Verfall gestoppt

Pankower Tor: Rettung für Berlins bekanntesten Lokschuppen

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Bahn-Denkmal endlich gesichert: Der Lokschuppen am Pankower Tor erhält eine neue Bedachung und könnte später zum Aushängeschild des neuen Wohnquartiers werden.

Bahn-Denkmal endlich gesichert: Der Lokschuppen am Pankower Tor erhält eine neue Bedachung und könnte später zum Aushängeschild des neuen Wohnquartiers werden.

Foto: Thomas Schubert / Berliner Morgenpost

Großprojekt mit 2100 Wohnungen: Investor startet die Reparatur des Pankower Bahn-Denkmals von 1893. Kröten könnten in Berlin umziehen.

Berlin.  Jetzt wird saniert, was noch zu sanieren ist: Nach jahrzehntelangem Verfall, einem Prozess und zähen Verhandlungen laufen am Pankower Tor diesen Sommer endlich Reparaturmaßnahmen an. Plötzlich trägt der große Rundlokschuppen Planen und Gerüste. Es sind lang erwartete Arbeiten, die Hoffnung stiften auf ein neues Wahrzeichen für Investor Kurt Kriegers Stadtquartier am Pankower Tor. Gerüstbauer entfernen dieser Tage verfallene Dachteile des 1893 erbauten Denkmals auf dem Gelände des früheren Güterbahnhof Pankow und legen behelfsmäßige Abdeckungen auf die markanten runden Außenmauern des Schuppens.

Vor den Augen von Familien, die Berlin über die Prenzlauer Promenade in den Ostsee-Urlaub verlassen, endet der Clinch zwischen dem Investor und dem Bezirksamt Pankow also mit der Rettung der alten Bausubstanz. Und das, obwohl einst die Deutsche Bahn 2013 – damals noch Eigentümerin des Schuppens – den Antrag zum Abbruch stellte. Schließlich musste Krieger als Bauherr des neuen Quartiers die Grundstücksflächen übernehmen – gegen seinen Wille erbte er auch den Konflikt.

Mit dem Ende des Dauerstreits über Abriss oder Sanierung des imposanten Bauwerks und zweier anderer alter Bahn-Gebäude auf dem Areal des künftigen Viertels mit mehr als 2100 Wohnungen, zwei Schulen, einem Möbelmarkt und neuen Parkanlagen haben der Bezirk und der Unternehmer endgültig die Weichen gestellt für die Zukunft der 47 Hektar großen Brache.

Reparatur des Denkmals am Pankower Tor Folge eines Urteils von 2019

Dass die Schuppen-Rettung keineswegs im Sinne von Investor Krieger geschieht, zeigten am deutlichsten die juristischen Auseinandersetzungen 2019. Während der Bauherr die Bahn-Ruinen am liebsten abgeräumt hätte, drängte der Bezirk auf den Erhalt – und errang vor dem Verwaltungsgericht einen wichtigen Teilerfolg. Die Sicherungsarbeiten sind also maßgeblich eine Folge dieses Prozesses.

Welche Bestimmung dem große Rundlokschuppen nach der Reparatur und Sanierung künftig zukommt? „Eine gewerbliche oder kulturelle Nachnutzung wird derzeit diskutiert“, berichtet Stadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) im Namen des Bezirksamts von den Überlegungen. Erst im Rahmen des aktuellen Bebauungsplanverfahrens werde mit Krieger ein konkreter Verwendungszweck verhandelt.

Lokschuppen am Pankower Tor mit „provisorischer Außenhaut am offenen Lichtkranz“

Einst hatten in der Anlage 24 Lokomotiven Platz. Nach der Stilllegung verkam die größte noch erhaltene Berliner Bahn-Anlage in dieser Art zum „Lost Place“. Erst nach dem Gerichtsprozess gab der Investor dem Druck des Bezirks nach und startete die Reparatur der Gebäude, bevor die Pankower Verwaltung die Arbeiten selbst durchführen lässt, um sie dann in Rechnung zu stellen.

Laut Aufgabenbeschreibung des Bezirks erfolgt beim Rundlokschuppen der Abbruch und die Entsorgung des Altbestandsmaterials, die Herstellung einer „provisorische Außenhaut am offenen Lichtkranz“ und die „Ergänzung stellenweise fehlender provisorischer Fensterabdeckungen“ sowie eine Entrostung des Tragwerks. Auch Bäume, die während des jahrzehntelangen Verfalls auf dem Schuppen Wurzeln schlugen, müssen Arbeiter wieder entfernen, heißt es in den Vorgaben. So könnten sich die Reparaturmaßnahmen am Bahn-Denkmal Monate hinziehen.

Planung des Quartiers in Pankow: Verkehr, Klima und Grünversorgung umstritten

Zeit, um genauer auf die Knackpunkte des laufenden Bebauungsplanverfahrens zu blicken. 25 Stellungnahmen sollen dazu eingegangen sein, teilt die Firma Krieger aktuell mit. Wenig überraschend sind die Inhalte: „Es ist gut ablesbar, dass die Themen Verkehr, Klima und Grünversorgung die Menschen am meisten beschäftigen. Es gibt viele Schnittstellen zu den eingegangenen Stellungnahmen der Behörden und der sonstigen Träger öffentlicher Belange“, sagt Stadträtin Anders-Granitzki.

Besonders interessant: Das Schicksal von mehreren Hundert Kreuzkröten – jenen streng geschützten Amphibien, die auf der Güterbahnhofsbrache ihr letztes Refugium in Berlin fanden. Während der Naturschutzbund (Nabu) weiterhin gegen eine Umsiedlung der Kröten klagt, suchen Krieger, die Senatsumweltverwaltung und der Bezirk nach einer möglichst schonenden Lösung, bei der keine Tiere zu Schaden kommen. Man befinde sich in der Abstimmung „notwendiger Maßnahmen“, berichtet Anders-Granitzki, die in Pankow das Umwelt-Ressort verantwortet.

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Im Kern der Überlegungen steht die Suche nach einem neuen Refugium für Bufo calamita, wie Biologen die bedrohte Amphibienart bezeichnen. Bislang galt es als sicher, dass die Umsiedlung in Habitate nach Brandenburg erfolgen müsste.

Pankows letzte Kreuzkröten – Bezirk prüft neue Heimat in Berlin

Doch nun gehe es auch um „potenzielle Ersatzflächen in Berlin“, nennt die Stadträtin einen neuen Sachstand. Umweltschützer hatten kritisiert, dass die Umsiedlung für die Kröten potenziell tödlich verlaufen könnte – was den Schutzvorgaben komplett widerspricht. Pankows Baupolitiker gehen davon aus, dass ein Schutzgebiet innerhalb des neuen Stadtquartiers eine derart große Fläche beanspruchen müsste, dass essenzielle Bestandteile wie die Grundschule, der Möbelmarkt, der Radschnellweg Panke Trail und die neue Straßenbahnstrecke zwischen Pankow und Weißensee dann nicht mehr zu verwirklichen wären.

Während der große Lokschuppen nach der Reparatur also keinen Zündstoff mehr in der Debatte um das Pankower Tor bietet, erweist sich die Kröten-Frage als explosiv.

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