Vor kurzem feierte die Dokuserie „Worst Roommate Ever“ auf Netflix Erfolge. Sie zeigt strafrechtlich relevante Mietstreitigkeiten aus den USA von Belästigungen und Körperverletzungen bis hin zum Mord. Nun könnte wohl auch ein Fall aus Berlin Stoff für eine ganze Episode liefern – mitsamt Einblicken in einen brutal umkämpften Wohnungsmarkt, der nicht selten zu Verzweiflungstaten und Betrug im großen Stil anstachelt.

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Seit Dienstag steht der 31-jährige Sam S. vor dem Berliner Landgericht, weil er im Juni seinen Untermieter Cedric T.* sowie dessen Schwester mit zwei Komplizen – wohl Saufkumpanen aus seiner Stammkneipe – mit Pfefferspray und Cuttermesser attackiert und verprügelt haben soll. Die Anklage lautet unter anderem auf gefährliche Körperverletzung. Der Grund laut Staatsanwaltschaft: Vermieter S. wollte Untermieter T. unbedingt aus der Wohnung raushaben, da dieser nicht bereit war, eine willkürliche Mieterhöhung von 50 Euro zu bezahlen.
Mit Pfefferspray und Cuttermesser gegen den Untermieter
Deswegen soll S. mit seinen Spießgesellen unter Alkoholeinfluss die Wohnungstür aufgetreten, den Geschädigten bedroht und ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprüht haben. Ferner habe einer der nach wie vor unbekannten Mittäter dem Geschädigten mit einem Cuttermesser eine kleine Schnittverletzung am linken Mittelfinger zugefügt. „I will kill you“, soll ein Angreifer gesagt haben, um T. Angst einzujagen und ihn rauszuekeln.
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Nachdem der Geschädigte habe fliehen können, sollen der Angeklagte und die Mittäter sein Bargeld, seine Mobiltelefone und seinen Schlüssel entwendet haben. Nur zwei Tage später habe S. das Ganze mit der Schwester des Opfers wiederholt, die an dessen statt von ihm und seinen Begleitern in der Wohnung in Kreuzberg angetroffen worden war.
Angeklagter beschwert sich über Mietversäumnisse
Sam S. zeigte sich am Dienstag zum Prozessauftakt geständig. Im wesentlichen träfen die Vorwürfe zu, sagte er. Er habe sowohl T. als auch seine Schwester mit Reizgas attackiert. „Mit ihm sind die Nerven durchgegangen“, sagte sein Verteidiger Mirko Röder. Die weiteren körperlichen Attacken und den Diebstahl bestreite sein Mandant jedoch.
Die wahre Ursache der Eskalation soll laut S. gewesen sein, dass T. monatelang trotz mehrfachen Aufforderungen und wiederholten Ausflüchten die Miete von 500 Euro in bar nicht bezahlt habe. Manchmal sei dies nur in Stückelungen geschehen, oft aber auch gar nicht. Dadurch sei. S. selbst in Geldschwierigkeiten geraten und habe um seine „Hauptwohnung“ in Steglitz gefürchtet.
Angeklagter begeht mit Untervermietung zusätzlich Sozialbetrug
Ausgezogen sei T. aber nie, erzählte S. Auch die Drohung des Rauswurfs habe nicht gefruchtet. Die Polizei habe ihm schließlich gesagt, dass man in diesem Fall nichts tun könne, der Lebensmittelpunkt von T. befinde sich nun einmal in der Wohnung. Zumal kein schriftlicher Untermietvertrag existiert. Sprich: Klassisches Mietnomaden-Verhalten in einer quasi rechtlosen Situation.
Besonders brisant: Vermieter S., der von Bürgergeld lebt, bekommt die Wohnung vom Amt bezahlt. Eine Untervermietung ist demnach illegal. Untermieter T., ein Flüchtling aus Kamerun, gemeldet in Sachsen-Anhalt, soll er über einen Freund kennengelernt haben. Als Zeuge im Prozess betonte T., der schwarz als Tagelöhner arbeitet, seine Miete immer korrekt und pünktlich in bar übergeben zu haben – selbst die ungerechtfertigte Erhöhung um 50 Euro. Dennoch habe er Morddrohungen von T. erhalten, ehe es im Juni schließlich zur Eskalation gekommen war.
Wo auch immer die Wahrheit liegen mag, gebracht hat Sam S. seine Aktion nichts. Während er in Untersuchungshaft sitzt, lebt T. weiterhin in der Kreuzberger Wohnung. Wenn auch versteckt im Keller, wie er am Dienstag sagte. Aus Angst vor Racheakten aus dem Freundeskreis seines illegalen Vermieters.
* Name von Redaktion geändert





