Liebe Leserin, lieber Leser,
guten Morgen, dieser Newsletter erreicht Sie zu ungewohnt früher Stunde. Meine Ankündigung des Morgenpost-Menüs in der vergangenen Woche hat doch etwas Staub aufgewirbelt. Ein Leser schrieb mir tatsächlich, er wolle sich den Wecker stellen, um auch ja eine Chance zu haben, das Menü zu reservieren – obwohl er da noch gar nicht wusste, wo es eigentlich hingeht. Nun, wenn Sie erst mal alles sicher haben wollen, dann klicken Sie am besten gleich hier, der Link führt Sie zu der Website des Restaurants, wo Sie über OpenTable eine Reservierung vornehmen können. Die telefonische Reservierung ist erst ab 10 Uhr verfügbar. Mail geht natürlich auch, das wäre dann hier. Und zu meinem Artikel geht es hier. Nein, nein, machen Sie ruhig, wenn Sie es eilig haben, ich habe dafür volles Verständnis. Ich warte hier so lange auf Sie.
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Gut, alles erledigt? Dann erzähle ich Ihnen erst einmal, worum es überhaupt geht. Ein Morgenpost-Menü ist ja immer ein exklusives Erlebnis. Die von mir ausgewählten Restaurants laden Sie als Leserinnen und Leser zu einem besonderen Fünf-Gänge-Menü ein und kreieren häufig Gerichte eigens für diese Gelegenheit. Hinzu kommt der in meiner Sicht wirklich günstige Preis von 79,90 Euro.

Für mich ist es also manchmal gar nicht so einfach, das noch zu toppen, obwohl ich ständig auf der Suche nach extravaganten Erlebnissen für Sie bin, wie ein Trüffelschwein. Exklusivität bekommt hier noch mal eine neue Bedeutung. Besonders bieten sich dafür Orte, neudeutsch „Locations“, an, die man sonst nicht so unbedingt besuchen würde oder könnte. Der Fernsehturm im vergangenen Oktober war so eine Location. Oder auch die Bar „Marlene“ im Interconti, die sonst kein Menü anbieten würde. Oder das Hotel „Palace“ in der City West, das dann auch seine Lobby zur Verfügung stellt, ebenso das „The Westin Grand“. Luxushotels generell.
Aber es geht noch exklusiver. Zum Beispiel, wenn das Morgenpost-Menü in einem Restaurant stattfindet, das eigentlich geschlossen hat und nur noch für besondere Events öffnet. Und so eines ist das „The Cord“ auf dem Euref-Campus in Schöneberg. Hier kreierte jahrelang Florian Peters feinste Gerichte, die rund um den legendären Cord-Oldtimer serviert wurden. Im September 2025 schloss das Restaurant, leider. Und nun öffnet es wieder, einen Monat lang, nur für das Morgenpost-Menü.
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Aber es geht noch exklusiver. Gastronomischer Leiter auf dem Euref-Campus ist Thomas Kammeier, einst gefeierter Sternekoch im „Hugos“ just im Interconti. Und er wird einen Teil des Morgenpost-Menüs zubereiten. Einen Teil?

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Ja, es geht nämlich noch exklusiver. Als ich mit Thomas (wir duzen uns) wegen des Menüs einig war, machte er mir folgenden Vorschlag, der mir eine sehr unanständige Formulierung entlockte, das muss ich zugeben. „Alex“, sagte er am Telefon, „Alex, was hieltest Du davon, wenn ich noch Markus Semmler dazuhole und wir das Menü zusammen kochen?“ Kein Scherz? Als Thomas nach meiner Bemerkung fertig gelacht hatte (sie war wirklich sehr unanständig), stellte sich heraus: kein Scherz. Markus Semmler, ebenfalls einst gefeierter Sternekoch, zuletzt im „Das Restaurant“ in der Sächsischen Straße in Wilmersdorf, das ebenfalls geschlossen ist. Er hatte das erste Morgenpost-Menü zubereitet, über das ich schreiben durfte, 2017. Heute ist er Kulinarischer Botschafter der KPM.
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Fassen wir zusammen: ein Restaurant, das nur für das Morgenpost-Menü öffnet, zwei Ex-Sterneköche, die fünf Gänge kreiert haben und servieren. Ich war und bin begeistert, selbst mir ist so etwas in neun Jahren im Gastronomie-Journalismus noch nicht untergekommen. Und der Probetermin verlief genauso, wie ich es mir ausgemalt hatte: fantastisch. Meine junge Social-Media-Kollegin, die mich begleiten durfte, meinte hinterher, das sei das beste Menü gewesen, das sie je gegessen habe. Das will etwas heißen.
Ja, ja, ich höre Sie ja, Sie wollen natürlich wissen, was es gibt. Also: Zunächst serviert Kammeier eine gebackene Garnele mit Ananas und Paprika, es folgt ein geräucherter Aal mit Wasabirisotto und Staudensellerie. Den hatte ich ja vergangene Woche schon einmal erwähnt. Der dritte Gang stammt von beiden Köchen: ein Maronensüppchen mit Birne und Trüffel. Semmler hat das Hauptgericht beigesteuert, einen Kalbstafelspitz, sous-vide gegart, mit Blumenkohl und Schnittlauch. Auch das Dessert stammt von ihm: Passionsfrucht, Schokolade, Kokos.

