Dass Berlins Olympische Spiele die Kulisse des Brandenburger Tores nutzen wollen, war zu erwarten. Wenn es nach den Planern in der Senatsverwaltung für Sport geht, sollen 2036 oder auch vier oder acht Jahre später dort die Beachvolleyballerinnen und -volleyballer aufschlagen. Im Olympischen Dorf, das auf alten Bahnflächen zwischen den S-Bahnhöfen Westkreuz und Grunewald nahe des Messegeländes entstehen soll, würden 16.000 Athletinnen und Athleten untergebracht. So erfüllt die Stadt als Hauptausrichter der Spiele das vom Internationalen Olympischen Komitee verlangte „One Village Konzept“, wonach 70 Prozent der Sportler an einem Ort in der Nähe ihrer Wettkampstätten wohnen sollen.

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Für die in Berlin vorgesehenen Disziplinen habe man „Cluster“ entwickelt, die mit dem öffentlichen Personennahverkehr gut erreichbar seien, sagte die Innen- und Sportsenatorin Iris Spranger (SPD) am Dienstag bei der Präsentation der Bewerbung.

Tempelhof soll Ort werden für neue Sportarten wie Skateboarden und 3x3 Basketball
Man wolle vor allem bestehende Sportstätten für Wettkämpfe und Training nutzen und gegebenenfalls modernisieren, hieß es. Schwerpunkte sollten das Olympiagelände rund um das Stadion, die Messe, das Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof und das Sportforum Hohenschönhausen sein. Tempelhof sei als Austragungsort für „moderne Sportarten“ wie Bouldern (Sportklettern) oder Skateboarden vorgesehen, hieß es. 3X3 Basketball wird am Platz der Luftbrücke gespielt. In der Messe Berlin sollen Gewichtheber antreten, auch Tischtennis und Teakwondo, und Rhythimische Sportgymnastik finden ihren Platz unter dem Funkturm. Andere Hallensportarten wie Fechten oder Ringen sind in der Messe Leipzig vorgesehen.
Rugby soll im bis dahin fertig gebauten Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg gespielt werden, obwohl dort nur 20.000 Zuschauer reinpassen und das harte Spiel im Rugby-verrückten Frankreich ein Publikumsmagnet war. Der Ort für die neue Disziplin Flag-Football ist das Mommsenstadion in Eichkamp. Hockeyspieler treffen im Union-Stadion Alte Försterei aufeinander, Turner und Trampolinspringer messen sich in der Uber Arena in Friedrichshain. Tennis wird auf der Rot-Weiß-Anlage in Grunewald gespielt.
Kühne Idee: Das alte olympische Schwimmstadion könnte samt Tribünen überdacht werden
Für das olympische Schwimmen, das in Paris ebenfalls viele Fans anlockte, sind mehrere Optionen im Gespräch. Für Turmspringen, Synchronschwimmen und die Vorrunden der Wasserballer wäre die im Zuge der Olympiabewerbung für 2000 gebaute Schwimmhalle an der Landsberger Allee wohl ausreichend. Die Freiwasser-Schwimmer könnten an der Regattastrecke in Grünau in die Dame springen. Für die Kern-Wettkämpfe der Schwimmstars könnte die im Masterplan für das Sportforum ohnehin vorgesehene neue Mehrzweckhalle mit einem Pool ausgestattet werden. Aber auch dann wäre es schwierig, dem Fan-Interesse gerecht zu werden. Zweite Möglichkeit wäre, das historische olympische Schwimmstadion mit seinen denkmalgeschützten Tribünen in eine Halle mit einem temporär verschließbaren Dach zu verwandeln. Diese Halle könnte die einzige Sportanlage sein, die dauerhaft nach den Spielen von der Bevölkerung genutzt werden könnte.
Dass Leichtathleten im Olympiastadion beste Bedingungen vorfinden, ist klar. Auch die großen Outdoor-Ereignisse wie Radrennen, Marathon oder Triathlon wären unproblematisch. Der Marathon solle über die Museumsinsel führen, kündigte Spranger an. Triathleten und Radfahrer sollten in Potsdam starten und dann über die Glienicker Brücke nach Berlin laufen beziehungsweise fahren. „Wir bringen die Spiele zu den Menschen“, versicherte Spranger. Volleyball, Handball und Basketball werden in der Max-Schmeling-Halle und in Leipzig gespielt, die Finals dann in der Uber Arena. Mountain-Biker cruisen durch die Arkenberge im Norden der Stadt. Die Bahnradsportler treten im Velodrom an der Landsberger Allee an.
Fußball und Reiten könnten in Nordrhein-Westfalen ausgetragen werden
Trotz der konkurrierenden Bewerbung des Ruhrgebiets haben die Berliner mit den Nordrhein-Westfalen verabredet, dass in den vielen dortigen Stadien die Vorrunden im Fußball der Frauen und Männer ausgetragen werden. Die Reiter sollen in Aachen gegeneinander antreten, denn dort steht Deutschlands einziges Olympiataugliches Reitstadion.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) kündigte die Regatten der Kanuten und Ruderer auf dem Beetzsee in Brandenburg an der Havel an, „schnell von Berlin zu erreichen“. Golfer könnten in Bad Saarow südöstlich von Berlin die Medaillen ausspielen. Das Sportschießen habe in Frankfurt an der Oder eine große Tradition, könnte dort stattfinden.
Die Segelreviere von Kiel und Rostock konkurrieren um den Zuschlag
Sachsens Sportminister Armin Schuster bringt die Kanu-Slalom-Strecke in Markkleeberg bei Leipzig mit, und er bietet die dortige Messe den Hallensportarten an. Noch nicht geklärt ist, wo die Segelwettbewerbe ausgetragen werden, in Kiel oder in Rostock. „Da befinden wir uns im Wettbewerb“, sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther und die neben ihm stehende Ministerpräsidentenkollegin Manuela Schwesig (SPD) lächelte dazu. Sie warb für Rostock-Warnemünde, auch weil dort vom breiten Strand aus mehr Menschen die Regatten live verfolgen könnten.
Die beiden deutschen Segelreviere an der Ostsee sind aber auch bei den anderen Bewerbern mit im Boot, denn auch München, Hamburg und das Ruhrgebiet haben keine Küste. Die Entscheidung über ein deutsches Bewerbungskonzept will der DOSB in Absprache mit der Bundesregierung im Herbst 2026 treffen.





