Der 1893 eröffnete Güter- und Rangierbahnhof Pankow war bis zur Wiedervereinigung wichtiger Umschlagplatz für Lebensmittel und Baustoffe im Kiez. Danach kam das Aus für den Bahnhof, und die historischen Gebäude begannen zu verfallen. Inzwischen ist der Ringlokschuppen in Pankow – einer der drei letzten in der Hauptstadt – stark einsturzgefährdet. Erfahren Sie hier alle wichtigen Informationen zu dem denkmalgeschützten Objekt, das zu den vielen Lost Places in Berlin gehört.
Das sind die Fakten zum Ringlokschuppen im Überblick:
- Adresse: Am Feuchten Winkel, 13089 Berlin-Pankow. Das Gelände befindet sich angrenzend an den S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf
- Geschichte: Errichtung zwischen 1901 und 1906; Erweiterung des Baus 1909 und 1921; Stilllegung des Betriebshofes 1997, danach Leerstand
- Führungen: Keine
- Status: Aktueller Lost Place
- Denkmalnummer: Objekt-Nr. 09085379
- Planung: Auf dem Areal soll ein Stadtquartier entstehen
Wo liegt der Ringlokschuppen genau?

Auf dem Areal des alten Rangierbahnhofs Pankow-Heinersdorf östlich der Prenzlauer Promenade zwischen dem heutigen S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf und der Kleingartenanlage Feuchter Winkel. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Gelände am besten mit den S-Bahnlinien S1, S2, S8 und S25 zu erreichen (Haltestelle Pankow-Heinersdorf). Vom S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf oder von der Straße Am Feuchten Winkel aus sind die Gebäude einsehbar. Das Gelände selbst ist Privateigentum, das Betreten der Gebäude nicht erlaubt. Achtung vor den S-Bahngleisen: Das Betreten von Bahnanlagen ist generell verboten und lebensgefährlich. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch
Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Ringlokschuppens:
Ausgangslage: Ein Stück Eisenbahngeschichte in Pankow
Der Aufstieg Berlins zur politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Metropole Ende des 19. Jahrhunderts hing eng mit dem Aufbau eines leistungsfähigen Eisenbahnnetzes zusammen. Eine der wichtigsten Lebensadern des aufstrebenden Wirtschaftsplatzes: die 1843 eröffnete Stettiner Bahn, die Berlin mit der Hafenstadt Stettin verband.
Die bis 1920 selbstständige Gemeinde Pankow war beim Bau der Eisenbahn die nächste größere Siedlung an der Strecke. Dennoch dauerte es bis 1880, bevor sie eine Haltestation erhielt, die zunächst weitgehend dem Personenverkehr vorbehalten blieb. Der Ortskern des damals als Sommerfrische und Ausflugsziels beliebten Pankows lag nahezu einen Kilometer vom Bahnhof entfernt, aber das Bahnhofsumfeld wurde nach Einrichtung der Haltestation bald bewirtschaftet. Anfang der 1890er-Jahre begann folgerichtig der Bau des Güter- und Verschiebebahnhofs Pankow-Heinersdorf, der auch zu Umbauten am Personenbahnhof führte. Die Station wurde jetzt nach Art einer Berliner Stadtbahnstation eingerichtet. Davon getrennt verliefen die Gleispaare für den Fern- und Güterverkehr.
Ringlokschuppen Pankow: So war der Rangierbahnhof aufgebaut

Der 1893 in Betrieb genommene Güter- und Verschiebebahnhof Pankow-Heinersdorf entwickelte sich rasch zu einem der bedeutendsten Knotenpunkte an der Stettiner Bahn. Die Gesamtfläche betrug rund 40 Hektar mit einer Breite von etwa 700 Metern und einer maximalen Länge von 2400 Metern. Um die Jahrhundertwende wurden bereits 70 Züge mit 2000 Güterwagen pro Tag umgeschlagen, womit der Güterbahnhof Pankow zum größten in Deutschland geworden war.
Der Rangierbahnhof hatte von Südwesten ausgehend sechs Einfahr- und Ablaufgleise in die Richtungen Nordbahn, Nordbahnhof, Ringbahn Ost, Ringbahn West, Stettiner Bahn und Stettiner Bahnhof. Am Nordende wurden die Waggons zusammengestellt und fertig gebildete Züge zu den Ablaufgleisen rangiert. Hier befand sich auch das Bahnbetriebswerk Berlin-Pankow, dessen Dreh- und Angelpunkte zwei Lokschuppen bildeten: der 1893 von der Königlichen Eisenbahndirektion am Bahnbetriebswerk Berlin-Pankow errichtete Rundlokschuppen mit innen liegender Drehscheibe, von der 24 Abstell- und Reparaturgleise ausgingen, sowie der halbkreisförmige Ringlokschuppen mit außenliegender Dreh- und Rangierscheibe.
