Die Debatte um die Benennung einer Straße nach der kürzlich verstorbenen Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer nimmt immer weiter Fahrt auf. Nun hat sich mit der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus ein wesentlicher Teil der Landes-Koalition für den Vorschlag ausgesprochen, die Skalitzer Straße nach der Berliner Ehrenbürgerin zu benennen.
Friedländer lebte während der Nazi-Zeit für zwei Jahren in dem Haus mit der Nummer 32, zwischen Manteuffel- und Mariannenstraße, in einer „Judenwohnung“. Dort wurden 1943 ihr Bruder und ihre Mutter verhaftet und ins KZ Auschwitz deportiert. Margot tauchte unter und überlebte.
SPD: Der Name Skalitz sei „erinnerungspolitisch“ von eingeschränkter Relevanz
Die Skalitzer Straße, die wichtige Ost-West-Verbindung entlang der Hochbahn zwischen Wassertorplatz und Schlesischem Tor, trägt ihren Namen nach der Schlacht bei Skalitz im Deutschen Krieg 1866 benannt. Dieses Ereignis habe nur eine „sehr eingeschränkte erinnerungspolitische Relevanz“, sagte der SPD-Parlamentarier Alexander Freier-Winterwerb: „Das Leben und Wirken Margot Friedländers hingegen berührt uns, unsere Gegenwart und Zukunft unmittelbar.“ Die SPD-Wahlkreisabgeordnete Sevim Aydin sagte, die Umbenennung der Skalitzer Straße sei „Ausdruck unserer gemeinsamen erinnerungspolitischen Verantwortung“.
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Anwohner an der Skalitzer Straße müssten ihre Adressen ändern
Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, der für Straßennamen zuständig ist, wird der Vorstoß wohlwollend aufgenommen. Am Mittwoch wird die Bezirksverordnetenversammlung darüber diskutieren. Bürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne) zeigte sich offen. Es handele sich bei der Skalitzer Straße um einen „authentischen Ort“. Zuletzt war auch diskutiert worden, einen bisher namenlosen Platz in der Nähe des Kurfürstendamms nach der wichtigen Zeitzeugin und Mahnerin für Menschlichkeit zu benennen. Nach einem Kommentar im „Tagespiegel“ neigt sich die Waage jedoch dazu, Friedländer an ihrem früheren Wohnort zu ehren und das nicht nur mit einer Erinnerungsplakette an der Hausnummer 32.

Als problematisch könnte sich die große Zahl von Anwohnern entlang der mehr als zwei Kilometer langen Skalitzer Straße erweisen. Sie alle müssten ihre Adressen ändern. Nur einen Teil der Skalitzer nach Friedländer zu benennen, hält man im Bezirksamt nach den Erfahrungen mit dem neuen Namen für einen Teil der Manteuffel-Straße in Audre-Lorde-Straße für wenig sinnvoll. Seinerzeit war es zu Chaos mit Hausnummern und Adressen gekommen. Ohnehin müssten Abgeordnetenhaus und Senat das Thema unterstützen. Denn es ist vorgeschrieben, dass Persönlichkeiten fünf Jahre tot sein müssen, ehe ihr Namen im Stadtbild verewigt werden darf.
Die Fraktionen von CDU und Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf hatten bereits vorgeschlagen, einen Platz in der Nähe des Kurfürstendamms nach Friedländer zu benen



