Es ist eine Sperrung, die Zehntausende Menschen trifft: Ab Freitagabend fahren keine Züge mehr auf der Bahnverbindung zwischen Hamburg und Berlin, einer der wichtigsten Pendlerstrecken Deutschlands. Täglich fahren allein im Fernverkehr rund 30.000 Menschen auf der 280 Kilometer langen Strecke, insgesamt sind dort jeden Tag 470 Züge unterwegs. Aus dem Havelland fahren laut Pendleratlas rund 22.500 Menschen für ihren Job nach Berlin.

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Viele von ihnen müssen sich nun neun Monate lang neue Wege suchen. Denn die Generalsanierung der Strecke soll bis zum 30. April 2026 dauern, bis dahin können dort weder ICE noch Regional- oder Güterzüge fahren. Züge werden umgeleitet, zudem kommen Hunderte Busse im Ersatzverkehr zum Einsatz. Ein Überblick darüber, was Betroffene wissen müssen – und wie sie trotzdem nach Berlin kommen.

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Was bedeutet die Sperrung für den Fernverkehr?

Fahrgäste im Fernverkehr müssen aufgrund der Sperrung Umleitungen und längere Fahrzeiten in Kauf nehmen. Die Fernzüge werden über Stendal und Uelzen umgeleitet. Im Schnitt brauchen sie dann 45 Minuten länger. Zudem gibt es nur noch eine Verbindung pro Stunde statt bisher alle 30 Minuten. Die Halte Ludwigslust und Wittenberge entfallen. 

Die EC-Züge zwischen Hamburg und Prag starten und enden in Berlin. Die Fernzüge zwischen Hamburg und Rostock werden über Lübeck und Bad Kleinen umgeleitet und brauchen rund 60 Minuten länger. In Schwerin werden in der Bauzeit keine Fernzüge halten. 

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Welche Folgen gibt es für Regionalzüge zwischen Berlin und dem Umland?

Im Regionalverkehr entfallen zahlreiche Linien ganz, sie sind nur noch auf Teilstücken unterwegs oder werden umgeleitet. Von der Sperrung sind alle Züge betroffen, die zwischen Berlin, Falkensee, Nauen und Wittenberge fahren: RE2, RE6, RE8, RB10 und RB14. Die Linie RB10 fährt während der Sperrung gar nicht, die Linien RE2, RE8 und RB14 werden über den Bahnhof Dallgow-Döberitz umgeleitet, teilweise binden sie auch die Stationen Elstal, Wustermark oder Hennigsdorf an. Die Linie RE6 fährt verkürzt zwischen Perleberg und Berlin, wird jedoch wegen weiterer Baumaßnahmen zwischen Neuruppin und Berlin umgeleitet und hält neu in Löwenberg (Mark), Oranienburg und Gesundbrunnen.

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Wo fahren Ersatzbusse?

Die Ersatzbusse sollen vor allem als Zubringer fungieren und Fahrgäste zu den Bahnhöfen bringen, an denen weiterhin Züge fahren. Fahrgäste aus Nauen oder Brieselang werden beispielsweise nach Wustermark gebracht, für Personen, die normalerweise in Falkensee oder Seegefeld einsteigen, gibt es Verbindungen nach Dallgow-Döberitz. Insgesamt umfasst das Ersatzverkehrskonzept 28 Linien. Einen direkten Ersatzbus von Falkensee nach Spandau gibt es dagegen mit Verweis auf drohende Staus auf der Strecke nicht.

Wie stark verlängern sich die Fahrtzeiten?

Zu den Auswirkungen auf die Fahrtzeiten gibt der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) einen Überblick: So sind Fahrgäste zwischen Nauen und dem Berliner Hauptbahnhof in den bisher direkt fahrenden Zügen 45 Minuten unterwegs, in Kombination mit Ersatzbussen wird daraus eine Stunde. Zwischen Falkensee und dem Hauptbahnhof werden es bei Nutzung von Bus und Bahn circa 40 Minuten, es dauert damit doppelt so lang wie bisher. Noch deutlich härter trifft es Menschen, die noch weiter entfernt wohnen: Aus Neustadt (Dosse) dauert die Fahrt künftig zwei statt bislang eine Stunde. Aus Wittenberge werden aus 90 Minuten laut VBB circa 3:30 Stunden.

