Für die im Alter von 103 Jahren gestorbene Holocaust-Überlebende und Zeitzeugin Margot Friedländer liegt seit Dienstag ein Kondolenzbuch im Roten Rathaus im Säulensaal in Berlin aus. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und die Präsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses, Cornelia Seibeld trugen sich als erste am Dienstagmorgen in das Buch ein. Es folgten die Senatorinnen und Senatoren, mit Ausnahme von Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD). Sie befindet sich zur Zeit mit dem Wirtschaftsausschuss in Paris.

Kondolenzbuch für Margot Friedländer
Kai Wegner trägt sich ins Kondolenzbuch ein.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Kai Wegner schrieb sehr emotionale Worte ins Kondolenzbuch.

„Seid Menschen“

Berlin trauert um Margot Friedländer. Unsere Ehrenbürgerin hat den Opfern des Holocaust eine Stimme gegeben. Sie hat uns gemahnt, die Verbrechen des Nazi-Regimes niemals zu vergessen. Sie hat uns daran erinnert, dass sich Geschichte nicht wiederholen darf. Und sie hat uns gezeigt, dass Menschlichkeit über Unmenschlichkeit siegt.

Wir werden das Vermächtnis von Margot Friedländer bewahren und niemals vergessen. Ihr Appell „Seid Menschen!“ leitet uns an – jeden Tag aufs Neue.

Liebe Margot Friedländer,

danke für die vielen Begegnungen und für alles, was Sie unserer Stadt und unserem Leben gegeben haben.

Ruhe in Frieden.

Der Eintrag von Kai Wegner im Kondolenzbuch für Margot Friedländer.
Der Eintrag von Kai Wegner im Kondolenzbuch für Margot Friedländer.© Andreas Gandzior | Andreas Gandzior

Kondolenzbuch wird der Margot Friedländer Stiftung übergeben

Bis nächsten Freitag (23. Mai) können sich auch alle anderen Menschen in das Kondolenzbuch einschreiben. Damit liegt es eine Woche länger aus als geplant. Man reagiere damit auf das große Interesse der Menschen, Anteilnahme zu zeigen, teilte die Senatskanzlei mit. Im Anschluss daran wird das Buch der Margot Friedländer Stiftung übergeben.

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Wie das Bundespräsidialamt am Montag mitteilte, wird sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag in das Kondolenzbuch eintragen. Ob im Roten Rathaus oder im Deutschen Bundestag war nicht zu erfahren. Im Deutschen Bundestag liegt ebenfalls ein Kondolenzbuch, dieses ist aber nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Für die Bestattung ist der jüdische Friedhof in Berlin-Weißensee im Gespräch. Weil Friedländer, die am Freitag starb, Berliner Ehrenbürgerin war, erhält sie automatisch ein sogenanntes Ehrengrab. Bei diesen Gräbern übernimmt der Bezirk die Kosten für die Pflege und die Instandhaltung. Inzwischen gibt es mehr als 680 Ehrengrabstätten auf den Berliner Friedhöfen.

Große Trauerfeier für Margot Friedländer in Berlin geplant

Margot Friedländer soll in Berlin mit einer großen Trauerfeier geehrt werden. Termin und Ort waren noch in der Abstimmung zwischen den beteiligten Institutionen, wie es von den entsprechenden Organisationen am Montag hieß. 

Die Büste von Margot Friedländer, Ehrenbürgerin von Berlin
Die Büste von Margot Friedländer, Ehrenbürgerin von Berlin© Andreas Gandzior | Andreas Gandzior

Wenn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und hochrangige Vertreter jüdischer Verbände teilnehmen würden, hätte die Trauerfeier eine sehr hohe Sicherheitsstufe und müsste mit etwas zeitlichem Vorlauf und in Kooperation auch mit Berliner Polizei und Senat organisiert werden. Die Margot Friedländer Stiftung wollte sich in Kürze dazu äußern. 

Friedländer war am Freitag gestorben. Die jüdische Berlinerin war in der NS-Zeit ins Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg emigrierte sie in die USA, kam aber im hohen Alter zurück in ihre Heimat. Seither setzte sie sich unermüdlich für Versöhnung und gegen das Vergessen ein.