Neun Monate lang keine Züge: Das gilt ab Freitagabend für die Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg, der wichtigsten Städtedirektverbindung in Deutschland. Nachdem Vertreter von Deutscher Bahn und Politik am Vormittag in Ludwigslust das offizielle Startsignal für das Sanierungsprojekt gegeben hatten, soll das Bauteam am Abend die Oberleitungen auf der Strecke abschalten. Damit können die Arbeiten an Gleisen, Bahnhöfen und der Technik beginnen, die sich bis Ende April 2026 ziehen sollen.

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Dass die Sperrung die Fahrgäste hart treffen wird, wurde auch am Freitag noch einmal von verschiedenen Seiten betont. „Uns ist bewusst, dass wir Fahrgästen und Unternehmen viel Geduld abverlangen“, sagte Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender der DB InfraGo. „Aber ich bin überzeugt davon, dass sich dieser Kraftakt für alle auszahlt.“ Auch Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) sprach von „einschneidenden Einschränkungen“, die auf die Fahrgäste zukämen. „Umso mehr erwarte ich, dass nach der Generalsanierung ein deutlich stabilerer Betrieb mit weniger Verspätungen Realität wird“, so Bonde, die zugleich bemängelte, „dass in den letzten Jahrzehnten so wenig investiert worden ist in die Schiene“. „Man sieht, dass wir in Deutschland hinterherhinken“, sagte sie.

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Sanierung Berlin-Hamburg: Bund rechnet mit bis zu 2,5 Milliarden Euro Kosten

Bei der Sanierung der Riedbahn, also der Strecke zwischen Frankfurt (Main) und Mannheim, hat das Projekt laut Deutscher Bahn den erhofften Erfolg gebracht. Im Dezember 2024 wurde die Sanierung abgeschlossen. „Seitdem haben sich die infrastrukturbedingten Störungen dort um mehr als 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr reduziert. Die Pünktlichkeit im Regional- und Fernverkehr verbesserte sich spürbar“, erklärt die Deutsche Bahn.

Sanierung der Bahnstrecke Berlin - Hamburg
Beim offiziellen Auftakt in Ludwigslust: Martin Bill, Staatsrat der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende in Hamburg, Susanne Henckel, Staatssekretärin für Verkehr und Arbeit im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus in Schleswig-Holstein, Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde, Ulrich Lange, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender der DB InfraGO AG, Brandenburgs Infrastrukturminister Detlef Tabbert, und Ines Jesse, Staatssekretärin im Landesministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern (v.l.n.r.).© Jens Büttner/dpa | Jens Büttner

Das nun beginnende Vorhaben ist, verglichen mit der Sanierung der Riedbahn, noch einmal deutlich größer. Die Strecke zwischen Hamburg und Berlin ist knapp 280 Kilometer lang, was laut Deutscher Bahn etwa dem Vierfachen der Riedbahn entspricht. Auch die Kosten sind deutlich höher: Für die Riedbahn-Sanierung hatte die Bahn zunächst mit 1,3 Milliarden Euro geplant, am Ende wurden es 1,5 Milliarden. Für die Arbeiten auf der Strecke Berlin-Hamburg rechnet die DB mit 2,2 Milliarden Euro. Nach Worten des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesverkehrsministerium, Ulrich Lange, werden sogar bis zu 2,5 Milliarden Euro investiert – eine Kostensteigerung ist auf Bundesebene offenbar schon einkalkuliert.

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Sanierung Berlin-Hamburg startet mit Arbeiten an Gleisen und Weichen

Mit täglich rund 470 Zügen des Regional-, Fern- und Güterverkehrs gilt die Strecke Hamburg–Berlin als hochbelastet, die Generalsanierung ist laut Bahn dringend notwendig. Zunächst starten die Arbeiten an Gleisen, Weichen und Überleitverbindungen, parallel und anschließend erfolgen die Modernisierungsarbeiten an den Bahnhöfen. Danach soll die Signal- und Stellwerkstechnik ausgetauscht und erneuert werden. Bleibt alles im Zeitplan, soll die Strecke zum 30. April 2026 wieder in Betrieb genommen werden. Bis dahin müssen Fahrgäste zum Teil erheblich längere Fahrtzeiten durch Umleitungen oder Schienenersatzverkehr hinnehmen.

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Dass es zu keinen Verzögerungen kommt, darauf drängte am Freitag der parlamentarische Staatssekretär Ulrich Lange. Der Bund erwarte einen „verantwortungsbewussten Umgang“ mit dem Geld, einen pünktlichen Abschluss der Arbeiten und dass auf der Strecke in den fünf folgenden Jahren keinerlei Sperrungen notwendig sind. Sperrungsfrei für gerade einmal fünf Jahre — ob dieses Ziel den Pendlern imponiert, die in den kommenden neun Monaten gebeutelt sind, bleibt fraglich.