In einem offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat sich die Deutsche Feuerwehrgewerkschaft Berlin-Brandenburg DFEUG zwei Wochen nach der turbulenten Silvesternacht, in der es zu knapp 1500 „silvestertypischen Straftaten“ gekommen ist, gegen ein allgemeines Böllerverbot ausgesprochen. Der Ruf nach vermeintlich einfachen Lösungen bediene nur den Schaum vor dem Mund, heißt es in dem Schreiben. „Wir möchten nachhaltige Ergebnisse erzielen und Verantwortliche ganzjährig an das erinnern, was versprochen und zugesagt wurde“, sagt der DFEUG-Landesvorsitzende Lars Wieg. Die konkurrierende Polizeigewerkschaft GdP, die in Berlin auch Feuerwehrleute vertritt, hatte in der vergangenen Woche 1,9 Millionen Unterschriften für ein bundesweites Böllerverbot gesammelt.

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Es sei nicht fair, jedem Menschen eine Konsequenz aus der Dummheit weniger überzustülpen, steht hingegen in dem Brief der DFEUG an Wegner, der eine ähnliche Meinung dazu hat. Dem Ruf des Verbots müssten Kontrollmöglichkeiten folgen, die nicht realisierbar seien. „Aus unserer Sicht ist die Forderung wenig konsensfähig, wir glauben, dass es eher eine Reaktanz auslöst“, argumentieren die Gewerkschafter. Die Gesellschaft sei der vielen geforderten Verbot müde. Man brauche jetzt Ergebnisse und keine ideologischen Diskussionen. Dennoch könnten feuerwerksfreie Zonen und zentrale Pytrotechnik-Veranstaltungen helfen, den Druck auf die Einsatzkräfte an Silvester signifikant zu senken.

Mittel für Prävention gegen Jugendgewalt erhöhen

Wichtiger sei es aber, die Mittel für Maßnahmen zur Prävention von Jugendgewalt im Haushalt dauerhaft festzuschreiben und zu erhöhen. Denn: Die Präventionsangebote der vergangenen Jahre sind aus Sicht der DFEUG ein voller Erfolg gewesen. „Erstmals konnten wir eine Abnahme der Übergriffe auf unsere Kolleginnen und Kollegen feststellen“, so Wieg. „Die im Jahr 2023 ins Leben gerufene Kiezarbeit ist unserer Einschätzung nach an einer positiven Entwicklung beteiligt“. Das zeige auch der Vergleich mit Ortsteilen, in denen es diese Kiezarbeit bisher nicht gibt.

Deswegen sollten in Zukunft Kiezbeauftragte im Haushalt der Berliner Feuerwehr eingerichtet werden. Außerdem sollte in Schulen Wahlpflichtunterricht im Bereich Feuerwehr eingeführt werden, um Schülerinnen und Schülern schon früh klar zu machen, dass hinter jeder Uniform Menschen steckten. Außerdem sollten Kräfte der Feuerwehr in Aus- und Fortbildungen besser auf derartige Einsätze vorbereitet werden, Opfer von Gewaltangriffen verdienten im Anschluss eine engmaschige medizinische und psychologische Betreuung.

Pyrotechnik soll teurer werden – für einen Schadensfonds

Ökonomisch sollte dem Trend der immer größer werdenden Menge von Böllern und Raketen mit begrenzten Abgabemengen und Verkaufsflächen begegnet werden. Möglich seien auch eine Pflicht zur Rücknahme von großen Feuerwerksbatterien sowie ein Schadensfonds. „Dieser Fond sollte durch eine Abgabe im Verhältnis zur Verkaufsmenge an Feuerwerkartikel gefüllt werden“, heißt es. Daraus ließen sich die Reinigungsarbeiten finanzieren, aber auch Opfer feuerwerksbedingter Ereignisse entschädigen. Zur Finanzierung seien bis zu 30 Prozent Aufschlag auf die Ware denkbar.