen Tiergartens als KbO führten, nicht mehr vorliegen. Als Begründung führt die Polizei die im Halbjahresvergleich erheblich gesunkenen Straftaten an. Die Körperverletzungen seien um 77 Prozent und die Raubtaten um 41 Prozent gesunken.

Entscheidung für Polizisten unverständlich

Bei Polizisten sorgt die Entscheidung indes für Unverständnis. Es wird befürchtet, dass die Straftaten wieder nach oben schnellen, wenn die Polizei keine Präsenz mehr zeige. Auch in der internen Analyse der Direktion kommt man zu dem Schluss, dass Rauschgiftkriminalität und das gestörte Sicherheitsempfinden vor Ort auch weiter ein Thema seien.

Noch im Jahr 2016 gab es einen dramatischen Anstieg der erfassten Delikte. Die Gesamtzahl der Straftaten stieg von 2193 im Vorjahr auf 2792. Und die Zahl der Drogendelikte vervielfachte sich von 189 auf 689. Auch der spätere Attentäter vom Breitscheidplatz, Anis Amri, dealte in dem Park regelmäßig mit Drogen.

Beamte werden vom Kleinen Tiergarten zum Alex abgezogen

Die Entscheidung der Polizei dürfte vor allem Folge der Personalnot sein. Oberste Priorität hat in Mitte nämlich der Alexanderplatz. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass Beamte der Ermittlungsgruppe Heide vom Kleinen Tiergarten abgezogen werden und künftig am Alexanderplatz im Einsatz sind.

Allein in diesem Jahr wurden im Kleinen Tiergarten knapp 70 größere Polizeieinsätze durchgeführt. Das dürfte sich nun ändern. Denn Abschnitte mit kriminalitätsbelasteten Orten haben etwa einen privilegierten Zugriff auf Einsatzhundertschaften. Das sieht man am Alexanderplatz, auf dem sie ständig im Einsatz sind.

„Diese Neueinstufung ist nicht nachvollziehbar, allein dem Personalmangel geschuldet und malträtiert die erfolgreiche Arbeit der Kollegen. Wir können die Uhr danach stellen, wann die Zahlen dort ohne dauerhafte Polizeipräsenz wieder in die Höhe schnellen“, sagte der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Berlin, Benjamin Jendro.

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