Im vergangenen Jahr sind fast doppelt so viele Menschen durch Taser der Berliner Polizei verletzt worden wie 2024. Und das, obwohl die Zahl der Einsätze mit den offiziell Distanzelektroimpulsgeräten (DEIG) genannten Tasern insgesamt leicht gesunken ist. Das geht nun aus einer Anfrage des innenpolitischen Sprechers der Berliner Grünen, Vasili Franco, hervor. Demnach kam es im Jahr 2024 zu 32 Verletzungen durch DEIG-Einsätze, 2025 waren es 58 verletzte Personen.

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„Dass mehr Tasereinsätze zu mehr Verletzten führen, scheint für die Innenverwaltung völlig irrelevant zu sein“, kritisiert Franco. „Inwiefern tatsächlich eine präventive Wirkung durch die Androhung mit Tasern erreicht werden kann, wird nicht substanziell dargelegt.“ Gerade angesichts der Gefahren von Tasereinsätzen, wäre aber eine differenzierte wissenschaftliche Betrachtung geboten, so der Innenpolitiker.

Taser überträgt Elektroimpuls von 50.000 Volt

Der Taser verschießt kleine Pfeile mit Widerhaken, die in den Körper eindringen und über Drähte mit dem Gerät verbunden sind. So wird ein Elektroimpuls von 50.000 Volt übertragen, der die Zielperson handlungsunfähig macht. Die Polizei in Berlin hat die Geräte im Mai 2024 eingeführt. „Taser können Leben retten“, sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel damals. Mit Stand 5. Februar 2026 verfügen 1365 Dienstkräfte der Polizei Berlin über eine Berechtigung zum Führen des DEIG. Dies ist mit einer speziellen Schulung verbunden. Zum Ende des vergangenen Jahres waren rund 250 Taser im Einsatz.

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Ziel der Distanzelektroimpulsgeräte ist es, Polizeikräfte vor Angreifern und Personen mit psychischen Problemen zu schützen, ohne von der Schusswaffe Gebrauch machen zu müssen. Gegner kritisieren jedoch die Gefahr von Herzproblemen oder Verletzungen beim Sturz. Außerdem, so wird oft argumentiert, sinke mit den vermeintlich harmlosen Tasern auch die Hemmschwelle ihres Einsatzes.

Mehr Auslösungen von Tasern durch Berliner Polizei

Im Jahr 2025 kam es nach Angaben der Senatsinnenverwaltung zu 147 Einsätzen des DEIG. Dabei handelte es sich um 62 Auslösungen (2024: 49), 69 Androhungen (2024: 71) und 16 Präventiveinsätze (2024: 35). Während die Gesamtzahl der Einsätze also leicht zurückgegangen ist, ist die Zahl der Auslösungen um 26,5 Prozent gestiegen. In 21 Fällen wurde der Taser zur Verhinderung einer Straftat ausgelöst, 20-mal in Notwehr und 20-mal in Nothilfe.

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In einigen Fällen versagen die Taser

In fünf Fällen wurde ein Strafverfahren im Zusammenhang mit einem DEIG-Einsatz gegen die beteiligten Polizeibeamten geführt. Drei dieser Verfahren sind eingestellt, zwei Verfahren sind noch offen. Allerdings war der Einsatz des Tasers im vergangenen Jahr in sieben Fällen wirkungslos, davon fünfmal wegen „Hindernis Kleidung oder anderer Gegenstände“ und jeweils einmal wegen eines Fehlschusses sowie wegen Wirkungslosigkeit im Kontaktmodus.

Polizeigewerkschaft: Taser schützen Polizeikräfte

Für die Berliner Gewerkschaft der Polizei GdP sind die DEIG dennoch ein wichtiges Einsatzmittel. „Die flächendeckende Ausweitung des Tasers hat nachweislich zu reihenweise Fällen geführt, in denen Kollegen sehr brenzlige Situationen durch die bloße Androhung deeskalieren konnten“, sagt GdP-Landesvizechef Thorsten Schleheider. „Hinzu kommen viele Fälle mit bewaffneten Personen, bei denen am Ende nicht zur Schusswaffe gegriffen werden musste, wodurch Suizide, Suicide-by-Cop und andere Tötungsdelikte verhindert werden konnten.“