Artenvielfalt und gelebte Freiheit: Da denkt man in Friedrichshain-Kreuzberg spontan zuerst an seine Bewohner. Doch beides bietet der viel befahrene, lärmende Innenstadtbezirk in erstaunlich hohem Maße auch in seinen Grünanlagen. Das Umwelt- und Naturschutzamt hat mit der Bezirksgruppe des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) eine Karte der Natur-Orte geschaffen. Einen Wegweiser durch einen Bezirk, der grüner ist, als man meint.

Naturerfahrungsräume: Spielerisch und ohne Aufsicht Natur zu erleben, ist für Kinder in der Großstadt gar nicht leicht. Daher wurden im Bezirk sogenannte Naturerfahrungsräume geschaffen, etwa am Gleisdreieck. An der Halleschen Straße ist so ein Areal seit dem Zweiten Weltkrieg einfach so gewachsen – immerhin auf insgesamt 10.500 Quadratmetern. Büsche, Bäume, Vögel wie Buntspecht und Stieglitz umgeben die jungen Besucher, so dass man sich fühlt wie in einem richtigen Wald. Zu finden hier: 1 Gleisdreieck im Gleisdreieckpark, nördlich Möckernkiez, 2 Robinienwäldchen, Hallesche Straße/ Möckernstraße.

Biotopholz: Da muss man einfach mal genau hinschauen: Selbst sterbende oder abgestorbene Bäume erfüllen einen Zweck. Für bestimmte Insekten, Vögel und Säugetiere stellen sie unverzichtbare Lebensräume dar. Andere Tierarten indes benötigen gerade zersetztes oder verpilztes Holz als Nahrung. Im Bezirk erkennt man diese Bäume an den dort angebrachten Schildern. 3 Volkspark Friedrichshain, 4 Viktoriapark

Friedhöfe: So makaber es klingt: Die Friedhöfe von Friedrichshain-Kreuzberg sind voller Leben. Sie sind Rückzugsorte, bieten Grün und stellen wichtige Biotope dar. Die größten sind an der Bergmannstraße (21 Hektar) und an der Landsberger Allee (19 Hektar). Dort findet man geschützte Arten wie zu Beispiel Mäusebussard, Waldohreule und Habicht. 5 Bergmannstraße, 6 Landsberger Allee.

Naturdenkmäler: Manche Bäume sind Naturdenkmäler. Seltenheit, bestimmte Merkmale, Schönheit und kulturgeschichtliche Bedeutung qualifizieren sie dazu. Ebenso jene großen Findlinge, die als Zeugen der Eiszeit unverändert bleiben müssen. Geschützt werden etwa Exoten wie der Lederhülsenbaum und der Südliche Trompetenbaum. 7 Forckenbeckplatz, 8 Alt-Stralau, 9 Methfesselstr. 19, 10 Wartenburgstraße 1, 11 Boxhagener Platz, 12 Mehringdamm 117, 13 Volkspark Friedrichshain.

Naturnahe Ufer: Obwohl die Spree über mehrere Kilometer durch den Bezirk fließt, sind die naturnahen Ufer nur noch als Relikte vorhanden. Vorbildlich ist da zumindest der Bereich Köpenicker Straße 11-14, wo sich ein flacher Übergang zwischen Land und Wasser befindet, der Tieren einen Ein- und Ausstieg ermöglicht. Fraßspuren nach zu urteilen, ist dort etwa ein Biber unterwegs. Nachgeholfen haben Mitarbeiter der Naturschutzbehörde an der Schwanenwiese, indem sie Pappeln und Weiden ins Wasser ragen ließen und am Ufer verankerten. Das schuf das Umfeld für Eisvögel, Muscheln und Libellen sowie für Fische, die jetzt dort laichen. 14 Köpenicker Straße 11-14, 15 Stralau (Schwanenwiese) Uferweg.

Grünanlagen: Wo sich Kiezbewohner beim Spaziergang vom Großstadttrubel erholen, geben Landschaftspfleger dem jeweiligen Stück Natur genau das, was es braucht. Bei der Neugestaltung des Rodelhügels im Görlitzer Park verwenden sie etwa ausschließlich einheimisches Saatgut, woraus dann das wächst, was Bestäuberinsekten wie die Mauerbiene als Nahrung benötigen. Die Bezirksgruppe des Nabu sorgte für Niststätten bestimmter Vögel im Viktoriapark und gestaltete den Duftgarten im Volkspark Friedrichshain mit passenden Blumen und Kräutern neu. In den kommenden Jahren werden dort die Bunkerberge ökologisch umgestaltet. 16 Park am Gleisdreieck, 17 Viktoriapark, 18 Görlitzer Park, 19 Volkspark Friedrichshain.

Geschützte Landschaftsbestandteile: Die Inseln Kratzbruch und Liebesinsel im Rummelsburger See gelten seit 1999 als geschützte Landschaftsbestandteile. Daher dürfen sie nicht betreten oder befahren werden. So haben Arten wie Eisvogel, Gänsesäger, Graureiher, Graugans, Reiher- und Tafelente ihre Ruhe vor dem Menschen und können dort rasten oder brüten. Zumindest mit dem Fernglas kann man das vom Stralauer Ufer aus beobachten. 20 Liebesinsel und Kratzbruch gegenüber der Halbinsel Stralau

Grüne Dächer und Fassaden: Wenn die Stadt zunehmend zugebaut wird, weicht man in Friedrichshain-Kreuzberg eben auf die Dächer aus. Auf den Wiesen über der Stadt finden Schmetterlinge, Käfer und Wildbienen Heim und Nahrung. Für weitere rund 2000 Quadratmeter gibt es im Bezirk Finanzierungszusagen, zudem wird untersucht, ob bestimmte öffentliche Gebäude für Fassadenbegrünungen geeignet sind. 21 Familienzentrum FUN Rudolfplatz, Modersohnstraße 46, 22 Georg-Friedrich-Händel-Gymnasium, Frankfurter Allee 6a, 23 Familienzentrum Fürstenwalder Str. 30

Wildblumenwiesen: Platz für Natur ist offenbar überall. Kreuzberger haben mit dem Grünflächenamt und der Stiftung Naturschutz einen Teil des Mittelstreifens auf der Baerwaldstraße zur Wildblumenwiese umgestaltet. Forscher der Humboldt-Universität säten indes auf dem Mittelstreifen der rasant frequentierten Frankfurter Allee. Dort sprießen nun etwa Wiesen-Margeriten, Grasnelken und Wiesenklee. 24 Baerwaldstraße, Höhe Carl-Herz-Ufer, 25 Frankfurter Allee 18-24

Grüne Innenhöfe: Als Anreiz, auf dem Hinterhof mehr Grün zu schaffen, fördert die Naturschutzbehörde im Bezirk Mieter und Mietergemeinschaften mit Zuschüssen von bis zu 1500 Euro. was alles möglich ist, kann man sich etwa in den Höfen der Regenbogenfabrik und des Kiezgartens des Vereins Kreuzberger musikalische Aktion näher ansehen. 26 Friedrichstraße 2, 27 Lausitzer Straße 22.

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