Beide Spitzenköche haben mir übrigens versichert, dass mindestens einer von ihnen abends auch persönlich anwesend sein wird, an manchen Tagen auch beide. Also, falls Sie zu Beginn des Newsletters noch skeptisch waren, verstehen Sie vielleicht jetzt, warum ich nicht nur ins Schwärmen gerate, sondern auch zu Eile rate. Hier können Sie noch mal alle Details nachlesen.
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Vom festen Menü zum Baukasten

Zehn Jahre sind in der Gastronomie eine lange Zeit. Und jedem Restaurant, das es schafft, diese Zeitspanne zu überstehen, kann man nur gratulieren. In den Kreis der Jubilare hat sich jetzt die „Brasserie Colette Tim Raue“ in der Passauer Straße, schräg gegenüber vom KaDeWe, eingereiht. Küchendirektor Dominik Obermeier führt unter der kulinarischen Konzeptführung von Tim Raue erfolgreich alle drei Filialen, sowohl in Berlin, als auch in München und Konstanz.
Zum Jubiläum des zehnjährigen Bestehens (ein „zehnjähriges Jubiläum“, wie man es überall liest, gibt es übrigens nicht, das würde bedeuten, das Jubiläum dauert zehn Jahre an) haben Raue und Obermeier die Karte komplett überarbeitet und dabei auch das ganze bisherige starre Menüsystem über den Haufen geworfen. Früher gab es drei verschiedene Fünf-Gänge-Menüs, zum Preis von 99 bis 135 Euro. Die Gäste hätten aber immer häufiger den Wunsch geäußert, sich ihre Menüs selbst zusammenstellen zu können, erzählte Obermeier bei einem Pressedinner in der vergangenen Woche. Das höre ich inzwischen überall, genau deshalb rücken auch Sternerestaurants teilweise von dem unveränderbaren Menü-Konzept ab. Zum Wohlfühlen gehört auch, die Freiheit der Wahl zu haben. Und Wohlfühlen, das steht in diesen rauen Zeiten offensichtlich bei vielen Menschen ganz oben auf der Wunschliste.

Die Speisekarte mit liebenswerten Bildern ist jetzt in Vorspeise, Zwischengang, Hauptgang und Dessert aufgeteilt. In jeder Kategorie gibt es fünf Gerichte zur Auswahl, und man kann sich sein Menü frei zusammenstellen. Ja, auch das Dessert wegzulassen, ist möglich – für mich ein echtes Highlight –, dafür gibt es einen zweiten Zwischengang. Komplettes À-la-carte ist auch möglich, ein Veggie-Menü gibt es ebenfalls und auch drei Gänge sind möglich, bei reduzierter Auswahl. Das normale Menü kostet immer noch 99 Euro, allerdings für vier Gänge statt wie zuvor fünf. Freiheit hat offenbar ihren Preis.
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Nicht geändert hat sich die Qualität der Gerichte. Das Rindertatar mit Kaviar und Grünkohl-Waffel war ebenso überzeugend wie der große Publikumsliebling, die Garnele Marocain, sowie das tiefgründige und wärmende Casolette de Bretagne, ein Bohneneintopf mit Meeresfrüchten. Und auch der Pulpo-Arm mit Kalbskopfjus, Béarnaise und Römersalat hat mich vollständig abgeholt. Das neue Konzept, das erst seit Kurzem serviert wird, scheint jedenfalls bei den Gästen gut anzukommen. An diesem Abend war das „Colette“ bis auf den letzten Platz besetzt. Und selbst ohne uns Journalistinnen und Journalisten, die rund zehn Plätze belegt haben, wäre es wohl so gewesen.
Rote Bete – die Lady in Red

Manchmal muss man gegen den Strom schwimmen. Alle Welt liebt etwa Rote Bete – nur ich nicht. Diese süße Erdigkeit und die intensive rote Farbe sind einfach nicht meins. Grund kann auch sein, dass Rote Bete praktisch in jedem Gemüsesaft enthalten ist. Ich liebe eigentlich Gemüsesaft, aber sobald diese blutrote Flüssigkeit ins Glas schwappt, habe ich schon genug. Vor allem aber auch, weil die Bete immer vorschmeckt. Zum Glück habe ich eine Marke gefunden, die ohne Bete auskommt. Schmeckt gleich ganz anders, vor allem, wenn man den Saft im Stil einer Bloody Mary würzt, also mit Tabasco, Selleriesalz und/oder Selleriepulver, Worcestershire-Soße, Pfeffer und ein paar Spritzern Zitronensaft. Ein paar Zentiliter Wodka sind da drin auch nicht verkehrt 😉.
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Rote Bete ist natürlich gesund, sehr gesund sogar. Und gerade Vegetarier und Veganer fahren auf sie ab. Ich kann das verstehen, selbst, wenn sich die Knolle in so vielen vegetarischen Gängen findet, die ich verkoste. Meistens picke ich dann etwas daran herum, um den Geschmack zu bekommen, den ich aufschreiben muss, und neutralisiere möglichst schnell mit einem Glas Wein.
Dankenswerterweise hat sich mein Kollege Franz Michael Rohm bereiterklärt, einmal den Spuren der Roten Bete in Berlin nachzuspüren und sich von Köchen zeigen zu lassen, was man alles mit der „Lady in Red“ machen kann. Er schwelgte in den Genüssen, und falls Sie auf seiner Seite stehen sollten, dann empfehle ich Ihnen sehr das Ergebnis seiner Recherche.
Damit wechsle ich für heute zurück in die Küche, meine Frau hat sich ein Vitello tonnato gewünscht, natürlich sous-vide gegart bei 56 Grad. Auch so ein „Au ja“-Gericht, falls Sie sich erinnern. Ihnen wünsche ich viel Erfolg beim Reservieren des Morgenpost-Menüs, beim Zusammenstellen Ihres ganz eigenen Menüs im „Colette“ oder auch mit Roter Bete, wenn es denn sein muss. Und natürlich wie immer eine genussvolle Woche.
Herzlich, Ihr
Alexander Uhl
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