Der Ringlokschuppen war in den Jahren zwischen 1901 und 1906 erbaut worden. Der Bautyp des Ringlokschuppens hatte sich aus den Erfahrungen mit dem älteren Rundlokschuppen ergeben, der weder vergrößert noch erweitert werden konnte. Mit der außenliegenden Drehscheibe, um das sich das Gebäude schmiegte, wurde dies nun möglich. Der anfangs sechsständige Ringlokschuppen wurde 1909 das erste Mal um drei Gleise ausgebaut und 1921 ein zweites Mal um 13 Gleise zu einer Halbringhalle mit 23 Ständen erweitert.
Ringlokschuppen Pankow: Betrieb bis zur Wiedervereinigung
Der Rangierbahnhof wurde während des Zweiten Weltkriegs als strategisch wichtiges Ziel mehrmals von Fliegerbomben getroffen, zunächst ohne größere Schäden. Gegen Ende des Krieges, als die Artillerie den Bahnhof unter Beschuss nahm, musste der Betrieb eingestellt werden. Allerdings wurde bereits im Mai 1945 mit der Reparatur begonnen und der Güterbahnhof Pankow für die Reichsbahn der DDR als bedeutender Umschlagplatz wieder in Betrieb genommen. In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde der Bahnhof schrittweise modernisiert.
Unter anderem wurden die mechanischen durch elektromechanische Stellwerke ersetzt und der Wildwuchs an Verwaltungs-, Sanitär- und Versorgungsbaracken am Bahnbetriebswerk durch ein neu errichtetes zentrales Sozialgebäude der Deutschen Reichsbahn ergänzt, das die Arbeitsbedingungen der Angestellten merklich verbesserte. Die blind endenden Gleise beim Betriebswerk wurden außerdem an die Ferngleise angeschlossen.
Ringlokschuppen Pankow: Mit der Wende kam das Aus
Nach der Wende 1989 und der Übertragung des Betriebs der Reichsbahn an die Deutsche Bahn verlor der Güterbahnhof mehr und mehr an Bedeutung. 1997 erfolgte schließlich die Stilllegung. Bis 2001 wurden zwar gelegentlich noch historische Züge auf dem Rangierhof gewartet und repariert, ein regulärer Betrieb war für die Lokschuppen aber nicht mehr zu erwarten und Nachnutzungskonzepte blieben aus.
Bis 2007 wurden die gesamten Gleisanlagen und die meisten der Gebäude auf dem Betriebshof abgerissen. Übrig blieb nicht viel mehr als das unter Denkmalschutz stehende Ensemble aus Ring- und Rundlokschuppen und das Sozialgebäude der Deutschen Reichsbahn.
Ringlokschuppen Pankow: Einsturzgefährdete Industrieruine
Das einzigartige Areal wurde in der Folgezeit zu einem Lost Place, gezeichnet von Verfall und Vandalismus: Die beiden Lokschuppen sind durch Witterung stark beschädigt, Fenster sind eingeschlagen und der Rost frisst sich langsam aber stetig durch die Stahlkonstruktionen. Bewuchs rankt sich an Teilen der alten Bahngebäude empor, in den Revisionsgruben und Drehanlagen findet sich Schutt und Abfall, und an den Wänden der verlassenen Industriebauten finden sich kaum noch Stellen ohne Graffiti.
Das Baumaterial der denkmalgeschützten Gebäude hat in den Jahren des Leerstandes so stark gelitten, das Einstürze drohen. Das Dach des Ringlokschuppens ist akut einsturzgefährdet und auch die 40 Meter im Durchmesser große Schwedler-Kuppel des Rundlokschuppens war zuletzt stark gefährdet, bevor Sanierungsarbeiten einsetzten.
Gibt es Pläne für den Ringlokschuppen und das ehemalige Betriebswerk?
Investor Kurt Krieger erwarb 2009 das 250.000 Quadratmeter große Areal des ehemaligen Rangierbahnhofs – inklusive der beiden historischen Lokschuppen und dem DR-Sozialgebäude auf dem Gelände des ehemaligen Betriebshofes.
Der ursprüngliche Plan, der Bau eines Einkaufszentrums mit Parkgelände, scheiterte. Seitdem entbrannte eine jahrelange Auseinandersetzung um die Bebauung der Brache. Inzwischen geht es um die Errichtung des neue Stadtviertels „Pankower Tor“ mit rund 2000 Wohnungen. Offen bleibt vorerst, wie die denkmalgeschützten Bahngebäude konkret in das Megabauprojekt eingebunden werden sollen.
Nach Urteilen des Verwaltungsgerichts und des Oberverwaltungsgerichts wurde der Eigentümer unterdessen zu Erhaltungsmaßnahmen verpflichtet. Seit 2021 erfolgen Sanierungsarbeiten auf dem Gelände und zumindest der Rundlokschuppen wurde eingerüstet.


