Umweltstadträtin Clara Herrmann (Grüne) hat eine Karte in Auftrag gegeben, die gratis etwa in Bibliotheken ausliegt. Patrick Goldstein sprach mit ihr über das Nebeneinander von Großstadt und Natur.
Frau Herrmann, Jan Heyen, Chef der Naturschutzbund-Bezirksgruppe sagt, die Stadt biete mitunter mehr Nischen für Pflanzen und Tiere als das Umland. Wie grün ist Friedrichshain-Kreuzberg?
Clara Herrmann Wir haben gewiss keinen Grunewald- oder Müggelsee in unserem Innenstadtbezirk. Aber die ökologische Vielfalt findet man auch im Kleinen, ob in Innenhöfen oder anderen grünen Oasen.
Welches Ziel verfolgen Sie mit der Karte?
Sie ist eine Einladung an die Menschen in unserem Bezirk, auf Grün zu achten, die Ohren nach den Lauten von Tieren zu spitzen und bei ihnen damit die Sensibilität zu stärken, dass wir Natur schützen müssen.
Ist das überhaupt vereinbar? Einerseits Stadtnatur, andererseits der wachsende Bedarf an Wohnraum und in der Folge Kitas, Schulen, Gewerbe und Verkehrsinfrastruktur?
Natürlich gibt es da Konflikte. Gar keine Frage. Aber man kann dennoch immer etwas für die Natur tun, zum Beispiel für die Gebäudebrüter wie den Mauersegler und die Fledermäuse. Kommt es an Gebäuden zu Sanierungsmaßnahmen, werden ihnen häufig Lebensräume genommen. Da gibt es nun die Möglichkeit, mit Wandschalen Hangplätze für Fledermäuse zu schaffen oder Kästen für Vögel zu installieren. Mit der Karte zeigen wir beispielsweise, dass wir das im Viktoriapark eingerichtet haben, ebenso am Rathaus Kreuzberg an der Yorckstraße. So etwas kann übrigens auch jeder in seinem eigenen Umfeld anbringen.
Wie kann ein Bezirksamt bestehende Stadtnatur verteidigen?
Es gibt verschiedene Instrumente. Die Karte zeigt etwa die Insel Kratzbruch und die Liebesinsel. Das sind geschützte Landschaftsbestandteile, die nicht betreten werden dürfen – sie stehen unter Naturschutz. Dann gibt es den ebenfalls geschützten Naturerfahrungsraum an der Halleschen Straße. Darüber hinaus betreiben wir Umweltschutz, indem wir an den naturnahen Ufern umgekippte Bäume nicht wegräumen, sondern dort belassen – und plötzlich entsteht da Lebensraum für Vögel und Fische. In Kooperation mit dem Straßen- und Grünflächenamt sorgen wir dafür, dass in Parks Holz einfach mal liegen gelassen wird, als Nahrung für Insekten. Das sind Maßnahmen, die klein scheinen, aber eine große Auswirkung auf die Natur haben.
Ist in Friedrichshain-Kreuzberg noch Raum für mehr Grün, wenn ja, wo?
Erst einmal ist es wichtig, dass wir all jene grünen Oasen, die wir haben, verteidigen. Darüber hinaus brauchen wir allerdings andere kreative Strategien. Wir haben bereits grüne Dächer auf mehreren öffentlichen Gebäuden und bauen das weiter aus. Zudem prüfen wir gerade Möglichkeiten von Fassaden- und Wandbegrünung an bezirkseigenen Gebäuden, weil auch dort für viele unterschiedliche Tierarten Rückzugsräume wachsen können.
Die neue Karte der Natur-Orte im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg:
Mehr über den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg lesen Sie hier