Wie sollen die Ersatzbusse ausgestattet sein?

Die Busse werden vom Unternehmen Ecovista betrieben, das dafür eigenen Angaben zufolge 208 neue Busse bestellt hat. Sie verfügen demnach über Wlan und USB-Steckdosen. Auf der Langstrecke sind die Fahrzeuge teilweise mit Toiletten ausgestattet, teilte Ecovista mit. Allerdings sollen zum Start der Bauarbeiten noch nicht alle Busse vorhanden sein. Ecovista werde deshalb auf Fahrzeuge von Subunternehmen zurückgreifen, teilte eine Sprecherin mit. Es kämen zudem Busse zum Einsatz, die die Bahn bereits während der Riedbahn-Sanierung, also der Bahnstrecke zwischen Frankfurt (Main) und Mannheim, im vergangenen Jahr verwendet hat. Damit könne der Ersatzverkehr wie geplant in voller Stärke anlaufen, hieß es.

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Kann im Ersatzverkehr ein Fahrrad mitgenommen werden?

Nein. Laut VBB dürfen aufgrund der begrenzten Kapazitäten in den Ersatzbussen keine Fahrräder mitgenommen werden.

Warten Ersatzbusse und Züge aufeinander, um den Umstieg zu sichern?

Wie der VBB erklärt, seien die Umsteigezeiten an den Anschlussknoten so geplant, dass ein Wechsel zwischen den Verkehrsmitteln auch bei leichten Verspätungen möglich ist. Allerdings: „Für größere Verspätungen kann dies leider nicht gewährleistet werden“, heißt es. Weil die Linien auf vielen Abschnitten jeweils im 30-Minuten-Takt fahren, soll aber auch bei größeren Verspätungen keine zu lange Wartezeit entstehen. Ob die kalkulierten Zeiten tatsächlich passen und Umstiege funktionieren, will der VBB kontrollieren, unter anderem durch Testfahrten am ersten Wochenende der Sperrung.

Baumaterial-Lager für Ausbau der Bahnstrecke Berlin - Hamburg
Am Freitagabend beginnt die Generalsanierung der Bahnstrecke Berlin-Hamburg und damit die neunmonatige Sperrung.© Soeren Stache/dpa | Soeren Stache

Was wird bei den Bauarbeiten konkret gemacht und was nicht?

Unter anderem werden 165 Kilometer Gleise erneuert und weitere 61 Kilometer instandgesetzt. Auch 249 neue Weichen werden eingebaut. Fahrgäste sollen zudem auf den Bahnhöfen Verbesserungen spüren. In Brandenburg werden laut Deutscher Bahn unter anderem die Stationen Seegefeld, Falkensee, Finkenkrug, Brieselang, Nauen, Neustadt (Dosse) und Wittenberge modernisiert. Der Bahnhof Albrechtshof in Berlin-Spandau wird ebenfalls umgebaut.

Im Rahmen der Generalsanierung werden zudem sechs neue Stellwerke gebaut und 19 Stellwerke modernisiert. Diese werden für den Einsatz einer digitalen Leit- und Sicherungstechnik (ETCS) vorbereitet, die Strecke selbst aber nicht. Erst in den 2030er Jahren soll auf der Strecke Hamburg–Berlin dann auf die digitale Technik umgestellt werden.

Wird die Bahn nach den Bauarbeiten pünktlicher?

Das ist zumindest die große Hoffnung der Verantwortlichen – zwar nicht für das Gesamtnetz des Fernverkehrs, aber zumindest für die Strecke Berlin-Hamburg selbst. Dort sollte der Verkehr nach der Baumaßnahme aber deutlich besser und störungsfreier rollen. Zudem soll die umfassende Generalsanierung dazu führen, dass dort für mehrere Jahre nicht mehr gebaut werden muss. 

mit dpa