Seit Freitagabend fahren keine Züge mehr auf der Bahnverbindung zwischen Hamburg und Berlin, einer der wichtigsten Bahnstrecken Deutschlands. Grund ist die Generalsanierung der Strecke. Neun Monate lang verkehren dort nun weder Fernverkehrs- noch Regionalzüge.

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Für Fahrgäste hat das massive Auswirkungen: Die ICE- und IC-Züge werden in dieser Zeit über Stendal und Uelzen umgeleitet. Sie fahren nur noch einmal pro Stunde statt wie bisher alle 30 Minuten und brauchen im Schnitt rund 45 Minuten länger. Der Regionalverkehr fällt auf vielen Verbindungen vollständig aus. Von Berlin aus enden die meisten Regionalbahnlinien spätestens am Bahnhof Wustermark.

Deutsche Bahn: Streckensperrung Berlin-Hamburg – so reagieren Betroffene
Als Ersatz für ausfallende Zugverbindungen im Regionalverkehr werden in Spitzenzeiten entlang der gesamten Strecke zwischen Hamburg und Berlin knapp 30 Buslinien im Ersatzverkehr eingesetzt. Doch wie verlief der erste Tag der Sperrung? Die Morgenpost hat die Situation in Berlin verfolgt.

Sonnabendmorgen, 9.30 Uhr. Das Gleis 7 des Berliner Hauptbahnhofs ist gut gefüllt. Menschen mit Koffern und Rucksäcken, Paare, Familien. Um 9.38 Uhr soll der ICE nach Hamburg starten. Unter den Wartenden befindet sich Christian mit seiner Familie. Zwei Kinder, einiges an Gepäck — für die vierköpfige Familie geht der Flieger von Hamburg aus in die Ferien, so der Vater. Doch erstmal heißt es, mit dem ICE nach Hamburg fahren.
„Ich wusste natürlich von der Umleitung, lasse mich ungern überraschen“, sagt Christian. Doch Bedenken hat er keine. Er fährt die Strecke regelmäßig, beruflich wie privat. Deswegen hat er die Umleitung im vergangenen Jahr schon mitgemacht. Bereits 2024 wurden wegen Sanierungsmaßnahmen die Züge zwischen Berlin und Hamburg für einige Monate über Stendal und Uelzen umgeleitet. „Man hat eine Dreiviertelstunde länger gebraucht und die Züge sind nur noch einmal die Stunde gefahren. Aber die Bahn hat das gut hinbekommen im Rahmen ihrer Möglichkeiten“, sagt er mit Zuversicht, dass es diesmal ähnlich gut funktionieren wird.
Um 9.34 Uhr fährt der ICE 1604 ein. Bis die vielen Reisenden eingestiegen sind, fährt der Zug mit einer kleinen Verspätung von zwei Minuten los in Richtung Hansestadt.
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„Wer das nicht mitbekommen hat, muss durchgehend geschlafen haben“
Knapp eine Stunde später ist das Gleis wesentlich leerer. Um 10.37 Uhr soll der ICE 804 in Richtung Hamburg starten. Christina ist auf dem Weg nach Lüneburg. Sie ist der Überzeugung, dass sich die Menschen genügend auf die Umleitung einstellen konnten. „Es wurde ausreichend in den Medien informiert. In jeder Nachrichtensendung war es Thema“, sagt sie mit Vehemenz. „Wer das nicht mitbekommen hat, muss durchgehend geschlafen haben.“
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Für sie hat die Sperrung sogar einen Vorteil, wie sie schmunzelnd sagt: „Ich habe extra so gebucht, bin eine Woche später als eigentlich geplant gefahren.“ Denn der Zug hält nun direkt in Lüneburg und ihr bleibt das Umsteigen erspart. „Und da kommt er auch schon“, sagt sie, schnappt ihr Gepäck und macht sich auf in Richtung einfahrenden ICE.
Ortswechsel: In Spandau werden die Auswirkungen der Sperrung auf den Regionalverkehr deutlich. Der Bahnhof Spandau ist nun Umstiegsort für Fahrgäste, die nach Falkensee wollen. Der RB10, der sonst regelmäßig zwischen Berlin und Falkensee verkehrt, fällt wegen der Bauarbeiten aus. Fahrgäste, die nach Falkensee oder von Falkensee nach Berlin wollen, sind nun auf die Buslinie X37 der BVG ab Rathaus Spandau angewiesen. Oder sie fahren mit der Regionalbahn von Spandau aus bis nach Dallgow-Döberitz und steigen dort auf den Ersatzverkehr mit Bus um.
Deutsche Bahn: Ersatzverkehr stabil angelaufen
Am Sonnabendmittag wartet Ursula am Rathaus Spandau auf den Bus X37 nach Falkensee. Die Seniorin wohnt in Tempelhof und besucht am Wochenende regelmäßig ihre Kinder in Falkensee. „Sonst bin ich mit dem Zug von Südkreuz direkt nach Falkensee gefahren. Jetzt nehme ich eben die U-Bahn und dann den Bus X37.“ Für Verwirrung hat das bei ihr nicht gesorgt. „Ich bin früher auch immer so gefahren“, sagt sie. Es sei bis jetzt gut gelaufen, die U-Bahn überraschend leer gewesen. „Aber es ist ja auch Samstagvormittag und es sind Ferien“, fügt sie hinzu. Mit dem Ende der Sommerferien befürchte sie eine Verschlimmerung der Situation.

Als der X37 pünktlich am Rathaus Spandau hält, hat sich eine Traube an Wartenden gebildet. Die Menschen drängen in Richtung Bustüren. Trotz des kleinen Ansturms finden alle Fahrgäste einen Sitzplatz. Die zweite Variante, mit der Regionalbahn nach Dallgow-Döberitz und von dort aus weiter mit dem Ersatzverkehr, beanspruchen wesentlich weniger Fahrgäste. Das Gleis nach Dallgow-Döberitz ist am Sonnabendmittag nahezu verwaist.
Der Ersatzverkehr mit insgesamt 170 Fahrzeugen auf 28 Linien sei stabil angelaufen, hieß es von Seiten der Deutschen Bahn am Sonnabend – und auch der Fernverkehr laufe planmäßig.






