Der ganze Zorn entlädt sich am Samstagabend an einer Tram. Die junge Mutter drückt panisch auf den Türöffner, ein Mann hilft ihr, den Kinderwagen hinauszuheben. Jetzt heißt es: Nichts wie weg hier! Um sie herum spitzt sich die Lage schnell zu. Die Tram der BVG-Linie M2 kann nicht weiter, denn sie liegt auf der Strecke des Protestzugs „GenZ hat genug!“ der vom Rosenthaler Platz in Mitte mit bis zu 3000 Teilnehmenden in der Spitze über die Prenzlauer Allee gelaufen ist. Hier, kurz vor dem Endhaltepunkt am S-Bahnhof, eskaliert es.

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Teilnehmer der Demonstration hauen gegen die Scheiben des Fahrzeugs und beschmieren es, werfen Steine, Eier und Flaschen, zünden Pyrotechnik und Böller. Die Einsatzkräfte der Polizei nehmen Krawallmacher fest, werden dafür umringt, ausgebuht und mit Schmähgesängen belohnt. Um 19 Uhr löst der Veranstalter die Versammlung auf. Noch eineinhalb Stunden danach kommt es zu vereinzelten Festnahmen wegen tätlicher Angriffe und Sachbeschädigungen und zu Zusammenstößen beim Abfluss der Teilnehmenden von der Kreuzung. Dennoch: Der befürchtete große Knall ist ausgeblieben. Zumindest am Abend.

Polizisten beschützen die Tram der Linie M2.
Polizisten beschützen die Tram der Linie M2.© AFP | Ralf Hirschberger

Schon im Vorfeld hatte die Polizei Eskalationspotenzial in dem Demonstrationszug gesehen. Während der Schülerprotest „Gen-Z regelt“ am Brandenburger Tor für eine bessere Bildungspolitik und gegen die Wehrpflicht und soziale Kürzungen wie erwartet friedlich verlief, war „GenZ hat genug“ seit der Anmeldung auch im Fokus von linksextremen und propalästinensischen Kräften – mit dem Wunsch, auf die Gen-Z-Protestwelle aufzuspringen.

Geschäfte wurden sicherheitshalber verbarrikadiert

Rund um den Rosenthaler Platz hatten Geschäfte und Einzelhandel mit Blick auf die Plünderungen in Frankreich und Italien bereits am Mittag ihre Scheiben und Türen verbarrikadiert. Am Weinbergspark sammelte sich die Polizei mit einem Dutzend Fahrzeugen. Der Carsharing-Anbieter Miles hatte das Gebiet nördlich des Rosenthaler Platzes als Parkfläche für seine Fahrzeuge frühzeitig gesperrt.

Demonstration "Gen Z hat genug!"- Berlin
Während des Demonstrationszuges „GenZ hat genug!“ kam es vereinzelt zu Festnahmen wegen Sachbeschädigungen und Flaschenwürfen auf Einsatzkräfte.© Sebastian Gollnow/dpa | Sebastian Gollnow

Viele Demonstranten waren vermummt und verkleidet

Gegen 17 Uhr trafen insbesondere junge Protestierende am Startpunkt des Zuges ein, viele von ihnen vermummt, mit Palästina-Schals, teilweise auch in Halloween-Kostümierungen und mit Gruselmasken. Im Gegensatz zum Brandenburger Tor dominierten Pro-Palästina-Slogans und Schmähgesänge gegen Polizei, Bundeswehr und Israel.

Polizei erwartet lange Halloween-Nacht

Vereinzelt kam es schon vor und auch während des Zuges von Mitte nach Prenzlauer Berg zum Zünden von Pyrotechnik und zu Flaschenwürfen auf Einsatzkräfte. Eine Polizeisprecherin sagte gegenüber dieser Redaktion, es habe von Anfang an eine aggressive und angespannte Stimmung vorgeherrscht.

„Während einige Experten hier im Vorfeld schon Horrorszenarien rund um brennende Straßenzüge und eine niederprügelnde Polizei heraufbeschwört haben, hat die Polizei Berlin die Lage rund um den Gen-Z-Proteste akribisch analysiert, um sich auf eine mögliche Vereinnahmung durch radikale Kräfte vorzubereiten und auch während des dynamischen Demogeschehens als bürgerfreundliche Polizei stets zielstrebig gegen Rädelsführer agiert und die richtigen Antworten gefunden“, sagte Stephan Weh, Landeschef der Berliner Gewerkschaft der Polizei GdP.

Die überwiegende Mehrheit der Jugend habe heute in klarer Ablehnung jeglicher Gewalt friedlich demonstriert. „Da, wo Gewaltpotenzial aufkeimte, haben unsere Einsatzkräfte mit hoher Professionalität verhindert, dass der Funke überspringt, sodass auch scheinheilige Versuche unsere Einsatzkräfte im Social Media zu diskreditieren, völlig ins Leere gelaufen sind“, so Weh weiter. „Wir wünschen allen Kollegen, dass sie gesund durch die Nacht kommen.“

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Denn für die Polizei wird es voraussichtlich eine lange Halloween-Nacht werden. Krawalle an bekannten Brennpunkten konnten im Vorfeld nicht ausgeschlossen werden – auch am Kurfürstendamm hatten sich Geschäfte verbarrikadiert und ihre Sicherheitsmaßnahmen hochgefahren.