Ob es Zeit wird für die erste Frau an der Bahn-Spitze? „Frauen in Führungspositionen sind ein großes Anliegen dieser Bundesregierung. Das wollen wir an vielen Stellen fördern – auch bei der Bahn“, erklärte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) gegenüber dieser Redaktion im Juli vielsagend.

Donnerstag
Wirtschaft in Berlin
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Nach dem vorzeitigen Aus von Bahn-Chef Richard Lutz stellt sich diese Frage mehr denn je. Lutz ist ab sofort nur noch Bahn-Chef auf Abruf: Bis ein Nachfolger gefunden ist – oder aber eine Nachfolgerin.
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Personaldebatte: Zwei interne Kandidatinnen rücken in den Fokus
Längst wird über potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten für den Spitzenjob spekuliert. Die Besetzung des Chefpostens ist Sache des Kanzlers. Dafür dürfen die Gewerkschaften bei der Auswahl des Personalvorstands ein gewichtiges Wort mitreden. So war die Aufgabenteilung zwischen Eigentümer und Gewerkschaftsseite bisher.

Gestandene Manager von außen anzuheuern, dürfte im laufenden Sanierungsprozess nicht die erste Lösung darstellen. Fragt man Headhunter, ist das Anforderungsprofil des Bahnchefs schon umfangreicher als das bei einem nicht ständig im Licht der Öffentlichkeit stehenden Unternehmensvorstand. Gefragt ist neben den betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten auch der Umgang mit Ministern, Abgeordneten, Landräten und Medien. In Frage käme vielleicht ein erfolgreicher Bahnmanager aus dem Ausland.
Näher liegt daher eine interne Lösung. Lange wurde die Vorständin des Güterverkehrs, Sigrid Nikutta, als potenzielle Lutz-Nachfolgerin gehandelt. Die frühere Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe gilt als ehrgeizig und durchsetzungsstark. Allerdings muss sie mit zwei Problemen kämpfen. Die Cargosparte hat sich zu einem notorischen Verlustbringer entwickelt. Bisher hat Nikutta nur tiefrote Zahlen präsentieren können. Außerdem hat sich die Vorständin mit der Gewerkschaft EVG über den Sanierungskurs verkracht. Zeitweilig habe man nicht mehr miteinander gesprochen, sagen Insider. Inzwischen ist der Streit beigelegt. Nikutta wollen die Arbeitnehmervertreter dennoch nicht auf dem Chefposten sehen.

Deutsche Bahn: Palla kann Sanierung
So könnte eine andere Vorständin plötzlich zur Favoritin auf einen Karrieresprung werden. Sie heißt Evelyn Palla und ist für den Regionalverkehr zuständig. Sie ist seit 2019 bei der Bahn, seit 2022 im Konzernvorstand. Zuvor war sie unter anderem für die Österreichische Staatsbahn tätig. Die 52-jährige Tirolerin hat als Betriebswirtin schon reichliche Auslandserfahrung gesammelt und den Regionalverkehr wieder in die Gewinnzone geführt.
Aus 22 Millionen Miesen wurden im vergangenen Jahr über 100 Millionen Euro Gewinn. Damit hat sie gezeigt, dass sie Sanierung kann. Fleiß hat sie auch an den Tag gelegt und nebenher den Lokführerschein gemacht. „Ich wollte wissen, wie es sich anfühlt, im Führerstand zu sitzen“, sagt sie. Ob das auch für andere Funktionen gilt, gab sie bislang nicht preis.





